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Novemberkonzert : Schwermut in der Kantorei in Holm

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Novemberkonzert unter dem Eindruck der Anschläge von Paris. 25 Chormitglieder singen Stücke von Brahms und Herzogenberg.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 16:15 Uhr

Holm | Mit dem Titel „Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen“ erhielt das diesjährige November-Konzert der Kantorei Holm am vergangenen Sonnabend im Gemeindezentrum Holm gänzlich unerwartet eine bestürzende Aktualität.

In ihren einleitenden Worten drückte die Holmer Pastorin Susanne Schmidtpott ihre Betroffenheit über die Ereignisse der letzten Nacht in Frankreich aus. Sie sprach von einer „erschreckenden Wirklichkeit, mitten im Leben, an einem ganz normalen Tag in Paris.“ Mit den Worten Luthers aus dem „Prediger Salomo“: „Ich wandte mich um und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster; und die ihnen Unrecht taten waren zu mächtig, dass sie keinen Tröster haben konnten“, stellte Schmidtpott den Bezug zum dem Konzert der Kantorei unter der Leitung von Olaf Generotzky mit geistlichen Liedern her. Sie seien ein „Trost für die Christen“, damit sie den „Schrecken der Gewalt“ widerstehen könnten.

Im November, am Ende des Kirchenjahres, in der Zeit zwischen Buß-und Bettag und Totensonntag- oder Ewigkeitssonntag- stellt sich die Kirche vielen ernsten, schweren und oft traurigen Themen. In der Musik findet sich diese Zeit seit Jahrhunderten in Worten und Melodien wieder, die meist „keine leichte Kost“ sind, sondern allein von den Kompositionen her oft einen sehr hohen Anspruch an die Interpreten stellen. Der gemischte vierstimmige Chor aus Holm hatte bereits einen Tag zuvor in Wedel in der Immanuelkirche vor mehr als 100 Gästen ein eindrucksvolles Konzert gegeben und viel Beifall erhalten. Da ahnte die Kantorei noch nicht, um wie viel intensiver die Texte von Leid-.und Todeserfahrung und die Melodien der „Vier Choral-Motetten für vierstimmigen Chor à capella“–darunter „Mitten wir im Leben“-von Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) nach Chorälen von J.S. Bach, sie selber und auch die mehr als 50 Gäste am folgenden Tag in Holm betreffen und berühren würden.

Ganz im Sinne von Herzogenberg interpretierten die 25 Chormitglieder die Motetten unter ihrem einfühlsamen Dirigenten Generotzky mit schönen Stimmen in „ruhigem polyphonen Fluss“. Auch die „Missa Sanctae Crucis“ von Michael Haydn (1737-1806) wurde von dem erfahrenen Chor à capella einfühlsam gesungen. Zu Gast war der Bariton Dieter Hohlmeier aus Hamburg. Er intonierte mit wunderbar warmer Stimme zur Begleitung von Generotzky am Flügel die „Ernsten Gesänge“ von Johannes Brahms, darunter Texte vom Prediger Salomo. Es war seinem Gesang zu spüren, dass auch ihn die Lieder von Tod und Vergänglichkeit an diesem Abend besonders berührten.

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