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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. August 2017 | 21:58 Uhr

„Schöpfung“ fantastisch interpretiert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stehende Ovationen für Haydn-Aufführung von Kammerchor und Kammerorchester Wedel in der St.-Marien-Kirche

Erneut ist dem Duo Krivoborodov/Czermak ein großer musikalischer Wurf gelungen. Dank der hervorragenden Orchestereinstudierung des erfahrenen Konzertmeisters Stefan Czermak und seiner eigenen Leistung als Chorleiter war es für Valerie Krivoborodov ein Leichtes, Haydns Meisterwerk klanglich beeindruckend in Szene zu setzen.

Sowohl der etwa 60-köpfige Kammerchor Wedel als auch das von Bläsern der Hamburger Symphoniker unterstützte Kammerorchester überzeugten das Publikum in der ausverkauften Kirche mit einem hervorragenden Konzert von ihrem Können. Zum hohen Niveau der Veranstaltung trugen auch die drei ausgezeichneten Solisten bei, die das klanggewaltige Haydn-Oratorium „Die Schöpfung“ über die Erschaffung der Welt fantastisch interpretierten.

So schmetterte der stimmlich sehr präsente Chor fanfarenartig und kraftvoll im zweiten Teil des Oratoriums „Auch unsre Freud’ erschalle laut, des Herren Lob sei unser Lied!“ Bravo. Einer der Höhepunkte des Abends war die Arie des Gabriel „Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar“, gesungen von Julia Henning. Bezaubernd. Die in Lüneburg lebende Sängerin war spontan für die erkrankte Cornelia Zach eingesprungen, was sich als Glücksfall erwies.

Die zarte Sopranistin trug die Partie des Gabriel mit unglaublicher Lebensfreude vor, ihre perfekt geführte lyrisch-leichte Stimme reihte Haydns Noten wie Perlen aneinander. Die schnellen, nicht einfachen Koloraturen nahm sie mit souveräner Eleganz. Auch Stephan Zelck setzte seinen vollen Tenor meisterhaft ein und füllte mit dem Klang von Uriels Arie „Mit Würd’ und Hoheit angetan“ die Kirche bis in die letzte Nische. Die Erfahrungen als Opernsänger waren da deutlich zu hören.


Publikum war sichtlich berührt


Dass die Zuhörer ein fantastisches Konzert erleben würden, wurde schon gleich zu Anfang deutlich. Wie Samt schwebte die klare und zugleich sanfte Bass-Bariton-Stimme von Konstantin Heintel im Rezitativ des Raphael „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“ durch den Raum. Sowohl seine wunderbar schlichte Vortragsweise als auch seine lyrischen und dosiert kraftvollen Arien berührten das Publikum sichtlich. Als sei wirklich ein Engel durch den Raum gegangen.

Als Besonderheit der Wedeler Veranstaltung gab es vor dem Konzert eine etwas ungewöhnliche Einführung in Leben und Werk des Komponisten Joseph Haydn. Die Wedeler Musikwissenschaftlerin Anke Schmitt bot mit ihrem Kollegen James Lask „musikwissenschaftliches Entertainment“, eine Kombination aus informativem Vortrag und einer Art Unterhaltungsshow. Während Anke Schmitt den „seriösen“, informativen Teil übernahm, stellte Lask nach dem Vorbild der Fernsehshow mit Ernst Stankowski „Erkennen Sie die Melodie“ Musikstücke vor, die parallel zu Haydns „Die Schöpfung“ entstanden waren, und erläuterte die Beziehung der entsprechenden Komponisten zu Haydn. Originell: Unter den Erkennungsklängen der Tagesschau berichtete Lask in Nachrichtensprecher-Manier über aktuelle Ereignisse aus den Jahren 1796 bis 1798, der Entstehungszeit von Haydns „Die Schöpfung“.

Insgesamt war das zweite Jubiläumskonzert mit Einführung anlässlich des zehnjährigen Bestehens vom „Förderverein Kammerchor und Kammerorchester Wedel“ ein fulminanter Erfolg. Die Erwartungen an das nächste Konzert „Magnifikat“ mit den beiden Werken von Johann Sebastian sowie Carl Philipp Emanuel Bach am 23.November werden hoch sein.



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