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Wedel-Schulauer Tageblatt

17. Oktober 2017 | 11:47 Uhr

Schnäppchenjagd mit Witz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Musiktheaterrevue des Trios Schuhbert, Schtrumpfbert und Schmatte begeisterte das Kleinkunstfestival-Publikum auf der Batavia. Boshafte Spitzen gegen den Konsumrausch waren verpackt in deutsche und jiddische Lieder der 1920er und 30er Jahre.

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erstellt am 05.Okt.2017 | 18:17 Uhr

„Schmattes“ kann Trinkgeld bedeuten, ebenso Textiles, Plünnen auf jiddisch zum Beispiel. Nicht zuletzt jede Art von Krimskrams, kleine Schätze und Lieblingsstücke aus dem Repertoire von Stella Jürgensen und Inge Mandos. Und wenn ihr Gitarrist Andreas Hecht sich auch noch den Künstlernamen Andru Schmatte zulegt, dann ist die Zeit reif für einen Auftritt auf dem Theaterschiff Batavia, Brooksdamm. Dessen 24. Kleinkunst-Festival bot genau den richtigen Rahmen dafür.

Die circa 70 Sitzplätze an Bord waren ausverkauft, da besetzen die drei die Bühne – Stella als Stellala Schtrumpfbert und Inge als Ingel Schuhbert – und breiteten ihre musikalisch-kabarettistischen „Schmattes“ aus. Zwei Hausfrauen auf Schnäppchenjagd im Ramschgeschäft kommen während einer Kaffeepause ins Tratschen. Das reichte für ein Handlungsgerüst voller witzig boshafter Spitzen gegen den Konsumrausch und mündete nach kurzem Wortgefecht immer wieder in deutsche oder jiddische Lieder ein, vor allem in Schlager und Chansons aus den 1920er und 30er Jahren.


Pannen werden zu Liedern


Manchmal wirkte ihr Spiel wie echte Bühnenpannen, so überzeugend brachten sie die Situationen herüber: Seine Noten seien weg, jammerte der Musiker oder eine der beiden Damen brachte ihre Zeilen durcheinander. Aber schon wurden Lieder daraus. „Ich finde meine Noten nicht“, „Wenn ich im Text nicht weiterkann“. Das Publikum johlte vor Vergnügen.


Hintergrund und ernste Worte


Wenn die beiden Kabarettistinnen nach der Vorstellung über ihr Programm sprechen, werden sie aber schnell ernst: „Großartige Künstler haben diese Werke geschaffen und wurden dann von den Nazis ermordet“, sagte Stella. Willy Rosen zum Beispiel, der 1944 in Auschwitz starb. „Frau Meier tanzt Tango“ und „Eine schöne weiße Chrysantheme“ waren seine Hits.

Das Trio Schuhbert, Schtrumpfbert und Schmatte will mit seinem deutsch-jiddischen Liedkabarett eine musikalische Tradition wiederaufleben lassen, die fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Ihr „Schmattes“ ist eine Musiktheaterrevue im klassischen Sinne, in dem die Lieder die Handlung erzählen, ergänzt von witzigen Dialogen in der Tradition der Screwball-Comedys von Ernst Lubitsch oder Billy Wilder. Mit diesem Konzept überzeugten sie auch an Bord der Batavia. Das Publikum wie auch Schiffseigner Käpt’n Hannes Grabau waren begeistert. Die Drei dürfen gerne wiederkommen, stimmten die Besucher und der Theaterschiff-Leiter überein.

 

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