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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. August 2017 | 03:21 Uhr

Wedel : Schmidt: „Die Lage ist sehr ernst“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Flüchtlings-Zuweisungen steigen sprunghaft an. Bürgermeister kündigt „unkonventionelle Maßnahmen“ an. Hoffen auf 90 Plätze bis Ende 2015.

Der Druck in Sachen Flüchtlingsunterbringung erreicht neue Dimensionen: „Die Lage ist sehr ernst, wir müssen alles in Bewegung setzen“, so Wedels Bürgermeister Niels Schmidt. Hintergrund ist eine aktuelle Verdopplung der Zuweisungen. Die Stadt müsse nun mit zehn Flüchtlingen und mehr pro Woche rechnen. Der Kreis prognostiziert sogar eine Vervierfachung ab Mitte September. Eine Situation, die „unkonventionellen Maßnahmen“ nahelege, sagte der Verwaltungschef Dienstagabend im Planungsausschuss.

Auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte Schmidt gestern: Enteignungen oder Beschlagnahmungen würden nicht erwogen und seien rechtlich auch kaum umsetzbar. Wohl aber müsse die Stadt ihre Standards überdenken und Räume, die bislang nicht in Betracht gekommen seien, auf Unterbringungsmöglichkeiten prüfen. Als Beispiele nannte Schmidt leerstehende Gewerbe-Immobilien. Maßnahmen, zu denen die Rolandstadt zuletzt in den 90er Jahren greifen musste. „Was wir wirklich vermeiden wollen, sind Zeltstädte oder Turnhallenbelegungen.“, so der Verwaltungschef. Konkrete Objekte wollte er nicht nennen. Schmidt sagte lediglich: „Wenn alles glatt geht, können wir bis Jahresende 90 Plätze schaffen.“ Eine der Optionen ist bekannt: das ehemalige Pflegeheim „Haus Sonnenschein“ am Breiten Weg, das derzeit umgebaut wird.

Aktuell kann sich Wedel nur durch Wohnungsanmietungen behelfen. Ein Markt, in dem ständig Bewegung sei, so Schmidt. Nicht nur zum Positiven. Wie berichtet hatte ein Vermieter der Stadt 20 Wohnungen in Aussicht gestellt – ein Angebot, das jedoch kurz darauf zurückgezogen wurde. „Zurzeit haben wir genau noch fünf Plätze“, so Schmidt. Insgesamt hat Wedel in diesem Jahr bislang 116 Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung stellen können. Im gesamten vergangenen Jahr waren es laut dem Verwaltungschef 80.

Für den Bürgermeister ist daher unter den aktuellen Bedingungen auch für einen möglichen Bau von Wohnhäusern für Flüchtlinge klar: „Wir reden nicht mehr darüber, ob wir den einen oder anderen Standort entwickeln, sondern nur noch wann wir wo was umsetzen.“

Vor dem Hintergrund der neuen Entwicklungen wiederholte die FDP im Ausschuss ihre Anfrage nach Möglichkeiten der Bebaubarkeit des knapp 2000 Quadratmeter großen Spielplatzes an der Pestalozzischule. Ein kaum begründetes Nein sei angesichts der Situation zu dünn, monierte Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der Liberalen. Willi Ulbrich (Grüne) warf zudem die Frage auf, ob die Kirchengemeinden angesprochen wurden, inwieweit sie bereit seien, Grundstücke zur Verfügung zu stellen. In der derzeitigen Lage sei man zunächst vor allem auf Gebäude angewiesen, gab Schmidt zurück.

Wedel treibt indes auch Planungen für den Bau von Wohnhäusern voran. Neben der Entwicklung eines Investorenmodells für das Grundstück Steinberg (wir berichteten) will sich die Stadt heute im Bauausschuss grünes Licht für Vorplanungen auf dem Parkplatz Heinestraße holen. Das sei keine Bauentscheidung, sondern lediglich der Entwicklung der Flüchtlingszahlen und der Verzögerungen an anderen Standorten geschuldet, so Schmidt mit Hinweis auf die Feldstraße.

Bekanntlich soll dort ein Wohnhaus für 50 Personen entstehen. Anwohner haben jedoch einen Bürgerentscheid zum Erhalt der Grünfläche initiiert. Wahltag soll der 29. November sein. Im Planungsausschuss haben die Parteien derweil ebenso wie im Sozialausschuss, der parallel tagte, einstimmig den Standpunkt des Rates zum Entscheid nebst Begründung verabschiedet. Er lautet: „Das zirka 1800 Quadratmeter große städtische Eckgrundstück Feldstraße/Rudolf-Breitscheid-Straße soll bebaut und umgestaltet werden.“

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erstellt am 03.Sep.2015 | 16:30 Uhr

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