Serie: Wedeler Feuerwehrmenschen : Schichtdienst und schweres Gerät

Wenn er Dienstbereitschaft hat, ist Uwe Brandt sieben Tage lang durchgehend auf der Wache.
Wenn er Dienstbereitschaft hat, ist Uwe Brandt sieben Tage lang durchgehend auf der Wache.

Hauptbrandmeister drei Sterne Uwe Brandt über das Beschaffungswesen, eine Woche in der Wache und Sorgen eines Vaters.

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20. Juni 2015, 16:00 Uhr

Wedel | Wenn die Freiwillige Feuerwehr Wedel alarmiert wird, gehört Uwe Brandt meistens zu den Ersten, die Einsatzbereit sind. Der 54-Jährige ist als Gerätewart bei der Stadt Wedel angestellt und wohnt, wie zwei Kollegen, mit seiner Familie direkt in der Feuerwache an der Schulauer Straße. Alle drei Wochen hat er Dienstbereitschaft und besetzt im Einsatzfall die Funkzentrale bis ein Einsatzleiter vor Ort ist. Zudem muss er die gesamte Zeit in der Wache sein.

„Die Dienstbereitschaft beginnt montags um 7 Uhr und endet eine Woche später montags um 6.59 Uhr“, erläutert Brandt. Zwischendurch Brötchen holen oder tanken – undenkbar. „Ich bin dann eine Woche ans Haus gebunden. Da ist es schön, wenn die Partnerin einen Führerschein hat. Einkäufe hochtragen kann man ja“, sagt Brandt. Der gelernte Heizungs- und Klimainstallateur hat sich mittlerweile an den Rhythmus gewöhnt: „Man stellt sich darauf ein und lebt damit.“ Er nennt seine Dienstbereitschaft die „Grüne Woche“ – die Farbe, mit der diese im Kalender markiert ist.

Abseits der Dienstbereitschaft ist Brandt für die Fahrzeugtechnik verantwortlich. „Jeder der drei Gerätewarte hat ein Spezialgebiet, kann aber die Dienst- und Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten. Größere Schäden müssen dann später vom jeweils Zuständigen behoben werden“, erläutert Brandt. Reparaturen an den Fahrzeugen, Wartungstermine, prüfungspflichtige Geräte warten – das sind die Kernaufgaben des Hauptbrandmeisters. Zudem kümmert er sich um das Gebäude. „Irgendwas ist immer zu tun“, so der gebürtige Tornescher, der seit 23 Jahren in der Rolandstadt lebt.

Verbrauchsmaterialien werden direkt bestellt. Anders sieht es bei großen Anschaffungen aus. „Diese laufen über den Beschaffungsausschuss“, erläutert Brandt. Diesem gehört er als stellvertretender Wehrführer ebenso an wie der Wehrführer und zwei Kameraden aus der Wehr. Die Leistungsbeschreibungen werden vom Gremium ausgearbeitet und an die zentrale Vergabestelle der Stadt Wedel weitergeleitet, die diese dann ausschreibt und die Angebote prüft. Gibt die Stadt ihr Okay, gehen die Angebote wieder an den Beschaffungsausschuss zurück.

Neuer Einsatzleitwagen

Für 2016 sei die Anschaffung eines zweiten Einsatzleitwagens geplant. „Bei Hochwasser können wir damit beispielsweise außerhalb der Wache agieren“, erläutert der Hauptbrandmeister drei Sterne. Auf der „Interschutz“, der größten Feuerwehrmesse in Hannover, informierte er sich kürzlich über den aktuellen Stand der Gerätetechnik. Eine neue und größere Rettungsschere stehe nun auf der Wunschliste. „Weil die Autos immer stabiler werden“, sagt Brand. Die Feuerwehr versuche stets, sich dem Stand der Technik anzupassen. „Hybrid- und Elektrofahrzeuge machen uns ein kleines bisschen Sorgen“, gesteht Brandt. Lange Zeit gab es nur ein Modell von Toyota. „Das hat man schon an der Form erkannt“, so der stellvertretende Wehrführer. Heute seien die Autos nicht mehr direkt zu identifizieren. „Wir müssen uns daher auf Batterien und Hochspannung einstellen“, so Brandt.

In der Familie gebe es bei der Alarmierung oft einen Wettlauf, wer als erster einsatzbereit ist. Denn auch Brandts Sohn ist bei der Feuerwehr. „Meine Frau stört das nach 23 Jahren nicht mehr, wenn die Türen zweimal fliegen“, sagt Brandt. Auch sie schaue auf den Melder. „Dann ist sie wie viele Partner von Kameraden emotional dabei“, sagt Brandt. Er selbst sei mittlerweile selten ganz vorn mit dabei. Das sehe bei seinem Sohn anders aus. „Als Vater mache ich mir dann schon Gedanken, wenn mein Sohn als Atemschutzgeräteträger an vorderster Front ist“, gesteht Brandt ein.

Als Feuerwehrmann sei es wichtig, auch zu erkennen, wann man nichts mehr tun könne. „Es ist nicht einfach, solche Entscheidungen zu treffen. Oft geht es dabei um Leben und Tod. Aber wir haben eine Fürsorgepflicht für die Kameraden.“ Diese beziehe sich nicht nur auf die Einsätze, sondern auch deren Nachbereitung. Vor allem Einsätze mit Toten oder Verletzten würden gemeinsam und auch in Einzelgesprächen aufgearbeitet: „Die sind dann zeitlos. Wenn es über drei, vier oder fünf Stunden geht, ist es halt so“, sagt Brand: „Auch wenn wir keine ausgebildeten Psychologen sind, kennen wir die Kameraden gut und wissen, wie sie ticken.“ Wichtig bei den Gesprächen: Alles bleibt in den vier Wänden, in denen es besprochen wurde. „Meistens erkennt man Veränderungen, wenn jemand, der immer Witze reißt, plötzlich ganz still wird“, sagt Brand und räumt ein: „Auch ein Mann darf weinen.“

Brandt trat in die Freiwillige Feuerwehr ein nachdem der Dachstuhl seines Elternhauses bei einem Feuer ausgebrannt war. „Ich wollte die Hilfe, die uns zu Teil geworden ist, zurückgeben“, sagt der Hauptbrandmeister. Seine Motivation? „Es macht Spaß, Menschen zu helfen, wenn einem Dankbarkeit entgegenschlägt.“ Daher freue er sich immer, wenn es nach einem Einsatz eine Anerkennung der Arbeit gibt.

Mitmachen: Die Feuerwehr Wedel sucht neue Kameraden. Wer sich engagieren möchte, kann bei einem Mitmach-Abend am Dienstag, 23. Juni, vorbeischauen und sich informieren. Beginn: 19 Uhr an der Feuerwache, Schulauer Straße 101. Kontakt: 04103-912210.
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