Schelte für Amtsdirektor

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Abstimmung Hetlingens CDU-Mehrheitsfraktion bügelt FW-Antrag zum Amtsrathausneubau ab

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16. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Das war starker Tobak für Amtsdirektor Rainer Jürgensen (Foto): Während der Sitzung des Hetlinger Gemeinderats in der Feuerwache machten am Donnerstagabend Mitglieder der Freien Wahlgemeinschaft (FW) Hetlingen keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Auslöser war der Bau des neuen Amtsrathauses. Auch in Hetlingen fühlen sich Gemeindevertreter hinters Licht geführt. Die FW hatte einen Antrag eingebracht, um den vom Amtsausschuss des Amts Geest und Marsch Südholstein (Gums) beschlossenen Neubau in Heist zu kippen. Die verschuldete Gemeinde könnte einen Widerspruch einlegen, zu dem Paragraf 3 Absatz 5 der Amtsordnung Schleswig-Holstein berechtige. Doch alle Argumente von FW-Fraktionschef Michael Rahn (Foto) und seinen Mitstreitern fruchteten nicht: Der Antrag wurde von der CDU-Mehrheitsfraktion mit sechs zu fünf Stimmen abgeschmettert.

Rahn zeichnete die Verhandlungen um die Auflösung des Amts Haseldorf und den Wechsel der drei Gemeinden Haseldorf, Haselau und Hetlingen kurz nach. Vor zwei Jahren sei seine Gemeinde auch mit dem Argument gelockt worden, dass nur ein höchstens 950 000 Euro teurer Anbau ans Moorreger Amtshaus notwendig sei. Das hätte für Hetlingen jährlich 2700 Euro Mehrkosten bedeutet. „Mit Hilfe von pfiffigen Amtsmitarbeitern hätten wir diese Summe in unserem Haushalt einsparen können“, glaubt Rahn. Der FW-Fraktionschef kritisierte scharf, dass ein Neubau im Hetlinger Rat nie Thema gewesen sei: „Das ist undemokratisch.“

Kritik musste auch Matthias Strauch (CDU) einstecken. Er sitzt nicht nur im Hetlinger Rat, sondern auch im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Elbmarsch. In nicht öffentlicher Sitzung hatte der Amtsausschuss Jürgensen beauftragt, mit der Raiba zu verhandeln, ob sie nicht das Rathaus bauen und an das Amt vermieten könne. Rahn wollte wissen, ob Strauch befangen sei – was von Protokollführer Frank Wulff verneint wurde. „Wenn die Raiba uns den Poschi retten soll, muss das öffentlich diskutiert werden und nicht in kleinen Zirkeln“, sagte Rahn. Strauch konterte: „Investitionen werden vom Vorstand gefällt.“

FW-Vertreter Ralf Hübner (Foto) sprang Rahn zur Seite. Er habe vor dem Wechsel zum Amt Gums (damals noch Amt Moorrege) mehrfach gefragt, ob es bei den angekündigten Anbaukosten bleibe. Dies sei von Jürgensen stets bejaht worden. „Ich bin persönlich von Ihnen enttäuscht. Der Vertrauensvorschuss wird jetzt so weggewischt“, sagte Hübner an den Amtsdirektor gerichtet. Die Kritik am Neubau sei im Übrigen keine Entscheidung gegen die Mitarbeiter. Hübner: „Mir liegt das Wohl Ihrer Mitarbeiter am Herzen, aber wir haben einfach begrenzte Mittel.“

Jürgensen antwortete: „Ich bin nicht der Amtsausschuss, ich werde geprügelt für eine politische Entscheidung.“ Und er betonte, die falschen Zahlen seien nicht bewusst genannt worden: „Von diesen Summen bin ich selbst überrascht.“ Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU), die im Gegensatz zu Rahn für den Neubau gestimmt hatte, verteidigte ihr Votum. Über einen Anbau und eine Amtshaussanierung sagte sie: „Das ist doch aktiv Geld verbrennen.“

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