Haseldorf : Schau der bedrohten Wiesenvögel im Elbmarschenhaus

Helmut Fricke kann viel über die Exponate erzählen, wie beispielsweise den Kampfläufer.
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Helmut Fricke kann viel über die Exponate erzählen, wie beispielsweise den Kampfläufer.

Bis Mitte Oktober zeigt die Kreisjägerschaft Pinneberg im Haseldorfer Elbmarschenhaus Exponate und gibt Erklärungen.

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30. Juli 2015, 14:00 Uhr

Haseldorf | Wenn es um Tierkunde geht, dann sind die Mitglieder der Kreisjägerschaft Pinneberg ganz vorn mit dabei. Jeden Sonntag öffnen sie ihr „Jägerzimmer“ im Haseldorfer Elbmarschenhaus, um Fragen von Besuchern zu beantworten. Bis Mitte Oktober ist eine neue Ausstellung über „Wiesenvögel“ zu sehen. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr.

„Diese Gruppe von Vögeln ist in den vergangenen Jahren in ihrem Bestand mehr und mehr zurückgegangen, einige Arten sind schon vom Aussterben bedroht“, weiß Helmut Fricke zu berichten. Der Gesang der Feldlerche oder „Ki-witt“ des Kiebitzes ist immer seltener zu hören. „Was vor 50 Jahren draußen auf den Wiesen die Luft erfüllte, ist heute zu einem seltenen Erlebnis geworden“, bedauert der Moorreger Jäger.

Auch die Wiesenvögel seien Opfer der Veränderung der Kulturlandschaft geworden. Diese Arten brüten auf dem Boden der Wiesen. Fricke, der auf einem Bauernhof groß geworden ist, kennt sich bestens mit dem natürlichen Kreislauf aus. Früher wurde das Gras meist Mitte bis Ende Juni gemäht. „Also in einer Zeit, wenn die Vögel ihre Brut soweit hatten, dass ihr Nachwuchs nicht durch die Mähmaschinen in Gefahr gerieten“, erzählt Fricke. Die Blütenpflanzen auf den Heuwiesen und die feuchten Böden lieferten Insekten und Würmer für die Jungvögel. Nun habe sich in vielen Gegenden die Landwirtschaft geändert – hin zu einer Intensivierung. Fricke: „Je schneller das heute blumenarme Gras wächst, umso früher kann der erste Schnitt erfolgen – leider oft bevor die Jungvögel geschlüpft sind. Genauso könne es der zweiten Brut gehen. „Für die Wiesenvögel ist das eine Katastrophe“, betont Fricke.

Zudem hat sich nach Einschätzung der Jägerschaft das Raubwild am Boden in der Marsch deutlich vermehrt. Nicht nur Fuchs, Dachs und Marder futtern sich fett, sondern auch die zugewanderten Neubürger wie Mink und Marderhund. Die größten Singvögelräuber seien allerdings Katzen. Ihnen fallen jährlich schätzungweise 1,2 bis 1,4 Millionen Vögel zum Opfer.

13 Exponate sind zu sehen, die sich die Jäger von Tierpräparator Gerd Reinstrom aus Kempdorf ausgeliehen haben. Das bemerkenswerteste ist ein Kampfläuferpärchen. Das männliche Tier zeigt sich im barock anmutenden Balzkleid. „Der Kampfläufer geht jedes Jahr auf den gleichen Platz“, weiß Fricke. Das Areal ist nur etwa einen Quadratmeter groß. Die Männchen mit den schwarzen Kragen dominieren übrigens. Die gefiederten Platzhirsche umgeben sich allerdings sehr gern mit weiß-bekragten Rivalen. „Sie sind dann noch attraktiver für die Damen“, erklärt Fricke schmunzelnd. Zu sehen ist auch der einzige Bodenbrüter unter den Greifvögeln: die Rohrweihe.

Öffnungszeiten: Das Jägerzimmer im Haseldorfer Elbmarschenhaus, Hauptstraße 26, ist sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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