Wedel : Schatzsuche in der Rolandstadt

Hält Ausschau nach dem versteckten Cache: Marc Gorisek.
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Hält Ausschau nach dem versteckten Cache: Marc Gorisek.

Geocacher aus Itzehoe sucht in Wedel versteckte Schätze mit Hilfe seines Handys. Es gibt mehr als 40 Ziele.

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26. Juli 2014, 10:00 Uhr

Wedel | „Wedel – Stadt mit frischem Wind“ – so wirbt die Stadt auf ihrer offiziellen Webseite. Sie könnte aber auch sagen: „Wedel – Stadt der Geheimnisse“. Marc Gorisek ist in die Rolandstadt gekommen, um einige Geheimnisse zu lüften. Das wichtigste Werkzeug des Itzehoers: Sein Smartphone. Gorisek ist Geocacher.

„Es ist eine Schatzsuche“, erklärt der 34-Jährige sein Hobby und ergänzt: „So wie man früher Schnitzeljagd gespielt hat, sucht man heute mit dem Handy.“ Sogenannte „Caches“ sind das Ziel der Geocacher. Auf der Internetseite www.geocaching.com gibt es die Koordinaten, Hinweise und Aufgaben, die zum versteckten „Schatz“ führen. Gesucht wird nach Behältern – vornehmlich Filmdosen – in denen die Geocacher ein Logbuch finden, in das sie sich eintragen.

„Bei mir hat es vor zwei Jahren angefangen“, erinnert sich Gorisek. Eine Arbeitskollegin habe ihm davon erzählt und er probierte es aus. Rund zwei Drittel seiner Schätze hat er rund um Itzehoe gefunden. Den Rest auf Dienstreisen. Wenn er nicht gerade versteckte Schätze sucht, ist er in der IT-Branche für Linux-Firewalls verantwortlich.

Als Mitglied des Itzehoer Computerclubs kennt er einige Geocacher. Zu sechst erlebten die Computerexperten ihr schlimmstes Cachingerlebnis. „Summa sumarum haben wir damals locker drei bis vier Stunden in die Suche investiert“, erinnert sich Gorisek. Auf Nachfrage beim Owner, demjenigen, der den Cache versteckt hat, kam heraus: Der Schatz existiert nicht mehr.

Die Aufgaben sind auf der Webseite nach Schwierigkeit sortiert, die sich aus dem Gelände ergeben. In Wedel steuert Gorisek als erstes das Rathaus an. Er hat den nach schiefem Denglisch klingenden Cache „Rat-House-Place“ ausgewählt. Die Koordinaten hat er bereits ermittelt. Vor Ort beginnt die dezente Suche an Bäumen, unter Bänken. Per Handy-Kompass wird der Ort umkreist. „Das ist mein wichtigstes Hilfsmittel“, erklärt der Hobby-Schatzsucher. Das GPS-Signal bringe einen an den richtigen Ort, aber die Genauigkeit liege nur bei etwa zehn Metern Abweichung.

Doch auch der Kompass hilft nicht. Im Internet entschlüsselt er den zusätzlichen Hinweis: „Setz dich, bleib ruhig und Augen auf.“ Genau das macht er. Sein Blick streift über das Gelände. „Am Wichtigsten beim Caching ist die Erfahrung“, erläutert der IT-Experte und ergänzt: „Irgendwann weiß man einfach, was gute Verstecke sind.“ In diesem Moment bleibt sein Blick hängen. Er ist sich sicher: Da ist der Cache. Doch das Problem sind in diesem Moment die „Muggles“. In Anlehnung an die Harry-Potter-Bücher – dort werden Personen ohne magische Fähigkeiten Muggles genannt – haben Geocacher den Begriff für Passanten etabliert. „Wenn man in Gebüschen oder Mauerwerk sucht, kann das schon sehr seltsam auf Unbeteiligte wirken“, weiß Gorisek.

In der Vergangenheit haben Geocacher sogar schon Polizeieinsätze und Bombenwarnungen ausgelöst. Davon blieb der Itzehoer aber verschont. Dennoch will er nicht auffallen – auch weil Unwissende häufig Caches entfernen oder zerstören. Zur Feierabendzeit vor dem Rathaus quasi unmöglich. Daher bricht er ab, um später wiederzukommen.

Nur wenige Meter die Bahnhofsstraße hinaus wartet das nächste Rätsel. Gesucht wird ein Sohn der Stadt. Der wird mit Hilfe von Wikipedia schnell gefunden. Aus seinem Geburts- und Todesdatum setzen sich die Koordinaten zusammen, denen Gorisek folgt. Dann steht er mitten auf der Bahnhofstraße direkt unter dem Cache. Vor aller Augen und trotzdem versteckt. „Da geht man jahrelang an dieser Stelle vorbei und weiß nicht das dort ein Cache liegt“, hat ein anderer Geocacher auf der Webseite kommentiert. Er schaut sich um. Keine Muggles in Sicht. Er greift zu und hält eine kleine rote Dose in der Hand. Schnell trägt er sich ins Logbuch ein und markiert den Cache im Internet als gelöst – wie bereits 151 Personen vor ihm. Dann legt er ihn an den Fundort zurück. „Das Beste ist das Finden“, erklärt Gorisek. „Und der Adrenalinkick nicht erwischt zu werden.“. Dann loggt er sich wieder ein. Er sucht das nächste Ziel. Mehr als 40 gibt es in und um Wedel.

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