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Wedel : Scan with YOL: Der Planetenlehrpfad geht online

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Wedeler Marc Murray entwickelt eine App, die Infos aus dem Internet zusammenträgt. Pilotprojekt zeigt, wie’s geht.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 17:10 Uhr

Wedel | Wer den Wedeler Planetenlehrfahrt bisher ein wenig dröge fand, sollte ihn sich jetzt unbedingt noch einmal vornehmen. Denn er ist mächtig aufgehübscht worden. Nicht von außen, sondern quasi von innen. Der Wedeler Marc Murray hat eine App entwickelt, die hinter den Steinplatten das Sonnensystem aufleuchten lässt. Durch Informationen, die nicht nur in Wort, Bild und heutigen modernen Youtube-Erklärfilmen daherkommen, sondern auch in zahlreichen Sprachen abrufbar sind – inklusive Plattdeutsch und Gebärdensprache.

Die Idee zu dem Projekt kam dem Familienvater in der Londoner Tate Britain. Von dem altehrwürdigen Museum hatten seine beiden Kinder reichlich wenig, weil sie Englisch noch nicht verstanden, berichtet der Deutsch-Engländer, den die Liebe zu einer Wedelerin 2001 in die Stadt verschlug. Der studierte Jurist und Betriebswirt aber, der noch bis Ende des Monats als Personal Direktor bei Cinemaxx arbeitet, hatte in dem Moment eine neue Mission: Die digitale Vermittlung von Wissen über alle Sprachgrenzen hinweg anzubieten – kostenlos und einfach in der Handhabung. Die Idee von YOL, Your Own Language, war geboren.

Murray suchte für seine neue App nach einem Pilotprojekt und fand es im Planetenlehrpfad, der auch 2001, als Murray in die Stadt kam, eingeweiht wurde. Um die App herunterzuladen, braucht es einen Strichcode-Button, der mittlerweile auf allen Planetentafeln angebracht ist. Mit dem QR-Reader des Smartphones sei das mit wenig Datenverbrauch zu machen. YOL, das auf türkisch auch „der Weg“ bedeutet, wird online abgerufen, erklärt Murray. Im O des Schriftzugs sind die Anwendungs-Symbole eingearbeitet. Informationen und Filme stehen automatisch in der Sprachversion zur Verfügung, in der das Handy arbeitet. Für eine andere Sprache scrollt der Nutzer die angezeigten Flaggen auf und ab.

Während der Vorstellung gestern Vormittag geht Murray alle Funktionen der App durch. Als erstes ploppt das Twitter-Zeichen auf – um Wedel auch in diesem Dienst bekannt zu machen, so der Projektleiter augenzwinkernd. Einfache, selbsterklärende Symbole zeigen dann, was möglich ist. Zur Sonne, vor der wir stehen, gibt es einen Text und einen Film. Der Text – das Magazin, das zur Einweihung des Planetenlehrpfads von der Stadt herausgegeben wurde – kann selbst gelesen werden. Murray hat ihn aber auch eingesprochen, man kann ihn sich also ebenso vorlesen lassen.

Den Film hat Murray bei Youtube gefunden. Er sei besonders für Kinder geeignet. The Simple Club vermittelt darin trockene Materie hipp und spannend. Zeitgemäß eben. Der geniale Einfall für die App sei der, erläutert der Entwickler, dass eigentlich alles schon da ist im Netz: „Das tolle an YOL ist, ich muss nicht suchen.“ In arabischer Sprache liegt der vertonte Wikipedia-Eintrag vor. Auch Gehörlose finden ein Video. Dort wird die Bedeutung der Sonne nicht nur in Gebärdensprache erklärt, sondern auch in Untertiteln beschrieben. Um die Beiträge für Blinde anzukündigen, meldet sich das Smartphone akustisch, und es vibriert. Hier habe ihm der sehbehinderte Volker König sehr geholfen, erklärt Murray dankbar.

Bisher beherbergt YOL Infos in Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Türkisch und Russisch, auf Platt und in Gebärdensprache. Eine Erweiterung sei ausdrücklich erwünscht, so Murray. Für seine App hat er hingegen bereits eine weitere Anwendungsmöglichkeit gefunden. Der Spielzeughersteller Haber will seine dicken Spielregel-Hefte mithilfe seiner Entwicklung digitalisieren.

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