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Wedel-Schulauer Tageblatt

26. Juli 2017 | 20:53 Uhr

Sanierung nicht jetzt und nicht so

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

An der Au Der Neubau von drei Häusern hat die Sachgasse total zerstört / Anwohner wollen eine kleine Lösung – und die später

Ein einsames Dixiklo und ein Sandhügel stehen noch verloren auf dem Asphalt. Gegenüber neigt sich der Poller, der einen Privatparkplatz schützt, windschief dem Boden zu. Sein Nachbar wurde gleich ganz umgefahren und ist bereits entsorgt. Im Hintergrund zerschredderte Holzkisten. Gegenüber den tatsächlichen Spuren, die die Bautätigkeiten in den vergangenen zwei Jahren in der beschaulichen Straße An der Au hinterlassen haben, sind das Marginalien. Drei Häuser entstanden auf dem Gelände der einstigen Villa von Neue- Heimat-Chef Albert Vietor. Der Abriss des Anwesens und der Bau der Eigenheime haben die Sackgasse am Rande Wedels kurz vor Hamburg in ein Trümmerfeld verwandelt. „Die Straße ist total ruiniert“, stellt Anwohner Jens Vollert nüchtern fest. Jetzt soll sie vollsaniert werden. Das wollen die Bewohner nicht. Jedenfalls nicht so, wie die Stadt es plant.

Die Straße An der Au wurde in den 1950er Jahren angelegt. Das bedeutet: kein mehrschichtiger Straßenaufbau, den Untergrund bildet eine Ziegelschotterschicht, über die eine Asphaltdecke gelegt wurde. So ist es in der Ausschussvorlage für die Straßenbaumaßnahme beschrieben. Kräne, Raupen und 35-Tonner hält so eine Fahrbahn nicht aus. Zudem ist die Straße schmal und verwinkelt. Die LKW-Fahrer hatten Mühe mit dem Rangieren. Sie rasierten Ecken ab, zerstörten Eingänge, demolierten Zäune, Hecken und Tore und überfuhren Parkbügel, berichten die Anwohner. „Wir machen den Fahrern keinen Vorwurf, sie hatten es nicht leicht“, räumt Vollert ein. Einige von ihnen kapitulierten auch und stellten ihr schweres Gerät kurzerhand vor der Einfahrt auf dem Schulauer Moorweg ab.

Nun soll die Straße von Grund auf saniert werden. Kostet laut Verwaltungsvorlage geschätzte 220  000 Euro bei einem Komplettausbau. Anlieger zahlen gemäß Satzung der Stadt 85 Prozent der Summe. Das ist zu viel – und vor allem geht das alles zu schnell, so die Bewohner. Sie kritisieren nicht das Ob – die Straße wurde noch nie „erstmalig hergestellt“ –, sondern das Wann und Wie der Maßnahme.

„Wir wollen keine Goldrandlösung“, formulieren sie ihre Vorstellungen. Von den drei Alternativen, die im Rathaus für eine Anliegerbeteiligung auslagen, wünschen sie sich quasi eine vierte: ohne Bürgersteige. „Die brauchen wir eigentlich nicht“, sind sie sich einig. In der Straße gehe man nicht spazieren, sondern steige aus dem Auto und gehe direkt ins Haus. Auch bräuchten sie Zeit, um sich auf die finanziellen Anforderungen vorzubereiten. Die Anwohnerschaft sei gemischt, erklärt Vollert. „Wir haben hier auch Familien, denen es schwerfällt, das zu bezahlen“. Das Gros sei allerdings im Rentenalter. Aber auch die müssten für die Ausgaben ansparen. Darüber hinaus: Eingestellt seien sie auf eine Vollsanierung in sieben Jahren. So sei es ihnen von Wedels Verwaltung angekündigt worden.

„Wir wollen schon seit Jahren ausbauen“, sagt Fachdienstleiterin Birgit Woywod dazu auf Nachfrage. Seit 2010 steht die Maßnahme im Investitionsplan, wurde allerdings im Zuge der Haushaltskonsolidierungen immer wieder geschoben. Zurzeit wertet die Stadt die Anliegerbeteiligung aus. Dann geht das Thema zusammen mit den Anregungen der Anwohner, der Auswertung und der Abwägung durch die Verwaltung wieder zurück in die Politik. Bürgermeister Niels Schmidt ist in der Zwischenzeit auf die Anlieger zugekommen. Am 6. Juni trifft sich der Verwaltungschef mit ihnen.  

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erstellt am 20.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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