Wedel : Sanierung doch ohne Hafenrückbau?

Im letzten Abschnitt der Sanierung am Hafenhang soll auch die marode Mole weg - so der Plan der Wedeler Verwaltung. Diese Rechnung hat sie offensichtlich ohne die Mehrheit der Planungspolitiker gemacht.
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Im letzten Abschnitt der Sanierung am Hafenhang soll auch die marode Mole weg - so der Plan der Wedeler Verwaltung. Diese Rechnung hat sie offensichtlich ohne die Mehrheit der Planungspolitiker gemacht.

FDP, Grüne, SPD und Teile der WSI stimmen im Planungsausschuss gegen Molen-Abbruch. Konsequenz: Mindestens 340.000 Euro Mehrkosten.

shz.de von
15. Januar 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Überraschende Wendung in Sachen Rückbau des Hafens im Businesspark: Mit den Stimmen von FDP, SPD, Grünen und Teilen der WSI votierte der Planungsausschuss zwar für den Abschluss der Bodensanierung im Hafen-Hangbereich. Entgegen der Verwaltungs-Empfehlung gingen die Fraktionen jedoch beim Abriss der Mole sowie Verkürzung und Sicherung der Spundwand durch eine Steinaufschüttung nicht mit – abgelehnt. Einzig die CDU und die Linke wollten der Beschlussvorlage folgen und den Hafenrückbau mit dem Sanierungsabschluss verknüpfen. Sechsmal Ja reichte bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung seitens der WSI jedoch nicht aus, um das 1,25-Millionen-Projekt als Gesamtpaket zu beschließen.

Da half auch das Werben von Bürgermeister Niels Schmidt nichts. Die Sanierung solle dringend angegangen werden, um vor der Vermarktung der rund 180.000 Quadratmeter Gewerbeflächen im Businesspark fertig zu sein. Dabei müssten ohnehin Teile der Spundwand angefasst und gesichert werden. Zudem sei die Mole marode. Daher die Idee, Sanierung und Rückbau aus Kostengründen in einem Zug und mit einer Baustelleneinrichtung zu realisieren, so der Verwaltungschef. Schmidt betonte zudem noch einmal, dass die Maßnahme das Autofähren-Projekt von Becker Marine Systems an dieser Stelle nicht gefährde. Der Hafen sei ohnehin nicht nutzbar. „Ich sehe daher nicht den Sinn eines Erhalts“, so Schmidt.

Dies war nicht der einzige Punkt, in dem Martin Schumacher für die FDP intervenierte. Seine Partei hatte Ende vergangenen Jahres beantragt, mit dem Rückbau zu warten, bis die Entscheidung über eine mögliche Kraftwerksneubau und damit Grundstücksflächen gleich nebenan gefallen ist, die möglicherweise mit genutzt werden könnten. Und er sei weiter fasziniert von dem möglichen Flächenpotenzial, so Schumacher auch mit Blick auf den Elbe-Radweg, der dort entlangführt.

Zudem wiederholte der Liberale Befürchtungen, Wedel könne das Nutzungsrecht für Hafen und Anleger mit dem Rückbau aufgeben und eine spätere Fähranbindung des Businessparks damit unmöglich mache. „Wir machen nichts unmöglich und verhindern nichts“, versicherte Schmidt. Zumal die Mole den Autofähren-Plänen nur im Weg sei. „Wir sollten die Mole jetzt wegnehmen“, so Schmidt, „sonst schmeißen wir Geld in die Elbe“. Nach Rechnung der Saniererfirma würde sich der Bau um mindestens 340.000 Euro verteuern, wenn der Hafen ein zweites Mal angepackt werden müsste.

Nur das Notwendigste

Dies seien „Peanuts“ angesichts der Summe, die Exxon-Mobil als Vorbesitzer der Fläche Wedel für die Sanierung zahle, so Manfred Eichhorn (SPD). Seine Partei sehe momentan keine Notwendigkeit, den Hafen anzufassen. Auch Joachim Funck (WSI) erklärte, es solle zu diesem Zeitpunkt saniert und dabei nur das Notwendigste gemacht werden.

Ausschusschef Michael Schernikau (CDU) stellte dagegen klar, dass die Sanierung auch Auswirkungen auf den Haushalt habe: „Wenn es günstiger als veranschlagt wird, profitiert die Stadt.“ Schmidt flankierte: Exxon zahle einen Fixbetrag. Derzeit sei Wedel guter Hoffnung, von dem Geld auch die Erschließung finanzieren zu können und eventuell sogar Reste in den städtische Haushalt fließen zu lassen. Allerdings: Wenn die Sanierung teurer werde, komme kein zusätzliches Geld von dem Weltkonzern. Nach Tageblatt-Informationen sind es rund 26 Millionen Euro, die für die Dekontamination des ehemalige Raffinerie-Areals zur Verfügung stehen.

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