S 1-Halt: Nützlich, aber zu teuer

Gutachter belegt: Zweite Bahnstation für Wedel unter derzeitigen Bedingungen nicht wirtschaftlich und nicht förderfähig

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05. März 2014, 16:00 Uhr

Der S-Bahn-Halt Wedel Ost: Bleibt er nur ein schöner Traum für die Rolandstadt? Dass zumindest nach aktuellem Stand kaum Chancen auf eine Realisierung des zweiten S 1-Halts bestehen, hat Wedel jetzt Schwarz auf Weiß. „Die volkswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der Maßnahme Wedel Ost ist nicht gegeben“: So lautet das Fazit eines Gutachtens, das Bernd Kollberg von Intraplan Consult der Stadt vorgelegt hat.

Grund ist – wie könnte es anders sein – das Geld. Tatsächlich hätte die zusätzliche Station beim Famila-Fachmarktzentrum durchaus verkehrliche Vorteile, wie Kollberg herausstellt: Pro Tag würden rund 660 Fahrten vom motorisierten Individualverkehr (MIV) auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verlagert werden – sprich vom Auto auf die S-Bahn. Entspricht laut Kollberg etwa 10 000 eingesparten Pkw-Kilometern an Werktagen.

Eine stolze Zahl, der allerdings auch stolze Investitionssummen gegenüberstehen. Denn um Wedel Ost in Betrieb nehmen zu können, ist nicht allein der Bau einer neuen Station notwendig. Auch die Strecke vom Bahnhof Wedel bis Stadtrand Hamburg müsste ertüchtigt, also zweigleisig ausgebaut werden. Kosten allein dafür: gut 14 Millionen Euro. 20 bis 25 Prozent Planungskosten noch nicht mitgerechnet. Darüber hinaus muss außerdem ein zweiter S-Bahn-Zug auf der Linie 1 in Betrieb genommen werden.


Bei Zweigleisigkeit geht die Rechnung auf


Damit übersteigt gemäß den so genannten standardisierten Bewertungen von Verkehrswegeinvestitionen des öffentlichen Personenverkehrs die Kosten den Nutzen. Und die Förderfähigkeit durch öffentliche Zuwendungsgeber gilt als nicht gegeben, so Kollberg.

Anders sehe die Rechnung aus, sollte unabhängig und vor dem Projekt Wedel Ost zweigleisig ausgebaut werden. „Dann wäre die Bewertung positiv“, so Kollberg. Der allerdings auch nachschob: „Ich fürchte nur, dass in der Praxis niemand bereit ist, das zu bezahlen.“

Dennoch seien Gespräche mit dem Land als potenziellem Zuschussgeber möglich, so der Gutachter. Etwa unter der Voraussetzung, dass Wedel einen höheren Eigenanteil leistet oder dass Dritte bei der Finanzierung einbezogen werden. Tatsächlich will Bürgermeister Niels Schmidt nun einen Gesprächstermin mit dem Verkehrsministerium im April nutzen, um dem Wunsch nach dem zweiten S 1-Halt Nachdruck zu verleihen.

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