Verkehrssicherheit : Runter vom Gas vor der Kita in der Wedeler Hafenstraße

Als Dankeschön gab’s von den Kindern der Mäusegruppe für die Sponsoren und Ermöglicher jeweils ein selbst gemaltes Mäusebild.
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Als Dankeschön gab’s von den Kindern der Mäusegruppe für die Sponsoren und Ermöglicher jeweils ein selbst gemaltes Mäusebild.

Um die 30er-Zone vor der Kita in der Hafenstraße sicherer zu machen, haben Eltern Geld für Geschwindigkeitsanzeigen gesammelt.

shz.de von
11. Januar 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Im Mai 2016 sendete die Elternschaft der evangelischen Kita in der Hafenstraße die erste Mail an Bürgermeister Niels Schmidt. Gut eineinhalb Jahre später ist das Anliegen durchgeboxt: Zwei interaktive Geschwindigkeitsanzeigen, so genannte Dialog-Displays, werden zukünftig die Auto-, Motorrad- und Lkw-Fahrer, die durch die Straße fahren, daraufhinweisen, wenn sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern (Km/h) überschreiten.

Die 30iger-Zone gibt’s in der Hafenstraße schon lange. Das Problem, dass trotzdem vor Kita und dem gegenüberliegenden Seniorenheim zu schnell gefahren wird, seit gefühlt 20 Jahren, berichtet Elternvertreter Stefan Rychlak während einer kleinen Einweihungsfeier gestern Vormittag. Die Eltern hätten es mit versetztem Parken versucht, doch das habe nicht gewirkt. Im Gegenteil: Das sei noch gefährlicher, weil es die Sicht nehme.

Dass die Geschwindigkeitsüberschreitungen wirklich erschreckend waren, konnte die Verkehrsaufsicht der Stadt durch verdeckte Messungen feststellen. In einer Woche passierten im Sommer 2016 mehr als 6500 Fahrzeuge die Straße, durchschnittlich 934 pro Tag, davon rund 120 Lkw und Lastzüge. Die Hafenstraße führt an die Elbe, zudem gibt es regen Zulieferverkehr zu den ansässigen Unternehmen. 85 Prozent der Fahrzeuge fuhren damals zu schnell, rund die Hälfte in der 30er-Zone mehr als 40 Km/h, 15 Prozent waren sogar mit mehr als 47 Km/h unterwegs. Von den Lkw fuhren 85 Prozent schneller als 36 Km/h, 15 Prozent passierten die Kita sogar mit mehr als 47 Km/h. Von den Lastzügen, die elf und mehr Meter lang sind, brausten 15 Prozent mit mehr als 48 Km/h vorbei.

Schwellen seien in ihrem Fall keine gute Maßnahme, bestätigten zwei Verkehrspsychologen aus Universitäten in Dresden und Berlin den Eltern. Geschwindigkeitsanzeiger seien wirkungsvoller, am wirkungsvollsten interaktive Anlagen. Um die zu bezahlen, gingen die Eltern auf Spendentour. Von Wedeler Unternehmen sowie der Bürgervereinigung kamen innerhalb weniger Monate die benötigten 7100 Euro zusammen, berichtet Rychlak. Die Stadt sagte zu, die Installation zu übernehmen sowie für den Betrieb und die Wartung der Anzeiger zu sorgen. Zudem wird in nächster Zeit die Beschilderung der 30er-Zone mit zusätzlicher Erweiterung erneuert. Außerdem sollen auf der Straße drei Markierungsstreifen aufgebracht werden. Sensibilisierungsstreifen nennt sie Elternvertreter Rychlak: „Wenn Autofahrer zu schnell darüberfahren sollten sie spüren: Ach ja, da war doch was.“ Auch die Auslagerung des Schwerlastverkehrs ist geplant.

Wichtigstes Signal für Schnellfahrer bleiben aber die beiden Dialog-Displays. Die zeigen die Geschwindigkeit an und darunter ein „Danke“, ein „Achtung“ oder ein „Langsam“ als interaktive Kommunikation je nach Schnelligkeit des Fahrers. Darüber ist das Feld während der Vorstellung der Anlage gestern extra noch verdeckt. Es sei gut, wenn die Autofahrer einen Hinweis bekommen, wieso sie langsam fahren sollen, erläutert Rychlak. Das sei bei ihnen ein ganz besonderes Motiv, das erst bei der endgültigen Aufstellung am 30. Januar enthüllt wird.

Verkehr werde immer individuell wahrgenommen, sagte Bürgermeister Schmidt in seiner Rede. Deswegen gehe es der Stadt bei verkehrlichen Anfragen immer erst einmal um eine Versachlichung der Situation. Die habe mit den Eltern der Hafenstraßen-Kita wunderbar geklappt. Zudem seien sie konstruktiv und sehr nachhaltig gewesen, was schließlich zum positiven Erfolg geführt habe. „Dass die Maßnahmen etwas bewirken, da bin ich mir sicher“, sagte Schmidt voller Zuversicht.

„Ein herzlicher Dank für die Unterstützung gebührt den Stadtwerken Wedel, der Stadtsparkasse Wedel, der Trioptics GmbH, der DARAG Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-AG, der Schneider Vermögensverwaltung GmbH und der Bürgervereinigung Wedel“, so die Elternschaft der evangelischen Kita in der Hafenstraße.
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