Risikofaktor Brandschutz

Der Brandschutz in der Grundschule Moorrege muss erneuert werden.
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Der Brandschutz in der Grundschule Moorrege muss erneuert werden.

Sachverständiger zeigt 28 Mängel in der Grundschule auf / Gemeinde muss nach ersten Schätzungen 500 000 Euro investieren

shz.de von
24. November 2018, 16:00 Uhr

„Insgesamt sind es 28 Mängel, die wir aufgelistet haben. Das wäre schon ein abendfüllendes Programm“, sagte der Brandschutzingenieur Jan Bröder (Foto, klein). Im Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Moorrege berichtete er über den Brandschutz in der örtlichen Grundschule. Um den sei es nicht gut bestellt. „Der brandschutztechnische Zustand der Schule muss als sehr risikoreich eingeschätzt werden“, brachte es Bröder auf den Punkt.

Im Obergeschoss fehle ein unabhängiger zweiter Rettungsweg. Eine Trennung von Fluren und Treppenhäusern sei notwendig. Eine Alarmierungsanlage fehle komplett. „Die Pausenklingel zählt nicht“, sagte Bröder. Zudem würden auch feuerwiderstandsfähige Wände fehlen. Auch die Blitzschutzanlage müsse vermutlich erneuert werden. Doch damit war es längst nicht genug. Die Türen im Keller, wo auch das Archiv untergebracht ist, das erweitert werden soll, müssen erneuert werden. „Dort gibt es nur Holztüren. Da wären Feuerschutztüren notwendig, um zu verhindern, dass ein Feuer aus dem Keller in die Pausenhalle übergreift“, berichtete Bröder. Ein Feuer im Kellergeschoss könnte ohnehin dramatische Folgen haben. „Wir haben Stahlträger in der Decke, die frei liegen. Bei einem Vollbrand, werden nach acht, neun Minuten Temperaturen von 700 bis 800 Grad erreicht. Ab 500 Grad wird der Stahl instabil. Bei einem Feuer hätten wir einen Totalverlust durch den Einsturz“, zeichnete der Ingenieur ein düsteres Bild.

Einige Probleme seien bisher noch nicht benannt. „Bei den abgehängten Decken muss man reinschauen, was an Brandlasten da ist. Da liegt ja einiges an Kabeln“, erläuterte Bröder. Dass Jacken und Garderoben aus Fluren verschwinden sollen, sieht Bröder nicht als notwendig an. „Jacken entzünden sich nicht selbst“, sagte er. Vergessene Smartphones als Brandursache schloss er aus: „Bevor ein Kind sein Handy in der Jackentasche lässt, haben wir alle Dieselautos entfernt.“ Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) merkte an, dass in der Grundschule ohnehin ein Handyverbot gelte.

504  000 Euro sollen nach einer ersten Schätzung die baulichen Veränderungen kosten. „Die genaue Kalkulation erfolgt durch den Architekten“, erläuterte Bröder. „Der Kreis hat uns mitgeteilt, dass die Mängel bis zum 30. September zu beseitigen sind. Der ist meines Erachtens schon vorbei“, sagte Ulrich Möller von den Freien Wählern Moorrege (FWM). Bröder beruhigte: „Sie haben ja jetzt einen Prozess angestoßen. Das zeigt, dass sie handeln.“ Zudem habe das beauftragte Ingenieurbüro, das die Umsetzung realisieren soll, zunächst neue Gebäudepläne erstellen müssen. „Es lagen nur Pläne aus der Zeit vor, als das Gebäude errichtet wurde“, sagte Bröder. Weinberg war angefressen: „Vor 18  Jahren wurde die Schule zuletzt geprüft, und jetzt kommt der Kreis mit so einem Paket.“

Als Bröder auch einen zweiten Fluchtweg für die Sporthalle ins Spiel brachte, hakte Axel Mankel (SPD) nach: „Kann die Schule eigentlich ihre Weihnachtsfeier veranstalten?“ Bröder brauchte einen Moment, bevor er antwortete: „Die Schulleiterin Maike Kittel muss informiert werden und der Antrag alle Behördengänge durchlaufen. Schon beim Oktoberfest der Feuerwehr war eine Sondergenehmigung notwendig.“ Weinberg stoppte die Diskussion: „Das ist schon beantragt.“ Kittel erläuterte: „Wir haben den Antrag beim Amt gestellt. Das läuft seit 20  Jahren gleich. Kreissprecher Oliver Carstens bestätigte: „Der Antrag liegt dem Kreis noch nicht vor, aber es gibt Kontakt zum Ordnungsamt des Amts Geest und Marsch Südholstein. Sollte der Brandschutz wie beim Oktoberfest der Feuerwehr geregelt werden, würde der Kreis dem Antrag auch zustimmen.“

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