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Wedel-Schulauer Tageblatt

16. Dezember 2017 | 22:09 Uhr

Reizvolles Spiel mit dem Publikum

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Arthur Schnitzlers „Der grüne Kakadu“: Stürmischer Applaus für Johann-Rist-Schüler / Heute und morgen gibt es weitere Vorstellungen

Die Aula des Johann-Rist-Gymnasiums (JRG) ist schon ziemlich voll. Mehr als 300 Besucher warten auf den Beginn der Premiere, da schreitet plötzlich ein Uniformierter durch die Reihen und kontrolliert Ausweispapiere. Die Behörde habe das angeordnet, es gebe Sicherheitshinweise, so seine Begründung.

Und tatsächlich, es passiert Bedenkliches im Zuschauerraum. Liederliche Damen machen die Runde und setzen sich ehrbaren Wedelern ungefragt auf den Schoß. Sie scheinen Spaß daran zu haben, die biederen Bürger in Versuchung zu bringen. Dann kommt auch noch der Kellner des „Grünen Kakadu“ von der Bühne herunter und bietet den Leuten Wein an. Dabei ist der Verzehr von Speisen und Getränken in der Aula doch verboten.

Es ist offensichtlich: Gesetzlosigkeit liegt in der Luft, als ein Klingelzeichen endlich den Spielbeginn ankündigt. Es ist der Abend des 14. Juli 1789. Draußen wollen die Pariser die Bastille stürmen. Der Adel findet das amüsant. Angetan in prachtvollen Kostümleihgaben des Deutschen Schauspielhauses, füllen Hofdamen und Herzöge nach und nach die Ganovenspelunke, teilmöbliert mit Apfelkisten – für die hohen Herrschaften gibt es freilich noblere Sitzgelegenheiten.

Am Ende liegt ein hochgeborener Herr erstochen auf der Bühne und seine zehnjährige Schwester Johanna in der zweiten Reihe findet das lustig – wie überhaupt das ganze Spiel.

Wer hier spielt und wer zuschaut, ist nicht immer klar in Arthur Schnitzlers Groteske „Der grüne Kakadu“. Und was spielen sie eigentlich? Verbirgt sich feiges Mordgesindel hinter den Masken der Mimen? Oder ist es berechnender Nervenkitzel für die dekadente High Society, dass die Schauspieler sich als blutrünstige Revoluzzer-Zelle in Szene setzen? Auf jeden Fall macht der Theaterkurs der Oberstufe unter der pädagogischen Leitung von Nanette Vibach und Norbert Hilger-Carstens seine Sache so gut, dass man fast traurig ist, wenn am Ende die Scheinwerfer abgeschaltet werden. Der Beifall will nicht enden, aber Zugaben gibt es bei so einem Spiel nun mal nicht.

Dafür aber noch ein paar Aufführungen: heute und morgen im JRG, Am Redder 8. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, Schüler drei Euro.

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