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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. September 2017 | 22:54 Uhr

MBCS-Hafen : Räumung nicht mehr abzuwenden

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Berufung gegen Ordnungsverfügung gescheitert. Jetzt startet ein Insolvenzverfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeit des Vereins.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Wedel | Die Skipper aus dem kleinen Auhafen: So lange konnten sie dem Gegenwind aus Richtung EU und Kreis Pinneberg trotzen. Jetzt muss der Motor-Boot-Club Schulau (MBCS) doch beidrehen und Kurs auf neue Gewässer nehmen. Nach sieben Jahren Rechtsstreit zwischen den Freizeitkapitänen und dem Kreis steht fest: Die Ordnungsverfügung ist rechtskräftig, der Verein muss sein Domizil in der Wedeler Marsch räumen und zurückbauen. Spätestens bis 2016.

Eine Entscheidung, die schmerzlich ist für den vor 45 Jahren gegründeten Club – und die weitreichende Konsequenzen hat. Der MBCS hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren läuft. Grund: drohende Zahlungsunfähigkeit.

Denn der Verein steckt in einem Dilemma. Zwar gehört dem MBCS rund ein Hektar des Geländes am Lüttsandsdamm. Das Stück Land ist jedoch wertlos. „Der Verein hat ein Grundstück, auf dem man praktisch nichts machen darf“, sagt Insolvenzverwalter Gideon Böhm. Schon gar keinen Hafen betreiben. Der wurde den Skippern zwar seinerzeit durch die Stadt Wedel verschafft. Eine förmliche Genehmigung jedoch hatte es nicht gegeben – und kann es auch nicht mehr geben, wie Kreissprecher Marc Trampe gestern am Tageblatt-Telefon erläuterte. Weil es zwischenzeitlich gemäß FFH-Richtlinien als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Für den Verein bedeutet dies, dass er nicht allein den Betrieb aufgeben muss. Der MBCS muss auch für den Rückbau sorgen – und der kostet richtig. Boden abtragen und entsorgen, Hartholz der Schlengelanlagen entsorgen, Kabel: rund 500.000 Euro rechnet Böhm für die erforderlichen arbeiten: „Das kann der Verein nicht zahlen.“

Seine Aufgabe sei es nun, eine Lösung zu moderieren, so Böhm. Dahingehend, dass den Wassersportlern ausreichend Zeit bleibt, sich nach neuen Liegeplätzen umzusehen. Und dass der Kreis dem MBCS entgegen kommt, was den Rückbau angeht – vor allem beim Thema Entsorgung.

Der Club habe angeboten, viele der erforderlichen Leistungen in Eigenregie zu übernehmen, so Böhm. Eine entsprechende Rückbauliste sei dem Kreis vor rund 14 Tagen zugegangen – bislang ohne Reaktion. Böhm: „Dass geräumt werden muss, kann ich nicht mehr verhindern. Die Frage ist nur, wie. Und da arbeite ich an einer vernünftigen Lösung.“

An der ist offenbar auch dem Kreis gelegen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Lösung finden werden“, sagte Trampe am Tageblatt-Telefon. „Wir sind gesprächsbereit.“ Er bestätigte, dass die Rückbauliste vorliege und jetzt geprüft werde. Derweil rüstet sich der MBCS mit seinen verbliebenen 80 Mitgliedern und rund 20 Schiffen noch einmal für die Saison. Zwei Boote liegen bereits an den Schlengeln. Die übrigen sollen am Wochenende nach Ostern gekrant werden. Möglicherweise zum letzten Mal am idyllischen Unterlauf der Au.

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