Wedel : Radrüpel auf dem Elbwanderweg

Brigitte Napiwotzki moniert, dass Rücksichtslosigkeit von Radfahrern, auf dem  Elbwanderweg  immer weiter zunimmt.
Brigitte Napiwotzki moniert, dass Rücksichtslosigkeit von Radfahrern, auf dem Elbwanderweg immer weiter zunimmt.

Stellvertretende Rheuma-Liga-Vorsitzende schlägt Alarm: Immer mehr Radfahrer missachten das Fahrverbot und gefährden Fußgänger.

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06. Juni 2014, 10:00 Uhr

Wedel | Himmelfahrt 2014 – ein Tag, den Brigitte Napiwotzki noch lange in Erinnerung behalten dürfte. In schlechter Erinnerung, behaftet mit einem Gefühl, das ihr auch eine Woche danach noch nahe geht. Es war der Tag, an dem ein langjähriges Ärgernis eine bislang für die Wedeler nicht gekannte Eskalationsstufe erreichte, die fassungslos macht.

Es ist Mittag, als Napiwotzki mit ihrem Mann den Elbwanderweg zwischen Graf-Luckner-Heim und Fährhaus entlangspaziert. Idyllisch – eigentlich. Plötzlich hinter ihnen ein energisches Klingeln, anhaltend. Dann der Satz: „Dass die Leute nicht mal Platz machen.“ Das Klingeln – es kam von einem Mann, der mit seiner Tochter auf dem Rad unterwegs war. Ruhig und sachlich habe ihr Mann darauf entgegnet: „Dies ist ja auch kein Radweg“, erinnert sich Napiwotzki. Stimmt: Radfahren untersagt, so heißt es auf den Schildern an den Zugängen. Den Radfahrer kümmerte das wenig. Ein Wort gab das andere, so die Wedelerin. Schließlich sei der Unbekannte abgestiegen und drohend aggressiv nah an sie herangetreten mit Pöbeleien und den Worten „Wollen Sie eins in die Fresse haben?“

Dazu ist es nicht gekommen. Doch diese Begegnung– sie ist ein trauriges Extrem dessen, was nach Napiwotzkis Schilderungen besonders an Wochenende quasi zur Normalität geworden ist: Rücksichtslosigkeit und Dreistigkeit von Radfahrern dort, wo sie eigentlich gar nichts zu suchen haben. Ganze Gruppen, die nebeneinander fahren – „und die haben teilweise eine Zahn drauf“, sagt Napiwotzki. Sätze wie „Was regen Sie sich denn überhaupt auf“ gehören zu den harmlosen Entgegnungen. „Ich bin etliche Male schon richtig beschimpft worden“, sagt Napiwotzki.

Erst Anfang der Woche an einem normalen Arbeitstag hat sie allein gut 15 Menschen gezählt, die unbeirrt auf ihrem Rad fuhren – in einer halben Stunde. Jedesmal für sie begleitet mit einem mulmigen Gefühl, oft mit einem Schreck: „Ich brauche ja nur mal einen falschen Schritt zur Seite machen.“ Eine naheliegende Furcht. Napiwotzki ist stellvertretende Vorsitzende der Rheuma-Liga Wedel und selbst gehbehindert.

Erst vor wenigen Tagen traf sie eine Bewohnerin des Seniorenheims am Wanderweg mit dem Rollator. Sie habe regelrechte Angst vor den Radlern – und davor, den Weg zu nutzen. „Ich sage bestimmt nicht bei jedem etwas und will wirklich nicht alle über einen Kamm scheren. Manche springen auch förmlich vom Rad, wenn man sie auf das Verbot aufmerksam macht. Es gibt da wirklich auch vernünftige Leute – aber die werden immer weniger“, so Napiwotzkis traurige Beobachtung.

Die Radrüpel vom Elbwanderweg – bei der Stadt ist dieses Phänomen seit langem bekannt. Allein es fehlen effektive Mittel gegenzusteuern. „Es ist ein uraltes Thema“, sagt Bürgermeister Niels Schmidt auf Tageblatt-Anfrage. Aber eben auch ein „Problem, dass sich zunehmend weniger Leute an die Regeln halten“. Der Weg sei beschildert, das Radfahren dort klar als Ordnungswidrigkeit definiert. „Nur ist das Problem durch Schilder und Verbote nicht in den Griff zu bekommen“, so Schmidt. Und Kontrollen? Zuständig sei die Polizei, da es sich um fließenden Verkehr handle. Und da fehlten schlicht die nötigen Kapazitäten für eine effektive Überwachung.

Ein Problem sei, dass die Elbe-Radwege in Hamburg zwar am Wasser entlang nach Wedel führen, hier aber nicht fortgesetzt sind. Eine echte Lösung sieht Schmidt daher nur durch den Radweg-Bau am Ufer. Von dem musste sich die Rolandstadt jedoch aus finanziellen Gründen auf unbestimmte Zeit verabschieden.

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