zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

15. Dezember 2017 | 08:10 Uhr

Wedel : Radbox-Nutzer auf der Zinne

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stadt will ab 2014 für Velo-Käfige in der Tiefgarage am Bahnhof kassieren: Ungerecht und nicht nachvollziehbar, sagen die Radler.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Klar: Neue Abgaben und Mehrkosten – das kommt nie gut an bei denen, die es zahlen müssen. Im Fall der Gebühr, die künftig für die Fahrradboxen in der P&R-Tiefgarage am Wedeler Bahnhof fällig sein soll, können die, die sie berappen müssen, so gar nicht nachvollziehen, was das jetzt soll. Zumindest nicht unter den Rahmenbedingungen, die sie dort vorfinden und an denen sich offenbar nichts ändern wird – außer dem Kostenfaktor.

Montagabend, Vor-Ort-Termin im Käfig-Sektor unter der Erde neben den Gleisen. Neonröhren beleuchten schummrig Draht- und Putzwände, bei denen Anlehnen oder unachtsames Vorbeistreifen sogleich mit reichlich hartnäckigem Dreck an Jacke und Hose quittierte wird. Zudem überall Zeugnisse von zahllosen Sprühdosen-, Farbstift- und Aufkleber-Angriffen auf das Ästhetik-Empfinden. Es weht kräftiger Wind – der Geruchssinn dankt’s. Das erlebt man hier in der Regel ganz anders. Da sind Urin, Fäkalien, Erbrochenes auf dem Boden und in der Luft.

Eine Gestalt mit Bierpulle in der Hand kugelt sich auf der Erde ungelenk-träge aus dem Lichtkegel, als er bemerkt wird, kurz darauf ein anderer, offenkundig alkoholisierter Mann, der sich verwundert trollt, als er die Menschengruppe im Fahrradgang sieht.

Es sind Radfahrer, Boxennutzer, die diesen Ort ganz gezielt und regelmäßig aufsuchen und nutzen – nutzen wollen, nutzen müssen. Und sie sind sauer. Sauer auf die Stadt, die ab 2014 kassieren will für ihren Service: Von 0 auf 65 Euro pro Abstellplatz in einer der 54 Boxen. Einzel-Zellen kosten doppelt so viel. Bislang werden lediglich 80 Euro als Pfand hinterlegt.

Stichwort Service: Genau da setzt einer der wesentlichen Kritikpunkte an der Gebühren-Erhebung an. Denn außer Reinigungen per Gebläse – laut Stadt einmal die Woche, nach Nutzer-Eindruck allerdings nicht ganz so regelmäßig – liegt der Service lediglich in der Bereitstellung der abschließbaren Box.

Viel zu wenig für zu viel Geld, meint Martin Hinkel. Der Lehrer aus Holm fährt per Rad nach Wedel und steigt dort in die Bahn. Täglich, teils auch in den Ferien. Scherben, Schmutz, Randale – Hinkel kennt dies zur Genüge in der Tiefgarage. Und er zählt zu den Box-Nutzern, die nicht hinnehmen wollen, was jetzt passiert. Sein Kommentar: „Da soll schnell Geld reinkommen, aber das ist nicht zu Ende gedacht.“ Denn die Radboxen ließen sich durchaus bewirtschaften, so Hinkels Einschätzung. Und er wäre auch bereit zu zahlen – aber gegen Leistung. Doch mehr Sauberkeit oder Bewachung? Fehlanzeige. In diese Richtung ist nichts geplant, wie aus einer Mail der Stadt an einen von Hinkels Mitstreitern hervorgeht.

Dabei entspräche die neue Gebühr tatsächlich der für bewachte Anlagen, hat sich Martina Murray sagen lassen. Sie nutzt ihre Box seit gut einem Jahr zwei Tage die Woche – nachdem ihr aus dem Fahrradständer oben mehrfach Räder gestohlen wurden. Dass nun ihrer Motivation, aufs Auto möglichst zu verzichten und die Umwelt zu schonen, so begegnet wird: „Schade“, sagt Murray enttäuscht – und „ungerecht“. Denn die Autos gleich nebenan sollen weiterhin kostenlos parken.

Auch Christoph Dottermusch will sich nicht mit der Gebühr abfinden. Der Wedeler sammelt jetzt Unterschriften dagegen – bei 17 Nutzern hatte er bereits Erfolg. Wie viele Radler die Käfige tatsächlich aktiv nutzen ist für ihn und die Kollegen nur schwer zu schätzen. Nicht wenige Boxen sind leer, in anderen stehen offensichtlich seit Jahren nicht bewegte Räder.

Die Aussagen aus dem Rathaus würden denn auch binnen kurzer Zeit schwanken von „voll belegt“ bis „kein Problem, eine Box zu bekommen“, wissen die Radler zu berichten. Und nachdem er bei der Bitte um einen Schlüssen zu drei verschiedenen Stellen geschickt wurde und sich das gute Stück erst in irgendeinem abseitigen Kästchen anfand, kam Hinkel dann auch zu dem Eindruck: „Wirklich verwaltet wird das hier nicht.“ Für ihn noch ein Argument gegen die Bezahlung.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen