Querschnitt durchs Œuvre

„Wunschtraum“.
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„Wunschtraum“.

Stiftung und Kulturforum zeigen Kunstwerke von Vilma und Alfred Amschler im Wedeler Rathaus

shz.de von
03. Januar 2018, 16:00 Uhr

Viele Wochen lang haben sich die Mitglieder der Wedeler Amschler-Stiftung im vergangenen Sommer immer wieder im Keller des Rathauses verkrochen. Es galt, einen Schatz zu heben. Der fiel viel bunter und weit vielfältiger aus als gedacht, berichteten damals Birgit Neumann-Rystow und Inge Zeißler in einer Stöberpause dem Tageblatt. Nun wird er veröffentlicht. Der Stiftungsbeirat, das Kulturforum und die Stadt laden zu einer Ausstellung ein, die einen Überblick über das künstlerische Schaffen des Wedeler Künstlerpaares Vilma Lehrmann-Amschler und Alfred Amschler bietet. Los geht es im Rathaus am Dienstag, 23. Januar. Vernissage ist um 19.30 Uhr.

Lehrmann-Amschler starb 1989 und vermachte ihr und ihres Mannes Œuvre sowie ihr Vermögen von 600 000 D-Mark der Stadt Wedel mit der Auflage, eine Stiftung zu gründen, die Kunst und Kultur fördert. Seit 1995 wird dem entsprochen. Wedeler Kreative können für ihre Projekte finanzielle Unterstützung bei der Amschler-Stiftung beantragen. Darüber hinaus verfügte die Künstlerin, dass ihr Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Um das abzuarbeiten, sichteten die Beirats-Mitglieder im Sommer im Amschler-Archiv im Rathauskeller unermüdlich den Bestand. Bilder, Zeichnungen und Drucke kamen zum Vorschein, ganze Skizzenreihen, die die Entstehung von Auftragsarbeiten für Plastiken und Objekte vom ersten Entwurf bis zur Realisation dokumentieren. Rund 400 Werke sind mittlerweile digitalisiert worden. Wiederum ein Teil davon wird nun ausgestellt.


Auswahl ist nicht wertend

Ihre Auswahl sei weder Klassifizierung noch Wertung, das könnten sie inhaltlich gar nicht leisten. Sie entschieden aus dem Bauch heraus, beschrieben die Beiräte damals ihre Vorgehensweise. Herausgekommen ist ein Querschnitt durch das Werk des Ehepaars, der bereits bekannte , vor allem aber viele unbekannte und unerwartete Arbeiten zeigt. Verblüffend bunte und fröhliche Bilder, die aus freier Motivation heraus entstanden. Neben Skizzenfolgen, die spannende Prozesse sichtbar machen, auch neue und unvermutete Motive.

Wilhelmine Lehrmann kam 1910 im heutigen Serbien zur Welt. Ihre künstlerische Ausbildung begann die von ihrem Vater, einem Bildhauer, früh Geförderte an der Kunstgewerbeschule in Graz. 1930 wechselte Lehrmann nach Berlin an die dortige Kunsthochschule. Sie belegte Kurse für angewandte Kunst, Baukunst und Silberschmiedebearbeitung bei Waldemar Raemisch. Früh bekam die Studentin neben privaten auch öffentliche Aufträge im In- und Ausland. Damals entstanden Arbeiten „im zeittypischen Stil“, wie es in Beschreibungen über die Künstlerin heißt.

Zusammen mit ihrem Mann, dem Würzburger Kunstmaler Alfred Amschler (1907 bis 1978), zog Lehrmann-Amschler nach Kriegsende erst nach Hamburg-Rissen, 1948 dann weiter nach Wedel. Fruchtbare Jahre folgten, in denen das Ehepaar zum bekannten und vielbeauftragten Künstlerduo im norddeutschen Raum wurde. Sie realisierten besonders viele Kunst-am-Bau-Projekte. Wandmalereien entstanden und mehr als 40 Bronzeplastiken, die heute noch vor Grundschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen zu finden sind. Nach dem Tod ihres Mannes 1978 übernahm Lehrmann-Amschler keine Aufträge mehr. Schwer krank verbrachte die Künstlerin ihre letzten Lebensjahre in einem Pflegeheim.

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