Querschnitt durchs Gesamtwerk

Beiratsvorsitzende Sabine Lüchau (Mitte) bekam von der Kulturforums-Vorsitzenden Monika Dohmen (rechts) ein nagelneues Logo für Schriftverkehr und Internet-Auftritt.
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Beiratsvorsitzende Sabine Lüchau (Mitte) bekam von der Kulturforums-Vorsitzenden Monika Dohmen (rechts) ein nagelneues Logo für Schriftverkehr und Internet-Auftritt.

Landschaften, Hafen, Tiere, Reliefs und Skulpturen: Große Motivvielfalt bei Vilma Lehrmann-Amschler und Alfred Amschler

shz.de von
25. Januar 2018, 16:00 Uhr

Die Ausstellungseröffnung in den Gängen und im Treppenhaus des Wedeler Rathauses geriet zur Abenteuerreise, so viel war rund um und in den Werken des längst verstorbenen Künstlerehepaars Vilma Lehrmann-Amschler und Alfred Amschler zu entdecken. Das war wohl schon im Vorfeld so, deutete Sabine Lüchau, Beiratsvorsitzende der Amschler-Stiftung, an. Sie winkte geschafft ab, als sie nach der Anzahl der hinterlassenen Bilder und Skulpturen gefragt wurde.

Wochenlang haben die Beiratsmitglieder im Keller des Rathauses im Archiv gesessen und im Bestand der an die Stadt Wedel vererbten Kunstwerke gestöbert, 369 Bilder aussortiert und das, was ihnen am besten gefiel, mit Kreuzchen versehen. Die Bilder, die am meisten Kreuzchen erhalten hatten – und das sind immerhin mehr als 50 – sind jetzt noch bis zum 28. Februar im Rathaus zu sehen.

Spannend war auch das, was die Laudatoren zu erzählen hatten. So rückte Wedels ausgewiesener Nazigegner – und daher unverdächtiger – Günther Wilke den Verdacht zurecht, Vilma Lehrmann-Amschler sei eine „Nazisse“ gewesen. Sie habe an der Kunsthochschule in Berlin bis zuletzt bei den von den Nazis terrorisierten Professoren Ludwig Gies und Walter Raemisch gelernt, die meisten Studenten hatten sich inzwischen von den mit schwersten Repressalien verfolgten Professoren distanziert, denen 1939 die Lehrerlaubnis entzogen wurde.

Nachdem sie und ihr Mann bis zum Kriegsende durchaus Auftragsarbeiten im Monumentalstil der Nationalsozialisten fertigten, schufen sie später ein sehr vielseitiges und umfangreiches Werk, so Wilke. Bilder von Landschaften, Hafen und Tieren, Reliefs und Skulpturen.

Das Künstlerehepaar war vor allen Dingen für die so genannte „Kunst am Bau“ sehr gefragt. Als Auftragsarbeit für das Programm fertigten sie auch die Kinderfiguren „Das tanzende Paar“ – ein bisschen im Stil ihres weltberühmten Kollegen Alberto Giacometti, grazil und im wahrsten Sinne des Wortes gertenschlank.

Genau so ein tanzendes Paar steht im Zentrum eines gelungenen Geschenks an die Amschler-Stiftung, das Kulturforums-Vorsitzende Monika Dohmen im Namen der Organisation der Beiratsvorsitzenden Lüchau überreichte. Das Kulturforum hatte die Stiftungsmitglieder bei den Vorbereitungen zu der Ausstellung kräftig unterstützt. Gleich zwei Entwürfe für ein neues Logo der Amschler-Stiftung, das zukünftig alle Schreiben und Veröffentlichungen zieren soll, hatte Dohmen dabei. Eines mit etwas verspielteren Buchstaben, das Sabine Lüchau gleich strahlend hochhielt. Das andere mit einem moderneren, klaren Schriftzug, das Bürgermeister Niels Schmidt spontan bevorzugte. Doch der wird dieses Mal nicht entscheiden können.

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