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Poetry-Slam in Wedel : Prosa-Punk trifft auf Tierkrimis

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Lokale Sprachartisten begeistern das Publikum im Reepschlägerhaus.

Oben flatterten am späten Abend die Fledermäuse durch die klare Sommernacht und unten ließen die Live-Dichter Sven Kamin und Jörg Schwedler als Literatur-Duo „Die Schreibmaschinen“ ihre Texte in den Himmel steigen. Als Kulisse für diese besondere Lesung unterm Sternenzelt diente am Boden der Garten des Reepschlägerhauses. Und Schwedler und Kamin, die als Organisatoren der Lesebühne „Längs“ oder des „Wedel Schädel Poetry Slams“ enge Verbindungen zur Rolandstadt haben, dankten es dem seit Tagen erstmals regenfreien Wetter mit einer wundervollen Auswahl von Texten aus ihrem Repertoire.

„Sonne und Reden“ heißt das neue Programm, das vom Förderverein des Reepschlägerhauses präsentiert wird, und das an diesem Abend nicht zu viel versprach. Die beiden Bühnenprofis gaben sich am Rande des kleinen Teiches dabei im Ping-Pong-Modus das Mikrofon in die Hand. Das Publikum, das den Garten füllte, folgte dabei aufmerksam der Mischung aus grandiosem Quatsch und ernsten und zum Teil sehr persönlichen, Texten des Duos, das die ganze Bandbreite moderner Bühnenliteratur zeigt: Rasant rhythmische Hip-Hop-Lyrik Kamins wechselt sich mit hintersinnigem Storytelling Schwedlers ab. Hier beherrschten zwei Ausnahmekönner ihr Handwerk bis ins letzte Detail.

Gegensätze der Redner machten den Reiz aus

Seinen besonderen Reiz zog der Abend dabei aus der Gegensätzlichkeit der Bühnenpartner. Schwedlers Texte sind Punk in Prosa, kommen gern auch mal ein wenig rotzig daher und brillieren durch die hintersinnige Überspitzung ihrer Themen bis ins Absurde – warum es günstiger und wirkungsvoller gewesen wäre, Milliarden Tonnen Zuckerwatte anstatt die Bundeswehr nach Afghanistan zu schicken? Schwedler erklärte es höchst eloquent in feinstem Lesebühnen-Stil. Kamin hingegen ist die Performance-Wundertüte, der den Zuhörer mit großer Geste Dada-Tierkrimis genauso entgegenschleudert wie ein unter die Haut gehendes Plädoyer für die Aufnahme von Flüchtlingen. Und so endete schließlich unter dem großen Applaus des Publikums bei aller Kurzweil ein Abend, der eben nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregt.
 

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erstellt am 04.Aug.2015 | 12:15 Uhr

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