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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. Oktober 2017 | 09:25 Uhr

Politik lässt City-Manager abblitzen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Leistungserweiterung gescheitert Nur CDU stimmt für Wedel-Marketing-Projekt / Linke und FDP zweifeln an Erfolgsaussichten

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 16:00 Uhr

Das Thema City-Management für Wedel ist vom Tisch. Lediglich die CDU votierte am Montagabend im Hauptausschuss für die von Wedel Marketing angebotene Aufgabenerweiterung, die mit Installation einer weiteren Stelle in Vollzeit bei dem Verein einhergehen sollte. Die fünf übrigen Fraktionen lehnten ab. Gründe waren eine vorübergehende Mehrbelastung des Haushalts sowie Zweifel an den Erfolgsaussichten.

Die Verwaltung hatte in ihrer Vorlage für die Einführung eines City-Managements plädiert. Branchenmix und Leerstand bewegten sich im Bundesvergleich an einer Grenze und drohten zu kippen. Ohne professionelles City-Management sei zu befürchten, dass sich die Qualität des Einkaufens insbesondere in der Bahnhofstraße verschlechtern werde. Es gehe um mehr als Leerstands-Management, verdeutlichte Wedel-Marketing-Vorsitzender Marc Cybulski. Wedel zähle zu den Städten mit der höchsten Kaufkraft im Land. Diese werde jedoch zu wenig in der Stadt gehalten und es sei ein zunehmender Abfluss zu befürchten. Daher die Motivation des Marketingvereins, die neue Aufgabe anzugehen.

„Was stört an der Bahnhofstraße?“, fragte FDP-Fraktionschefin Renate Koschorrek – um dann mit Beispielen wie Ein-Euro-Läden, Spielhalle und den notorischen Leerständen selbst Antworten zu geben. Und Zweifel anzumelden, dass ein City-Manager dagegen etwas ausrichten könnte. Detlef Murphy, Fraktionschef Die Linke, wurde deutlicher: Große Leerflächen würden überwiegend durch Ketten angemietet, die eigene Standortanalysen anstellten. Auf Wünsche eines City-Managers würde da kaum Rücksicht genommen. „Vor Ort haben wir wenig Einflussmöglichkeiten.“ Ein Vermieter, der über seine Gewerbefläche die Altersvorsorge sichere, würde kaum auf sichere Einnahmen eines großen Mieters verzichten, um für einen besseren Branchenmix die Fläche aufzuteilen und an viele kleine Geschäfte zu vermieten.


30  000 Euro Mehrkosten pro Jahr als Knackpunkt


Er glaube nicht, so Murphy, dass da Appelle an ein Wir-Gefühl oder Lokalpatriotismus fruchten würde, mit denen CDU-Fraktionschef Michael Kissig für die Idee warb. Die Innenstadt werde auch bei Vollvermietung nicht attraktiver, wenn 20 Drogerien in der Bahnhofstraße seien, sagte Kissig. Seine Partei könne sich mit dem City-Management anfreunden, zumal es nach der vorgeschlagenen dreijährigen Anschubfinanzierung eine Sollbruchstelle geben: „Wenn es dann nicht funktioniert, beenden wir es“, so Kissig.

Stichwort Finanzierung: Statt wie bisher 95  000 Euro drei Jahre lang 125  000 Euro von der Stadt: So sah unterm Strich die Rechnung für das City-Management aus. 50  000 Euro hat der Verein für eine Vollzeitstelle angesetzt und prognostiziert, nach drei Jahren würde sie sich selbst tragen. Die zwischenzeitlichen Mehrausgaben von 30  000 Euro wollte die Stadt durch Streichung des Zuschusses zum Ochsenmarkt an Wedel abfedern: 20  000 Euro für Organisation, dazu 10  000 Euro, die der Viehauftrieb jährlich kostet.

Beides sollte Wedel Marketing künftig als Gesamtpaket übernehmen mit der Möglichkeit einer Neukonzeption inklusive Vergabe an eine Agentur. Eine Refinanzierung sollte unter anderem über Standgebühren erfolgen. Cybulski verdeutlichte indes, dass die Übernahme des Viehauftriebs nicht Angebot des Vereins gewesen sei.

Ausschusschef Stephan Bakan (WSI) hatte generell Bauchschmerzen mit der Kalkulation. Faktisch werde der städtische Haushalt zunächst um 30  000 Euro mehr belastet. Eine echte Kompensation würde erst über die Jahre erfolgen. Angesichts der aktuellen Haushaltslage wollte seine Partei diesen Weg nicht mitgehen, zumal auch die WSI Schwierigkeiten habe, die Rolle eines City-Managements nachzuvollziehen.

Fazit: Statt neuer Aufgaben wird die bisherige Leistungsvereinbarung mit Wedel Marketing leicht modifiziert um drei Jahre verlängert. Die Bezuschussung bleibt bei 95  000 Euro pro Jahr.

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