Wedel : Politik bestätigt: Kitas werden teurer

Im November 2014 hatte die Kreiselternvertretung bereits während der Sitzung gegen die Sparpläne demonstriert. Die Eltern wollen nun auf jeden Fall weiterkämpfen.
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Im November 2014 hatte die Kreiselternvertretung bereits während der Sitzung gegen die Sparpläne demonstriert. Die Eltern wollen nun auf jeden Fall weiterkämpfen.

Die neunte Betreuungsstunde kostet ab dem nächsten Kita-Jahr extra. SPD scheitert mit Antrag, den Beschluss zu kippen.

shz.de von
08. Mai 2015, 14:00 Uhr

Wedel | Der Sitzungsraum war gerammelt voll, das Interesse war groß, die Diskussion wurde leidenschaftlich geführt während der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses am Mittwochabend. Es ging um das, was laut allseitiger Versicherung sowohl den Kommunalpolitikern als auch den Besuchern ganz besonders am Herzen liegt: um frühkindliche Bildung – und es ging ums Geld. Eine Erhöhung der sowieso schon hohen Kitagebühren in Wedel. Das wollten die Wedeler Elternvertreter nicht hinnehmen. Sie hatten Rederecht und sie fochten offensiv für ihre Sache. Doch sie drangen nicht durch. Am Ende wurde die neue Beitragsordnung mit großer politischer Mehrheit bestätigt.

Um Personalkosten einzusparen, hatte der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport (BKS) im Dezember 2014 beschlossen, den ganztägigen Betreuungsanspruch in Kitas von neun auf acht Stunden herabzusetzen. Ein Früh- beziehungsweise Spätdienst soll von den Eltern als Zusatzleistung bezahlt werden. Folgen und Tragweite ihrer Zustimmung hatte die SPD-Fraktion jedoch erst durch den Protest der Eltern und die Aufklärung der Kitaleitungen erkannt. Sie ließ sich umstimmen und stellte einen neuen Antrag, die neue Beitragsregelung zu revidieren.

So kam es auch zu einer neuerlichen Aussprache im BKS. Um ein erstes Bild von den Reaktionen auf die Neuregelung zu bekommen, hatten die Leiter der verschiedenen Wedeler Kitas ihre Elternschaft befragt, wer den Zusatzdienst ab August in Anspruch nehmen wolle. Nur 25 bis 45 Prozent hätten dies vor. Der Großteil derjenigen, die abgesagt hätten, müssten aus Kostengründen passen. Nach jetziger Rechnung gingen den Einrichtungen damit je nach Größe zehn bis 65 Wochenstunden verloren. Das bedeute massive Qualitätseinbußen, die das gesamte pädagogische Konzept betreffen. Die Hanna-Lucas-Kindertagesstätte müsste den Musikbereich sowie „Forschen und Experimentieren“ komplett streichen, kündigten Vertreter an.

Den Kitas geht mit der Regelung Planungssicherheit verloren. Für die Eltern ist mit der Erhöhung die finanzielle Schmerzgrenze erreicht. „Wir haben bereits einen respektablen Mehraufwand aufgebracht“, argumentierte Nadine Mai vom Kreiselternbeirat. Mit einem Deckungsgrad von 34 Prozent sei die Durchschnittsfamilie am Limit. Die Mutter eines Kindes, das den Fröbelkindergarten besucht, sieht in den hohen Kitagebühren auch ein Problem der Chancengleichheit. „Wir Frauen leiden“, sagte sie. Für ihr erstes Kind müsse sie mehr als 600 Euro bezahlen.

Wegziehen als Lösung

Auch Vorsitzender Lothar Barop (SPD) konnte von Umzugsplänen berichten. Drei Familien hätten ihm angekündigt, ihren Wohnort wegen der Summe der Erhöhungen zu wechseln. Heidi Keck (SPD) bedankte sich noch einmal für das Engagement der Eltern: „Was das wirklich für Eltern und Kitaleitung bedeutet, war uns nicht klar.“

Detlef Murphy (Linke) betonte den hohen Stellenwert frühkindlicher Bildung: „ Die Entscheidung richtet für die Zukunft der kleinen Leute mehr Schaden an als andere Kürzungen.“ Petra Kärgel von den Grünen versuchte einen juristischen Weg zu finden. Die Berechnungsgrundlage der Beitragsordnung, den Lebenshaltungsindex, gebe es gar nicht mehr, argumentierte sie. Trotzdem fuße die Entscheidung des Ausschusses auf rechtlicher Grundlage, erwiderten Bürgermeister und Verwaltung.

CDU, FDP und WSI sahen die Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung als wichtigstes Kriterium an. Sie stimmten gegen den SPD-Antrag und für die neue Beitragsregelung. Die Eltern wollen weiterkämpfen.

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