Polit-Promis in Haselau

Nach der Rede des Bürgermeisters leitete ein gemeinsames Lied über zu nachbarschaftlichen Plaudereien.
Nach der Rede des Bürgermeisters leitete ein gemeinsames Lied über zu nachbarschaftlichen Plaudereien.

Der Neujahrsempfang in der Dreikönigskirche lockt traditionell viele Besucher aus der Region an

shz.de von
09. Januar 2018, 16:00 Uhr

„Besinnen wir uns auf die nicht zu kaufenden Glücksfaktoren, Gesundheit, Freunde und familiäre Beziehungen, sprechen wir wieder einmal mit unseren Nachbarn.“ Mit dieser Ermunterung beendete Haselaus Bürgermeister Rolf Herrmann (CDU) seine Neujahrsansprache in der Dreikönigskirche. Seine zahlreichen Zuhörer ließen sich nicht lange bitten und drängten zum Klönen aus dem Kirchengestühl in den Mittelgang. Dort schlängelte sich dann auch schon das Helferteam durch die Menge, Tabletts jonglierend, die mit leckeren Happen oder randvollen Saft- und Sektgläsern schwer beladen waren.

Herrmanns Kollegen aus den Nachbargemeinden mischten sich in die lebhafte Unterhaltung ein, die Bürgermeisterinnen Monika Riekhof (CDU) aus Hetlingen und Andrea Hansen (SPD) aus Uetersen, die Bürgermeister Jürgen Neumann (CDU) aus Heist, Karl-Heinz Weinberg (CDU) aus Moorrege, Uwe Schölermann (CDU) aus Haseldorf und Walter Rißler (CDU) aus Holm, dieser zugleich in seiner Funktion als Amtsvorsteher. Rainer Jürgensen, Direktor des Amtes Geest und Marsch Südholstein (Gums), fehlte ebenso wenig wie der Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (CDU), der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann (SPD) und der Landtagsabgeordnete Thomas Hölck (SPD).

Die musikalische Unterhaltung steuerte Kirchenmusiker Michael Horn-Antoni bei. Eine regelrechte Lieder-Rhapsodie entlockte er seiner Orgel, ehe er die Menge zum Schluss mit einem plattdeutschen Lied über die Heiligen Drei Könige, die Namensgeber der Haselauer Kirche, zum Mitsingen brachte.


Erhebliche Belastung durch Amtshausneubau

Seit etwa zehn Jahren laden Dorf und Kirchengemeinde gemeinsam zum Neujahrsempfang ein. Mit dem jeweiligen Jahresrückblick wechseln sich Pastor und Bürgermeister ab. Diesmal fungierte Pastor Andreas-Michael Petersen als Moderator, Herrmann hielt die festliche Rede und holte weit aus, um die Wurzeln des Dorfes freizulegen. Sogar Plinius den Älteren, den hoch gelehrten Haudegen im Dienste mehrerer römischer Kaiser, bemühte er: „Dort wohnt ein elendes Volk auf hohen Wurten wie Bühnen. Darauf sind ihre Hütten gesetzt“, zitierte Herrmann den Verfasser der antiken Naturgeschichte „De Naturalis historia“. Die Information hatte Plinius wahrscheinlich während seines Militärdienstes in Germanien aufgeschnappt.

Aber auch die Gegenwart kam in Herrmanns Worten nicht zu kurz. Er erinnerte an den erbitterten Streit, der zur Auflösung des über 500 Jahre alten Amtes Haseldorf geführt habe, und er ging auf die Kontroversen um die Zukunft des Moorreger Amtsgebäudes ein. Der nunmehr beschlossene Neubau in Heist werde sich für die Gemeinde als erhebliche Haushaltsbelastung niederschlagen, sagte er voraus. Herrmann bekannte sich nachdrücklich zum Schulstandort Haseldorf, auch wenn es nach wie vor Meinungsverschiedenheiten wegen der Schulturnhalle gebe. Hier hoffte er auf eine Lösung nach den Kommunalwahlen im Mai.

Beklagenswert ist nach Herrmanns Worten weiterhin die nicht ausreichende Einbindung Haselaus in den öffentlichen Personennahverkehr. Immer wieder pochte der Christdemokrat auf die Familienfreundlichkeit der Gemeinde. Hierzu gehöre ein gutes Kita-Angebot ebenso wie Internetzugang zu akzeptablen Bedingungen und nicht zuletzt die Verteidigung einer gesunden und sauberen Umwelt gegen Kohlestaub und Abgase durch Industriekonzentration im Raum Stade.


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