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Marsch & Geest : Plattdüütsche mit viel Bürgersinn

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Niederdeutsch: Der Krink in Hetlingen schützt seit zehn Jahren die EU-Minderheitensprache und unterstützt die Kirche.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Sie machen die EU-Minderheitensprache Niederdeutsch zukunftsfähig, fördern die Dorfgemeinschaft und sind aus dem kulturellen sowie kirchlichen Leben nicht wegzudenken: Am Montag, 13. Januar, feiern die Mitglieder des Plattdüütsch Krink Hetlingen ab 15 Uhr bei Kaffee und selbstgemachter Torte ihr zehnjähriges Bestehen. Mit dabei: Motor und Vordenkerin Gerlinde Körner.

Eine Zwischenlösung wird zum Glücksfall

Die Idee, in Hetlingen nach Uetersener Vorbild einen Krink ins Leben zu rufen, hatte der inzwischen verstorbene Appener Henry Ossenbrüggen. Als es in der kleinen Marschgemeinde los gehen sollte, erkrankte er. Körner, die im Kirchenbrief einen Hinweis auf die Neugründung gefunden hatte und interessiert war, wurde von Haseldorfs Pastor Helmut Nagel quasi zwangsverpflichtet. "Der Pastor sagte, ich sollte die Gruppe übergangsweise leiten", erinnert sie sich. Gruppendynamisch zu wirken – das ist für die Hetlingerin leicht. Immerhin leitet sie seit Jahrzehnten beim Hetlinger Männer-Turnverein (HMTV) die Gymnastikgruppe. So ist es auch kein Wunder, dass viele – immerhin 25 Frauen – aus dem Sport-Team beim Krink mit an den Start gingen.

Aus der Übergangslösung wurde ein Dauerbrenner – und Körner ist seit einem Jahrzehnt Herz und Seele der Gruppe. Möglich wird das Engagement auch, weil sie damals gerade in den Ruhestand ging.

Jeder ist bei den Nachmittagen mit Kaffee und Kuchen willkommen. Die Plattdüütsch-Liebhaber im Alter von 60 bis über 80 Jahre sind nicht nur aus dem Dorf, sondern auch aus Holm, Schenefeld, Haseldorf, Wedel und Pinneberg. "Leider haben wir nur zwei Männer, aber dafür pflegen wir sie auch, damit sie sich wohlfühlen", sagt sie augenzwinkernd.

Für Pastor Nagel sind die Krink-Leute eine große Hilfe. Zweimal im Jahr ist in der kleinen Kirche Großputz angesagt, sie sorgen zudem beispielsweise für das Osterfrühstück und auch die Altardecke kommt aus ihren Reihen. Bei den Monatstreffen wird von jedem Teilnehmer zwei Euro eingesammelt – das Geld kommt dann der Kirche zu gute, in 2013 waren das 731 Euro.

Dass seit ein paar Monaten Autofahrer mit Ortsschilder auf Plattdeutsch in "Heteln" begrüßt werden, ist ebenfalls der Initiative von Körner zu verdanken. Und künftig soll es ausschließlich niederdeutsche Straßennamen geben. Zum Repertoire gehören regelmäßig Lesungen namhafter Autoren sowie Museumsbesuche mit plattdeutscher Führung.

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