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„Schicksol, schetterig un schön“ : Plattdeutschen Lesung in der Haselauer Galerie Cavissamba

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gerd Richert und seine Schülerin Merle Mohr begeistern bei einer plattdeutschen Lesung in der Haselauer Galerie Cavissamba.

Haselau | „Vun harten willkamen“, so begrüßte der Schauspieler, Regisseur und Autor Gerd Richert am vergangenen Freitagabend auf plattdeutsch das Publikum in der Galerie „Cavissamba“ an der Haseldorfer Chaussee 45 in Haselau. Dabei verriet er, dass auch „Cavissamba“ „Herzlich Willkommen“ hieße und die Galeristin Leni Rieke ihm erst heute von der eingravierten Schrift „Cavissamba“ auf dem Stein vor der Ananasfarm ihrer Familie in Angola erzählt hätte. Dort hatte Rieke die ersten zwölf Jahre ihres Lebens verbracht.

Seit einigen Jahren versucht Rieke, die afrikanische Willkommenskultur in ihrem offenen Haus in Haselau fortzusetzen. An diesem Abend mit dem Motto „Een Mund vull Platt“ waren mehr als 55 Gäste in die Galerie gekommen, um dem Meister der plattdeutschen Sprache Richert und seiner jungen Kollegin Merle Mohr zu lauschen.

Die hohen Erwartungen der niederdeutschen Sprache kundigen und liebenden Menschen an die beiden Erzähler wurden auf ganzer Linie erfüllt. Den Anfang machte Merle mit vier rührenden bis ziemlich derben Geschichten, wobei es der 17-Jährigen spielend gelang, auf ihre ungekünstelte Art das Publikum in die spezielle Atmosphäre der plattdüütschen Geschichten zu entführen. Ohne Mohrs Gespür für diese Sprache, in der es kaum möglich ist, einen Menschen mit Worten wirklich zu verletzen und auch Absurdes noch zum großen Lacherfolg führt, würde der Zauber der niederdeutschen Mundart den Zuhörer wohl kaum in so beeindruckender Weise erreichen.

Das Talent der Jugendlichen, die in die elfte Klasse der Europa-Berufsschule in Elmshorn geht, wo sie ihr Wirtschaftsabitur machen wird und die in Wedel die Kreismeisterschaft im Pferde-Springen gewonnen hat, wurde von Richert schon früh entdeckt und wird bis heute ausgebildet.

Nachdem Mohr bereits mit zehn und zwölf Jahren Landesmeisterin im plattdeutschen Vorlesewettbewerb wurde, spielt sie nun seit einigen Jahren bei der Elmshorner Speeldeel mit. Ihr stolzer „Sprachvater“ Richert ist in der Region einer der ganz großen Vertreter der wieder auflebenden Sprache.

Den Abend in der Galerie ließ Richert mit seiner unnachahmliche Art und seiner Liebe zur niederdeutschen Sprache zu einem Genuss für die Gäste werden. Mühelos wechselte Richert von „Amanda-Erzählungen“ mit schallenden Gelächter und Schenkelklopfen zu sehr stillen, nachdenklichen und anrührenden Geschichten. Das dieser gewagte Spagat gelang, spiegelte sich in den Gesichtern der Gäste wieder. Allzu gerne ließen sie sich von Richert in eine vertraute Welt voller Erinnerungen und tiefer Emotionen entführen, wie bei der Erzählung „Kumm bi de Nacht“. Bewegend und aktuell ist auch seine selbst geschriebene Geschichte „Schicksol, schetterig un schön“, nachzulesen im neuen „Örtlichen“-Telefonbuch. Mit viel Applaus endete der unterhaltsame Abend für die beiden Künstler.

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