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Amüsante Konzert-Premiere : Pianistin Anne Clasen begeistert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kultur vor dem alten Deich: Pianistin Anne Clasen begeistert beim zweiten Teil der Peter-Paul-Althaus-Trilogie.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Haselau | Schnurrend und entspannt auf den Kissen der Bank ausgestreckt lauschte die zugelaufene Katze mit einem untrüglichen Zeichen von Wohlgefühl der Stimme von Anne Clasen und ihrer Musik. Dieser Anblick wirkte wie ein Sinnbild für die heitere und friedvolle Stimmung im Musiksalon der Haselauer Pianistin, die am vergangenen Wochenende zur zweiten Veranstaltung innerhalb des kleinen Peter-Paul-Althaus-Festivals im Rahmen der Reihe „Kultur vor dem alten Deich“ eingeladen hatte. Nach der Lesung mit Musik vor vier Wochen unter dem Titel „In der Traumstadt“ mit Klavierstücken von Claude Debussy und Robert Schumann stand nun mit den „Seelenwandertouren“ der nächste Teil der Trilogie auf dem Programm. Wieder waren es insgesamt mehr als 80 Besucher, die nach Haselau an die Altendeicher Chaussee gekommen waren, um sich an der Schönheit der gekonnten Rezitation Clasens und ihrer zu den Gedichten passenden Musik auf dem Flügel zu erfreuen.

Lange hatte die Pianistin nach der am besten geeigneten musikalischen Begleitung zu den skurrilen, bildreichen, versponnenen und sehr amüsanten Worten des Wortakrobaten Althaus (1892 - 1965) gesucht. Er ist einer ihrer Lieblingsdichter und zu seinem 125-jährigen Geburtstag wollte Clasen seine Werke mit seelenverwandter Musik unterstreichen. Sie entschied sich für den wenig bekannten, für die damaligen Verhältnisse sehr modernen und an vielen verschiedenen Musikstilen interessierten Komponisten Sigfrid Karg-Elert (1877  -  1933). Sie fand in seinen illustren und fantasievollen Kompositionen viele Parallelen zu den Wortkaskaden Althaus, der wiederum seine illustre Dichtkunst sehr musikalisch darstellt. So erfuhr der Titel „Seelenwandertouren“ in den Gedichten von Althaus und in der Musik von Elert eine doppelte Bedeutung.

Herrlich war etwa das Intermezzo vom „Kapitel von den fünf Kindern einer alten Schraubenmutter“ mit der Ältesten und ihren vier Geschwistern, die etwa einen alten wurmstichigen Schrank zusammenhalten, als „Daumenschraube“ oder als rostige Schiffsschraube fungieren. Ihr Seelenzustand spiegelte sich dabei auch in den Titeln der Musikstücke Elerts wieder. Auch Milben, Asseln, Wanzen oder zwei Amphibien erhalten eigene Seelen bei Althaus, rennen schweben oder marschieren durch das Leben und finden sich an den merkwürdigsten Orten wieder. Weitere Titel der hinreißenden Gedichte waren „Ich war der Primus in der Klasse“, „Eine arme Kirchenmaus weint in einem Weihwasserbecken“, „Sie war Tänzerin gewesen“ oder „Man muss schon lange gestripteased haben“. Dazu hielt Clasen die passenden Accessoires wie etwa einen Ballettschuh, eine alte Krücke oder eine orangefarbene Federboa verschmitzt in der Hand. Gelöste Heiterkeit und viel Beifall bekundeten die Bewunderung für Clasens ungewöhnliches Konzert.
 

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