Perspektivwechsel im Hafen?

Geht es nach der Verwaltung, dann soll die Erschließung einer möglichen künftigen Hafenanlage vom Nordwesten erfolgen, wie es auch die ursprünglichen Pläne vorsehen. Das Bild ist aus nördlicher Sicht aufgenommen.
Geht es nach der Verwaltung, dann soll die Erschließung einer möglichen künftigen Hafenanlage vom Nordwesten erfolgen, wie es auch die ursprünglichen Pläne vorsehen. Das Bild ist aus nördlicher Sicht aufgenommen.

Verwaltung bevorzugt Erschließung für Ponton-Anlage und kommunalen Schlengel von der Westseite / FDP zieht Antrag zurück

shz.de von
11. Januar 2019, 16:00 Uhr

Neue Perspektiven für die Verhandlungen mit der Planergruppe um den Hamburger Unternehmer Edmund Siemers über den Betrieb des Schulauer Hafens. Wie Bürgermeister Niels Schmidt im Planungsausschuss erläuterte, favorisiert die Stadt ein anderes Modell des Ponton-Ensembles, mit dem Siemers das Konzept eines Traditonshafens realisieren möchte. Kernpunkt ist die Erschließung der Anleger. Siemers hatte Zugangsbrücke und Schwimmkörper auf der Ostseite des umgestalteten Beckens positioniert – dort, wo schon bald die aufwändige Molengestaltung unter anderem mit Promenaden auf zwei Ebenen beginnen soll. In Gesprächen habe die Siemers-Gruppe unterstrichen, dass bei dieser Lösung ihre klare Priorität liege. Die Stadt dagegen habe laut Schmidt verdeutlicht, dass sie die Westmole bevorzuge, die auch im ursprünglichen Konzept für einen Sporthafenbetrieb als Zugang dienen sollte. „Ein Teil der nötigen Inrastruktur liegt dort bereits. Es stellt sich also auch die Frage, wer zahlt, wenn diese auch an der Ostseite geschaffen werden muss“, so Schmidt.

Flankiert wird seine Position durch Ergebnisse einer Prüfung möglicher Standorte für einen kommunalen Anleger, die die Stadt zwischenzeitlich vorgelegt hat. Auch dort ist der nordwestliche Zugang zu den Schlengeln als Vorzugsvariante ausgewiesen. Neben vorhandenen Strom- und Wasseranschlüssen werden auch Erreichbarkeit für die Anlieferung, Parkplätze, die geschützte Lage sowie die Nähe zum geplanten Hotel als Pluspunkte für diese Lösung aufgezeigt. Eine ebenfalls geprüfte Verlängerung des bestehenden Traditionsschiffsanlegers im Osten nahe dem Hafeneingang erhielt dagegen das Gesamturteil „nicht empfehlenswert“. Die Kombination mit Siemers’ Traditionshafen-Anlage im Osten – die dritte betrachtete Variante – sei „möglich, aber schwierig“, heißt es in der Betrachtung. Zudem kalkuliert die Stadt hierfür mit 680 000 Euro rund 130 000 Euro mehr als für Sportbootschlengel im Nordwesten.

Die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen einen städtischen Anleger steht indes noch aus. Hier setzte die FDP mit einem Antrag an, der die Sache forcieren sollte: Der Planungsausschuss möge die Verwaltung auffordern, eine parallel zur Westmole verlaufende erweiterbare Schlengelanlage mit Anbindung im Nordwesten des Hafens zu schaffen. Zudem solle die Stadt in Verhandlungen dafür sorgen, dass auch die Lieger- und Schlengelanlage des Traditionshafens an der Westseite angebunden wird und Synergien genutzt werden, forderte Martin Schumacher. Der planungspolitische Sprecher der Liberalen drängte dabei auf schnelle Verhandlungen: „Irgendwann beginnt wieder die Segelsaison und wir sind immer noch keine Schritt weiter als vor zehn Jahren. Irgendwann fängt die Peinlichkeit an“, sagte Schumacher.

Diesen Schritt und das Tempo wollten die übrigen Fraktionen jedoch offenkundig nicht mitgehen. „Wenn alles an die Westmole geht, was wird dann aus dem Hafenmeisterhaus?“, wunderte sich Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke laut. Alle Pläne würden eine Erschließung von der Westseite vorsehen, sagte Manfred Eichhorn (SPD)„Nur weil Herr Siemers das anders haben will, müssen wir darüber nicht diskutieren.“ Die SPD bleibe dabei: Erst Ostmolen- und Hotelbau abwarten, dann könne man sich um den Hafenbetrieb kümmern. Wolfgang Dutsch (CDU) sah die Gefahr, dass mit dem Beschluss des FDP-Antrags am Ende eine millionenteure Finanzierung eines städtischen Schlengels an Wedel hängen bleiben könnte. Für die Linke befand Bastian Sue, der Zeitpunkt für einen solchen Verhandlungsschritt sei „unglücklich“. Auch er könne das Timing nicht nachvollziehen, sagte René Penz (WSI) und verwies darauf, dass private Liegeplätze bereits zum Verhandlungsauftrag der Stadt zählten. Es solle nun zunächst inhaltlich zuende gebracht werden, was bereits auf den Weg gebracht ist, befand Penz.

Schmidt dagegen verdeutlichte, dass es der Stadt in ihren Verhandlungen sehr wohl helfen würde, wenn sich die Politik in Richtung Erschließung der Hafenanlagen vom Westen positionieren würde, ohne die Ost-Lösung ganz auszuschließen. Schumacher zog seien Antrag jedoch am Ende zurück, da keine Mehrheiten in Aussicht waren – allerdings nicht ohne verwundert bis verschnupft festzustellen: Er habe lediglich zum Antrag erhoben, was noch in der Hafen-AG Konsens gewesen sei.

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