Mit Kommentar : Personalmangel sorgt für chaotische Zustände beim Altglas

Esinger Weg in Tornesch, Mittwoch Mittag: Hunderte Flaschen stehen und liegen auf dem Bürgersteig, einige bereits auf der Straße.
Esinger Weg in Tornesch: Hunderte Flaschen stehen und liegen auf dem Bürgersteig, einige bereits auf der Straße.

An mehreren Containerstandorten im Kreis Pinneberg liegen Hunderte Flaschen.

shz.de von
05. Juli 2018, 04:35 Uhr

Tornesch | Hunderte leere Flaschen stehen oder liegen auf dem Bürgersteig, Dutzende weitere auf den Containern oder verstreut in den Büschen, einige rollen sogar auf die Straße: Am Esinger Weg in Tornesch bietet sich den Passanten ein chaotisches Bild. Die Abfuhr der Altglascontainer ist ins Stocken geraten, das wird nicht nur hier deutlich. Denn auch an anderen Standorten im Kreis Pinneberg bietet sich ein ähnliches Bild. Das zuständige Entsorgungsunternehmen räumt Probleme ein und betont, diese bis zum Wochenende in den Griff bekommen zu wollen.

Zuständig für die Entsorgung von Altglas im Kreis Pinneberg ist die Wedeler Optisys GmbH. Das Unternehmen aus der Rolandstadt gehört seit dem 2. Januar dieses Jahres zur Remondis Nord GmbH mit Sitz in Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Remondis Nord wiederum ist Teil der nordrhein-westfälischen Remondis-Gruppe, nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von Entsorgungsdienstleistungen. So weit, so gut. Doch warum schafft es der Entsorgungsriese nicht, seine vertraglich übernommenen Aufgaben im Kreis Pinneberg zu erfüllen? Personalprobleme seien Schuld, erläutert Anna Ephan, Pressesprecherin von Remondis, auf Anfrage von s:hz. Ein Fahrer sei krankheitsbedingt langfristig ausgefallen, so Ephan. Hinzu komme die Urlaubszeit.

Ersatz für die fehlenden Mitarbeiter zu finden ist laut Ephan derzeit äußerst schwierig. „Die gesamte Branche sucht händeringend Fahrer“, erläutert die Pressesprecherin. Bundesweit stehe kaum Personal zur Verfügung. Die Auswirkungen sind an den Containerstandorten im Kreis zu sehen. Denn der Ausfall eines Mitarbeiters hat Folgen für zahlreiche reguläre Touren, so Ephan. Regulär, das bedeutet im Fall Esinger Weg: Eine Containerleerung pro Woche, zudem zwei Tage, an denen der Bereich gereinigt wird. An anderen Standorten sollen die Container sogar zweimal pro Woche geleert werden.

 

Bis zum Wochenende will Remondis die Probleme in den Griff bekommen. Dafür wurden laut Ephan zwei Subunternehmen beauftragt. „Wir tun alles, um wieder auf den Normalzustand zu kommen“, sagt die Sprecherin. Ziel sei, dass wieder sämtliche Containerstandorte in einem ordnungsgemäßen Zustand sind. Die Subunternehmen sollen so lange beschäftigt werden, bis dies der Fall ist, betont Ephan.

Der Zustand der Containerstandorte im Kreis Pinneberg liefert regelmäßig Gesprächsstoff für Diskussionen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Ärger gegeben. Wegen verdreckter Standorte und Containern mit mangelhafter Schalldämmung hatten sich Bürger und kommunale Verwaltungen bei dem Wedeler Unternehmen beschwert, das bis zur Übernahme durch Remondis zum Firmengeflecht der Unternehmerfamilie Bötel gehörte.

Kommentar

Wieder mitnehmen!

von Philipp Dickersbach

Natürlich, die Entsorgung der Altglascontainer ist mangelhaft und auch die Reinigung der Flächen lässt zu wünschen übrig. Das ist häufig ein Problem im Kreisgebiet − und derzeit ganz besonders. Diese Missstände muss der Entsorger schnell abstellen. Aber: So blöd es auch sein mag, die stinkenden klebrigen Flaschen, die man so mühsam zum Container geschleppt hat, wieder mitzunehmen – es ist alternativlos! Das Altglas hat auf Bürgersteigen und Straßen oder gar in der Natur nichts zu suchen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen