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Betrieb wird nicht vor 2021 enden : Partikelausstoß: Keine komplette Vermeidung beim Kohlekraftwerk

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Vattenfall fordert eine sachliche Debatte. Das Ministerium veröffentlicht erste Messergebnisse.

Wedel | „Wir wären froh, wenn wir die Partikelemissionen komplett vermeiden könnten. Ich kann aber nicht versprechen, dass wir es komplett abschalten können“, sagte Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH für Hamburg und Norddeutschland, gestern bei einem Pressegespräch im Wedeler Kohlekraftwerk. „Das Kraftwerk unterschreitet alle relevanten und gesetzlichen Grenzwerte. Das ist die Grundlage für die Betriebserlaubnis“, sagte er.

Durch die Verminderung der Kalkeindüsung, die Auskleidung des einen aktiven Schornsteins und die Reduzierung von Gipspartikeln im Reingas sei der Ausstoß von Partikeln deutlich verringert worden. „Es gibt Partikelemissionen, aber die sind nicht genehmigungsrelevant. Das ist eine Frage, die Frau Luekow und die Unterstützer der Bürgerinitiative ,Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel’ oft vermischen“, sagte Wasmuth. Das Kraftwerk, das 1962 fertiggestellt wurde, habe schon in der Vergangenheit Partikel ausgestoßen. „Die Partikel waren früher größer und sind schon auf dem Kraftwerksgelände runtergekommen“, berichtete Wasmuth. „Wir können die Reduzierung nachweisen. Das kann man glauben oder eben nicht. Aber das ist eine andere Geschichte“, verwies er auf die gestern vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung veröffentlichten Zwischenergebnisse der seit April diesen Jahres laufenden Bergerhoff-Messung.

Um einen Ausstoß von Partikeln zu verhindern sei das Nassverfahren notwendig, das in der Rauchgasentschwefelungsanlage in Moorburg zum Einsatz kommt. „Ich halte es nicht für realistisch, dass es für Wedel umsetzbar ist“, sagte Wasmuth. Wie hoch die Kosten für eine derartige Anlage seien und wann sich diese rechne, ließ er offen. „Für dieses Kraftwerk lohnt sich gar nichts mehr. Auch die 83,5 Millionen Euro, die die Hansestadt und Vattenfall investiert haben, werden wir nicht wieder einspielen“, so Wasmuth. Vattenfall habe damit geplant, das Kraftwerk im vergangenen Jahr abzuschalten. Allerdings fehlten die Alternativen, um die Fernwärmeversorgung für etwa 130.000 Haushalte in Hamburg sicherzustellen. „Ich habe Verständnis für den Protest der Anwohner, aber wir müssen beide Seiten der Medaille sehen. Mehr als 100.000 kalte Wohnungen in Hamburg würden auch für Betroffenheit sorgen“, sagte Wasmuth. „Am Ende geht es um Versorgungssicherheit für Hamburg ohne den Standort Wedel.“

Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH, nahm gestern Stellung zu den Partikelausstößen.
Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH, nahm gestern Stellung zu den Partikelausstößen. Foto: Bastian Fröhlig
 

„Wir werden das Kraftwerk mindestens bis 2021 weiterbetreiben. Selbst wenn es Alternativlösung gibt, müssen diese geplant, genehmigt, beklagt und gebaut werden. Das dauert mindestens fünf Jahre. Da müssen wir realistisch sein“, erläuterte Wasmuth. Er gehe aber davon aus, dass die Hansestadt Hamburg noch in diesem Jahr eine Entscheidung für eine Alternativversorgung finden werde. In Wedel werde es definitiv kein neues Kraftwerk geben. „Das liegt aber nicht daran, dass Frau Luekow oder die Bürgerinitiative das nicht wollen, sondern an neuen Rahmenbedingungen“, verteilte Wasmuth eine Spitze in Richtung der Bürgerinitiative. Einen Vorschlag für die Nachnutzung hatte er bereits: „Die Maschinenhalle steht unter Denkmalschutz. Sie sollte ja mal die Stadthalle für Wedel werden. Aber das dauert noch.“

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