Partikel: Abschlussbericht fehlt

Seit vier Monaten wartet die BI auf Messergebnisse über die Quantität von Emissionen aus dem Vattenfall-Kraftwerk

shz.de von
24. August 2018, 16:00 Uhr

„Messungen bringen Vertrauen“, hatte Kerstin Lueckow unserer Zeitung gegenüber die Aufstellung von Bergerhoff-Messgeräten im Umkreis des Vattenfall-Kraftwerks positiv bewertet. Doch die Hoffnungen der Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk in Wedel“ sind verraucht. Lueckow ist sauer. Was Transparenz in den Streit um die Schädlichkeit der Partikel, die der Meiler ausspuckt, bringen sollte, erwirkt mittlerweile das Gegenteil. Obwohl die Messungen Ende April nach einem Jahr beendet wurden, legt der Auftraggeber, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), auch vier Monate später die Ergebnisse immer noch nicht vor.

In der Einschätzung darüber, ob der Kraftwerksdreck gesundheitsgefährdend ist, sind nicht nur qualitative, sondern auch quantitative Messungen nötig. „Beim Gift kommt es auf die Dosis an“, hatte BI-Gutachter Christian Tebert von Ökopol Anfang April 2017 in einer Sitzung des Umweltausschusses in Wedel argumentiert. Zuvor bereits hatte sich ein Runder Tisch im Kieler Umweltministerium auf die Aufstellung von vier Bergerhoff-Sammelgeräten geeinigt. Die fangen Schadstoffe aus der Luft in der Weise ein, dass man ihre Quantität auf eine Fläche beziehen kann. Das Prüfinstitut Müller BBM sollte die Geräte zeitnah installieren.


Ultimatum gestellt

„Allerdings hat sich das Aufstellen der Gläser dann so lange verzögert, bis der hauptursächliche Block 2 im April 2017 für mehr als drei Monate in Revision gegangen ist“, rekapituliert Lueckow in einem Rundschreiben an die BI-Mitglieder. Zwei Zwischenberichte liegen der Initiative bisher vor. Der letzte stammt vom Februar 2018 und beinhaltet die Messwerte zwischen April 2017 und Januar 2018. Die Ergebnisse der Messungen der letzten drei Monate allerdings fehlen noch immer. Dabei sei mit dem Kieler Umweltministerium vereinbart, dass der Abschlussbericht nach zwölf Monaten, also im April 2018, vorliegt, so Lueckow.

Zweimal wollte das Kieler Umweltministerium zudem Bergerhoff-Messergebnisse zu den Luftschadstoffen dem Hamburger Energienetzbeirat vorstellen. Zweimal wurde wieder abgesagt. Als nächster Termin ist der November in Aussicht gestellt. „Ich finde diese Angelegenheit überhaupt nicht transparent“, ärgert sich Lueckow.

Um den Abschlussbericht doch noch zu bekommen, agiert die BI jetzt mehrgleisig. Gutachter Tebert hat mittlerweile sowohl das Ministerium als auch das LLUR persönlich angeschrieben und fordert eine Erklärung für den fehlenden Abschlussbericht sowie einen verbindlichen Termin für dessen Zustellung – mit Fristsetzung auf den heutiger Freitag. Lueckow hat den überfälligen Bericht bei Vattenfall angefordert und auch die Hamburger Politik informiert. Zudem ist Rechtsanwalt Hanns-Christian Fricke eingeschaltet.

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