Parkgebühr: Lehrer auf den Barrikaden

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02. Februar 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Es rumort an Wedels Schulen. Grund sind die Pläne, Gebühren für die Parkplätze an vier der sieben Einrichtungen in der Rolandstadt zu erheben. Ein möglicher Versuch der Stadt, zur Haushaltskonsolidierung beizutragen, der gar nicht gut ankommt bei den Betroffenen. Die haben jetzt einen Brandbrief an die Parteien geschrieben - und nennen zahlreiche Gründe gegen die Schulparkplatz-Gebühr.

"Wir bitten Sie eindringlich, ein Verfahren abzubrechen, das ökonomisch keinen Sinn machen und nur schlechte Stimmung erzeugen wird", steht in dem dreiseitigen Schreiben. Aufgesetzt hat es Antonius Soest, Leiter der Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS), im Namen derer, von denen die Rede ist: Neben der GHS sind Moorweg-, Albert-Schweitzer- (ASS) und Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (EBG) in dem Verwaltungs-Vorschlag aufgelistet. Ein Vorschlag und ein Prozedere, das "einer Stadt unwürdig ist, die auf die Steigerung von Bildungseffekten stets einen großen Wert gelegt hat", sagt Soest. "Etwas pathetisch", wie er selbst bemerkt, aber nicht weniger ernst gemeint.

"Gerüchteweise" habe man zunächst von den Plänen erfahren und möchte nun einiges erklären, "das wir gern schon zu Beginn zu Protokoll gegeben hätten, wären wir in die Anfänge der Überlegungen einbezogen worden", so steht es in den Vorbemerkungen. Schon daraus spricht Unverständnis - darüber, dass solche Ansätze nicht gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden.

Die inhaltliche Kritik fängt dann bereits damit an, dass nicht alle Schulen bedacht werden. Im Brief steht fünf, in der Vorlage sind es vier von sieben Schulen. "Warum die Ungleichbehandlung", heißt es in dem Schulleiter-Appell, der deutlich macht: Die Antwort, dass bei den anderen Schulen die Stellplätze im öffentlichen Verkehrsraum sind, lassen die Unterzeichner so nicht gelten. Zumal die Parkplätze der betroffenen Schulen öffentlich und kostenfrei sein sollen, sobald "der letzte Lehrer das Gelände verlassen hat".

"Nicht praktikabel" nannte ASS-Rektorin Sibylle Leuner am Tageblatt-Telefon das System auch deshalb, weil nicht für jeden Lehrer Stellflächen vorhanden sind. In der Praxis werde improvisiert, geteilt, sich arrangiert, bewusst zugeparkt, wo es geht.

Und was künftig zudem mit Honorarkräften, Schulbegleitern, Ehrenamtlern, Eltern, die kranke Kinder abholen, Sekretärinnen passiere, bleibe ungeklärt. "Man darf wählen zwischen Chaos und Frustration. Bei Kollegen, Hilfskräften, Besuchern und bei den umliegenden Anwohnern", formuliert es Soest.

Wenn einigen Lehrkräften ein bezahlter Parklatz angeboten werde, während andere lange Wege laufen müssten, entstehe "ein Paket, in dem alles Mögliche steckt, aber keine Wertschätzung. Wir stellen keine Cola her, sondern bemühen uns um Wedeler Kinder." Und schon jetzt sei es nicht leicht, den Alltag bei mangelndem Parkraum störungsfrei zu managen.

Stichwort Alltag - der habe sich erheblich gewandelt. Ganztagsschule, Abendveranstaltungen, materialintensiver Unterricht, Ortswechsel: "Schule funktioniert heute anders als vor 30 Jahren" schreibt Soest. Der Gebühren-Vorschlag dagegen zeuge eben von wenig Verständnis für diesen heutigen Schulalltag, sagt auch EBG-Leiterin Ulrike Quadfasel. Sie fürchtet zudem, dass sich die Probleme im Konkurrenzkampf um Lehrer noch verschärfen: Schon jetzt sei die Sekundarstufe 1 unterbesetzt. Durch Parkgebühren werde Wedel nicht attraktiver - vor allem für die, die lange Wege mit dem Auto auf sich nehmen. Und wohnen in der Rolandstadt könnten sich vor allem jüngere Lehrer kaum leisten.

Der Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss befasst sich am kommenden Donnerstag, 7. Februar, mit dem Beschlussvorschlag. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Raum "Vejen" des Rathauses.

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