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Kreis Pinneberg : Pamphlet mit Hetze gegen Flüchtlinge sorgt für Aufruhr

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Polizei in Wedel sucht Zeugen, die die Verteilung fremdenfeindlicher Schreiben beobachtet haben. Bürgermeister Niels Schmidt zeigt sich entsetzt.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Wedel | „Schluss mit der Einquartierung von Lampedusa-Negern und anderen ‚Asyl-Asyl-Flüchtlingen’ in unsere Wohnungen und Häuser“, hat in großen Buchstaben über dem Schreiben gestanden, das eine 80 Jahre alte Wedelerin kürzlich aus dem Briefkasten ihrer Mietswohnung in der Parnaßstraße gezogen hatte. In dem Pamphlet, das unbestätigten Gerüchten zufolge auch in der Friedrich-Eggers-Straße und der Elbstraße verteilt worden sein soll, ruft der Autor mit dem Namen „Hiltrud Maier“ dazu auf, Asylbewerber und Asylanten aus Deutschland auszuweisen.

„Die Menschen bringen nicht nur massive Probleme mit, wie die Durchseuchung mit TBC, HIV und neuerdings Ebola, sondern haben anscheinend keinerlei Willen, sich in unsere Wohngemeinschaften zu integrieren“, heißt es weiter in dem Schreiben, über das die Rentnerin nur mit dem Kopf schütteln könne. Sie lebe seit 1957 in der Parnaßstraße und habe in den zurückliegenden 57 Jahren stets ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn gehabt, berichtete sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Zumindest bei ihr in der Straße gebe es keine Probleme – und von Vandalismus, der ebenfalls in dem Brief angeprangert wird, keine Spur. Die Dame war nach eigener Aussage „sehr wütend“ über das Pamphlet und habe sofort an die darauf angegebene E-Mail-Adresse einige Zeilen geschickt, in denen sie dem Autor verboten habe, sie „mit solchen Schmierereien“ zu belästigen. Die Wedelerin, die lieber anonym bleiben möchte, bewertete das Schreiben als Volksverhetzung.

Das sehen die ermittelnden Behörden ebenso: Der an der Bezirkskriminaldirektion in Itzehoe ansässige Staatsschutz habe sich dem Pamphlet angenommen und prüfe nun den Verdacht der Volksverhetzung, teilte die für den Kreis Pinneberg zuständige Pressesprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg, Sandra Mohr, gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit. Das Schreiben sei den Polizeibeamten in Wedel bereits seit Sonntag, 5. Oktober, bekannt. Deshalb geht Mohr davon aus, dass es am Sonnabend, 4. Oktober, verteilt wurde. Bislang lägen aber nur drei bestätigte Hinweise aus der Parnaßstraße vor, und nicht, wie in dem Schreiben angegeben, auch aus der Friedrich-Eggers-Straße und der Elbstraße. Dies habe eine Befragung von Anwohnern durch die Polizei ergeben. „Wie viele tatsächlich verteilt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis. Es dürften aber mehr als diese drei gewesen sein“, sagte Polizeisprecherin Mohr, die die Bürger, die etwas zu dem Verteiler oder den Verteilern der Postwurfsendung sagen können, aufruft, sich unter Telefon 04103-50180 beim Polizeirevier in Wedel zu melden.

Der parteilose Bürgermeister der Stadt Wedel, Niels Schmidt, bezeichnete das Schreiben als „Meinungsmache übelster Sorte“, für das er „überhaupt kein Verständnis“ habe. Im Gegenteil: Er betonte, dass er stolz auf das „tolerante Klima“ in der Kommune sei, das Miteinander in Wedel funktioniere gut. Gerade deswegen drückte Schmidt seine Hoffnung aus, dass das Pamphlet keine „Wurzeln“ in der Rolandstadt habe.

Dem schloss sich Rainer Bleuel vom Stadtteilzentrum Mittendrin und Mitglied des Arbeitskreises gegen Rechtsradikalismus an: Ihm seien „keine Auffälligkeiten“ in der Gegend bekannt – weder rechtsradikale noch Straftaten, die von Ausländern begangen wurden. Deshalb habe ihn der in der Parnaßstraße verteilte Brief „wie aus dem Nichts“ getroffen, sagte er. Es gebe keinerlei Anlass für die plötzliche Hetze gegen Asylbewerber und Asylanten.

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