Oncoscience unter neuer Regie

Innokeys Pte übernimmt Wedeler Biotechnologie-Unternehmen, das die Entwicklung eines innovativen Krebsmedikamentes vorantreibt

shz.de von
25. Juli 2015, 10:00 Uhr

Für den ganz großen Durchbruch bedarf es noch der Zulassung des Wirkstoffes „Nimotuzumab“ durch die deutschen und andere europäische Aufsichtsbehörden – doch das Management der Innokeys Pte. Ltd aus Singapur, sah dafür jetzt schon derartig gute Perspektiven, dass ihre Firma mit Wirkung zum 16. Juli das gesamte Grundkapital der Wedeler Oncoscience AG aus den Händen einer Eigentümergemeinschaft übernahm. „Die kostenintensive Weiterentwicklung des Medikamentes gegen Hirntumore bei Kindern und Bauchspeicheldrüsenkrebs ist damit gesichert. Es wird weiterhin vom Standort Wedel aus gearbeitet“, sagte Professor Jürgen Engel, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Oncoscience AG.

„Nimotuzumab“ ist ein monoklonaler Antikörper, der an die Krebszellen andockt und deren weiteres Wachstum verhindert. Entwickelt wurde das Medikament von dem in Kuba ansässigen „Zentrum für Molekulare Immunologie“. Die Forschung und Produktion findt weiterhin auf Kuba statt. Die Oncoscience AG besitzt die Rechte an der Entwicklung und Kommerzialisierung für 46 Länder in Europa.

Der im vergangenen Jahr verstorbene Pharmamanager Ferdinand Bach, vielen Wedelern durch seine langjährige Funktion als Vorsitzender des SC Rist bekannt, hatte die Oncoscience AG im Jahr 2001 gegründet. Mit einem kleinen Team und unterstützt durch externe Fachkräfte arbeitete Bach an der Zulassung durch die europäischen Aufsichtsbehörden. Weil dafür strenge Vorschriften gelten, viele Studien durchgeführt und eine aufwändige Dokumentation erstellt werden müssen, sei das ein langwieriger Prozess, der nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Engel in etwa drei bis fünf Jahren abgeschlossen sein soll.


Tod des Firmengründers war ein Rückschlag


Der plötzliche Tod von Ferdinand Bach im vorigen Jahr bedeutete einen herben Rückschlag für das Unternehmen, denn damit ging der wichtigste Know-How-Träger und kräftigste Motor verloren. Weil die Fortführung des Projektes auch mit erheblichem finanziellen Engagement für die intensiven Wirksamkeitsstudien verbunden ist, entschlossen sich die Eigentümer dazu, die Firma in neue Hände zu geben.

Mit Innokeys Pte. Ltd, mit der die Oncoscience AG bereits zuvor erfolgreich zusammenarbeitete, wurde laut Engel ein idealer Partner gefunden. „Innokeys ist weiteren Fortschritten bei der Entwicklung von Biopharmazeutika verpflichtet, und der Abschluss der Akquisition vereint unsere Bemühungen um die Entwicklung von Nimotuzumab und den Zugang der Patienten zu dem Medikament in Europa zu beschleunigen. Dieses Engagement würdigt unsere Arbeit und das Erbe des verstorbenen Firmengründers Ferdinand Bach“, sagte Dr. Rikrik Ilyas, Chief Executive Officer von Innokeys.

Diese strategische Konsolidierung steht im Einklang mit dem globalen Entwicklungsplan von Nimotuzumab, der zwei klinische Studien der Phase III für die Indikationen pädiatrische Gliome und Bauchspeicheldrüsenkrebs umfasst. „Wir sind äußerst zufrieden mit der Übernahme der Oncoscience AG durch Innokeys, da das Werk von Ferdinand Bach fortgeführt wird. Wir sind angespornt, die klinische Entwicklung von Nimotuzumab in Richtung Zulassung in Europa für die Indikationen Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Ponsgliom unter dem Dach von Innokeys fortzusetzen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Engel.

In weltweit rund 30 Ländern sei „Nimotuzumab“ zugelassen und helfe beim Kampf gegen den Krebs. In USA, Japan sowie Europa mit Deutschland herrschen jedoch andere Zulassungsbestimmungen, so dass die Genehmigung aus Südamerika nicht einfach übertragen werden könne.

Innokeys konsolidiere nun durch die Übernahme die „Nimotuzumab“-Entwicklung und werde so den Weg zur Marktreife und damit die wirtschaftliche Verwertung beschleunigen, prophezeit der Aufsichtsratsvorsitzende.

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