Aktionstag in Wedel : Ökologischer Fußabdruck: „Wir leben auf zu großem Fuß“

Nach dem Test gibt’s von Diego Weiland (links), Annemarie Wäge und Wolfgang Krüger jede Menge Tipps, wie der Energieverbrauch verringert werden kann.
Nach dem Test gibt’s von Diego Weiland (links), Annemarie Wäge und Wolfgang Krüger jede Menge Tipps, wie der Energieverbrauch verringert werden kann.

Den ökologischen Fußabdruck in drei Minuten, versprechen Wedels Greenpeace-Aktivisten: Wir machen den Selbstversuch.

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15. April 2019, 16:00 Uhr

Wedel | Ich nehme Anlauf für den Termin, drehe mit dem Rad noch eine Extrarunde durchs Autal, bevor ich mich stelle: meinem ökologischen Fußabdruck. In der Wedeler Stadtbücherei warten die ehrenamtlichen Greenpeace-Aktivisten Diego Weiland, Annemarie Wäge und Wolfgang Krüger auf mich. Sie haben im Foyer der Einrichtung einen runden Stehtisch aufgebaut, gegenüber liegt flächendeckend Infomaterial aus. Auf dem Stehtisch fällt mir als erstes ein hölzerner Fußabdruck auf, aus dem über die ganze Fußfläche verteilt Stäbe hinausragen, die mit bunten Holzperlen bestückt sind. Davor drei gläserne Erdkugeln. Und davor der obligatorische Fragebogen.

Umweltbelastung errechnen

„Hast du den Mut in den Spiegel zu gucken?“ Unter dieses Motto hat Initiator Weiland den Aktionstag gesetzt. Das Versprechen: den individuellen ökologischen Fußabdruck, der sagt, wie groß die eigene Umweltbelastung in Bezug auf Energie, Wasser- und Flächenverbrauch auf den Referenzwert „global Hektar“ umgerechnet ist, in nur drei Minuten zu ermitteln. Dafür hat die regionale Greenpeace-Gruppe das Planspiel, das mit seinen bunten Kugeln auch haptisch wirken soll, selbst ersonnen und hergestellt. „Wieviel verbrauchen wir und wieviel steht uns nach Gerechtigkeitsgesichtspunkten zu?“, stellt Weiland als Frage in den Raum. Und liefert auch gleich Fakten: „Der Deutsche verbraucht im Durchschnitt rund drei Erden im Jahr, weltweit sind es nur 1,5.“

„In den westlichen Ländern verbrauchen wir sehr viel mehr Energie als die Länder der dritten Welt, als Afrika zum Beispiel“, erläutert Wäge. Doch die Probleme mit der Klimaerwärmung haben die armen Länder, mit Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Überhitzung. „Wir leben auf zu großem Fuß“, stellt Wäge klar. Mitte der 1980er Jahre betrug der weltweite Durchschnittsverbrauch noch eine Erde, ergänzt Weiland. Seitdem steigt die Zahl exponentiell an: „Wir nähern uns der Katastrophe, leben aber nach wie vor sehr gut. Das ist nicht enkeltauglich“, konstatiert der Greenpeace-Aktivist.

Wo stehe ich selbst? Was kann ich tun? Das Planspiel solle anregen, sich darüber Gedanken zu machen, erläutert Weiland. Weil der Fragebogen nur Einschätzungen abfragt, es nicht so genau wissen will, wie die Tests im Internet, geht’s in wenigen Minuten kurz zwischendurch. Krüger drückt auf die Stoppuhr. „Lesen Sie sich erst alle Antwortmöglichkeiten durch, bevor sie sich entscheiden“, gibt mir Wäge noch schnell mit auf den Weg.

Wie umweltbewusst ernähre ich mich?

Wie ich mich ernähre, ob vegan, vegetarisch oder mit Fisch und Fleisch, und wenn ja, wie häufig, will die erste Frage wissen. Mein Einkaufsverhalten – saisonal und regional oder Fertigprodukte – fragt die zweite ab. Beim Thema „Wohnen und Energie“ macht ein Grad mehr beim Heizen einen großen Unterschied in der Menge der Kugeln. Zum Konsum und Müllverhalten gibts gleich drei Fragen. Wenn ich mich mit maximal 15 neuen Oberbekleidungsstücken pro Jahr nicht selbst belüge, fahre ich hier mit einer Kugel den niedrigsten Wert ein. Die abschließenden Fragen zur Mobilität sind entscheidende. 20 Holzkugeln wandern in die Weltgläser, wenn man mehr als 30 000 Kilometer pro Jahr mit Auto oder Motorad zurücklegt. Ich fahre viel Fahrrad. Doch der Flug nach Amerika im vergangenen Jahr bricht mir fast das Genick. Dafür gibt’s 13 Kugeln.

Trotzdem stehe ich nach der Auswertung besser da als der Durchschnittsdeutsche. Der verbraucht, wie gesagt, drei Erden pro Jahr. Bei mir sind die drei Gläser nicht ganz voll geworden. Wenn ich alles richtig ausgefüllt und mich nicht selbst betuppt habe, verbrauche ich zweizweidrittel Erden, rechnet Weiland aus. „Eine steht uns aus Gerechtigkeitsgesichtspunkten nur zu“, ruft er mir trotz des guten Ergebnisses noch einmal als Mahnung in Erinnerung.

Den Online-Test gibt es hier.

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