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Haseldorfer Hafen : Obstgarten völlig leergeplündert

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ranger Malte Göpel muss bei seinen Führungen auf das übliche Apfelsaftpressen verzichten, weil fast keine Früchte mehr zu finden waren. Damit das nicht wieder passiert, will er 2014 mehr Präsenz zeigen.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Als Jannick im Obstgarten Haseldorf einen Apfel findet, ist das eine solche Besonderheit, dass der Elfjährige ihn dem überraschten Ranger Malte Göpel mit einem „Tadaa!“ hinhält. Beifall für den Fund eines Tischtennis großen Apfels – das hat es bei einer Führung des Rangers noch nie gegeben. Grund dafür: Der Obstgarten ist ratzekahl gepflückt, obwohl Apfelsorten wie „Adersleber Kalvill“ und „Baumannsrenette“ erst Mitte und der „Boikenapfel“ sogar erst Ende Oktober überhaupt pflückreif sind. Für den Ranger ein Grund zu großem Missmut: „Die Situation wurde definitiv ausgenutzt.“

Als „Naturerlebnisraum“ gehört es zum Konzept des Haseldorfer Obstgartens, dass nicht nur alte Sorten bewahrt werden, sondern Besucher ihre Lieblinge zum eigenen Bedarf auch pflücken können. „Wenn einige Leute zentnerweise Obst rausholen, ist das nicht in Ordnung“, so Elbmarschenhaus-Leiter Bernd-Ulrich Netz. Deshalb gibt es die Regel, dass jeder Besucher maximal zehn Kilo mitnehmen darf.

Dass der Obstgarten in diesem Jahr schon frühzeitig leergepflückt ist, führt Netz nicht nur auf die schlechtere Ernte (etwa 30 Prozent weniger) und die steigende Beliebtheit zurück: „Wie haben viele tolle Besucher, aber ein paar schwarze Schafe.“ Das Dilemma der Naturschützer: Weder haben sie die Ressourcen, den Garten vor „Ausbeutern“ zu schützen, noch wollen sie die vielen anständigen Besucher durch Einschränkungen wie Zäune oder Öffnungszeiten bestrafen: „Es gibt keinen Königsweg“, so Netz. Die Strategie fürs kommende Jahr ist deshalb, mehr Präsenz zu zeigen.

Ohne Obst musste der Ranger bei seiner Führung durch den zwei Hektar großen Garten auf den Einsatz der Saftpresse verzichten. Für die etwa 20 Teilnehmer war sie deshalb diesmal auch kostenlos. „Es ist ein Jammer, dass sogar unreife Äpfel gepflückt und der Garten ein bisschen vergewaltigt wurde“, so Andrea Eckert. Ihr Sohn Robin (13) war mit dem Stil-Pflücker eifrig damit beschäftigt, Äpfel in den Baumkronen zu finden. „Aber die Führung ist immer sehr interessant“, sagte Eckert.

Experte Göpel erklärte Faustregeln zum Schnitt, erzählte von köstlichen, aber „unwirtschaftlichen“ Sorten wie dem „Seestermüher Zitronenapfel“, der nicht gekauft wird, weil er gelb und nicht rot ist, und demonstrierte an sich und seinen anwesenden Eltern Ann und Rainer das „Genlotto“ von Apfelkernen: Die Nase habe er von seiner Mutter, die Länge vom Vater. Wie bei Apfelkernen wisse man also nicht, welche Sorte dabei rumkomme.
 

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