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„ars secumaris“ : Notentaschen für Wahnsinnsmusik

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Besucherrekord beim Konzert mit „Django Deluxe“ in Holm. Mehr als 200 Gäste jubeln über Gypsy-Jazz in der Reihe „ars secumaris“.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 13:00 Uhr

Holm | Das Gypsy-Jazz-Konzert der Hamburger Gruppe „Django Deluxe“ hat bei der Kulturveranstaltungsreihe „ars secumaris“ für einen Besucherrekord gesorgt. In den Holmer Räumlichkeiten des Unternehmers Jan-Ulrich Bernhardt spielte das Ensemble um Sologitarrist Giovanni Weiss, der 2013 für sein Album „Wilhelmsburg“ den „Echo Jazz“ erhalten hat, mehr als zwei Stunden kraftvoll-beschwingten und zuweilen rührend schwermütigen Gypsy-Jazz.

Die Zugkraft des Konzertes war enorm. Alle 197 Sitzplätze waren belegt. Selbst auf der Treppe der kleinen Unternehmenshalle wurde es eng. Auch dort saßen auf kleinen, blauen Schaumstoffmatten Besucher, die die Vorstellung nicht verpassen wollten. Ursula und Jens Mordhorst waren besonders vorausschauend gewesen und hatten sich eigene, erstklassig gepolsterte Sitzkissen mitgebracht.

Die Gruppe spielte vorwiegend Lieder von Django Reinhardt. Der belgische Sinti verband zur Mitte des 20. Jahrhunderts New-Orleans-Jazz mit traditioneller Romamusik und französischen Walzern. In diesem Stil spielte die Gruppe um Weiss und seinen Bruder Jeffrey (Kontrabass) sowie Jordan Rodin (Violine) und, als einziger Nicht-Sinti, Patrick Pagels (Gitarre) zumeist energisch-frohmütigen Swing, der durch den Kontrast von Rodins Violine und Weiss’ Sologitarre besonderes abwechslungsreich daherkam.

„Autumn Leaves“ glich einem glückssatten Abschied von der warmen Zeit des Jahres, der nicht ohne Wehmut auskommt. Giovanni Weiss demonstrierte bei „There will be another you“ die kunstfertige Atemlosigkeit seines Spiels. Reinhardts „Bolero“ erinnerte an die Verführungsversuche eines mediterranen Sommertags, bei der die Schwärmerei der Violine immer drängender wird, die Leichtigkeit der Sologitarre aber nicht für sich zu gewinnen vermag. Bei „I’ve Found a New Baby“ glänzte vor allem die Treibjagd des Basses, die eine Stummfilmfigur durch eine komisch angehauchte Flucht begleiten könnte. Höhepunkt war das schwermütig-bedauernde „In a Sentimental Mood“, mit dem die Musiker ohne treibenden Bass Melancholie und Trübheit verbreiteten, manchen Schniefer hervorriefen und kaum ein Auge nicht wässrig oder zumindest glasig werden ließen.

Am Ende gab es stehende Ovationen. „Eine Wahnsinnsmusik, die wir hier gehört haben“, sagte Bernhardt. Als Dankeschön gab es für die Musiker in Anspielung an ihr freies Spiel Notentaschen, ein Gag, über den sich die Hamburger sichtlich freuten.

Verknüpft war das Konzert mit der Posthum-Ausstellung von Lothar Stepaneks Werken, die bis zum 15. August bei Secumar zu sehen ist. Die Bilder des Künstlers können erworben werden. Anke Weidner-Hinkel verkaufte in der Pause kleine Linoldrucke wie „Dänemark“ oder „Rieseby“. Die Erlöse und zahlreiche Spenden nach dem Konzert kommen zur einen Hälfte der Gemeinde Holm und zur anderen der Palliativstation des Asklepios-Westklinikums in Hamburg-Rissen zugute.

Lothar Stepaneks Postum-Ausstellung „Vom Handwerk zur Kunst – von der Farbe zum Bild“ ist bis zum 15. August während der Bürozeiten des Holmer Unternehmens „Bernhardt Apparatebau“ (Bredhornweg 39) montags bis donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr sowie freitags bis 13.30 Uhr zu sehen.
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