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Interview III : Niels Schmidt zum Thema Elb-Fähre

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Dritter Teil des großen Sommer-Interviews: Bürgermeister Niels Schmidt zur Frage wie realistisch die neue Elbquerung ist, und was die Stadt für Radfahrer tun kann.

Wedel | Zahlreiche Fragen will Wedel geklärt wissen, bevor es ein Ja für den geplanten Autofähranleger gibt. Welche, sagt Bürgermeister Niels Schmidt im Tageblatt-Interview. Außerdem spricht er über die Häufung von Radunfällen in der Stadt und geforderte Tempo-30-Schilder.

Stichwort Autofähre. Von Projektplaner-Seite kommen laufend neue Erfolgsmeldungen und Unterstützerbekundungen. Von Stadtseite dagegen gibt es einen großen Katalog mit Bedingungen. Für wie realistisch halten Sie es, dass diese Elbquerung tatsächlich zustande kommt?
Niels Schmidt:
Das kann ich noch nicht wirklich beurteilen. Wir haben eine politische Mehrheit, die das grundsätzlich bei Einhaltung von Bedingungen begrüßen würde. Es gibt also eine positive Grundstimmung. Und anders als es vielleicht rüberkommt, gibt es keine grundsätzliche Blockadehaltung der Verwaltung. Aber es gibt für mich Punkte, die gewährleistet sein müssen. Der aus meiner Sicht wichtigste ist die Finanzierungsfrage. Städtisches Geld kommt überhaupt nicht in Frage. Und ich sehe auch eher geringe Chancen einer Mitfinanzierung aus Fördertöpfen. Der zweite Punkt ist die verkehrliche Frage. Alle politischen Parteien haben gesagt, es muss verkehrlich verkraftbar sein und zwar für Wedel, aber auch für das angrenzende Rissen. Die prognostizierte Verkehrsbelastung mit durchschnittlich 13 Fahrzeugen pro Fahrt ist überschaubar. Aber wie sieht es dann mit der Wirtschaftlichkeit aus? Als Unternehmer wird man sicher danach trachten, die Fähre möglichst voll zu kriegen. Dann ist die Verkehrsbelastung schon wieder eine ganz andere. Ein weiterer Punkt ist die Nachhaltigkeit: Wenn wir dieses Projekt machen, muss ich aus meiner Sicht gewährleistet haben, dass der Fährbetrieb nicht nach drei Jahren eingestellt wird oder die öffentliche Hand sich darum kümmern muss. Der Investor muss, durch welches Konstrukt auch immer, sicherstellen, dass wir nicht in einigen Jahren vor einem städtischen Problem stehen.

Halten Sie es für machbar, die Lühe-Schulau-Fähre in das Konzept einzubinden?
Ich hatte das zunächst anders interpretiert. Es gab die Aussage von Becker Marine Systems, man könne sich vorstellen, die Lühe-Schulau-Fähre zu übernehmen und zu betreiben. Das ist eine Option, die man denken kann. Jetzt ist mein Informationsstand, dass es eher heißt, dass die Lühe-Schulau-Fähre von einem Linien- in einen Gelegenheitsfährverkehr umgewandelt würde. Da müssen wir uns als Stadt aber die Frage stellen: Wollen wir das? Was ist dann mit unserem Ponton? Da würden wir uns ja heute schon mehr Verkehr wünschen. All diese Punkte sind Teil des Beurteilungsmaßstabs, der uns durch politischen Beschluss auferlegt wurde und für uns gilt. Wenn das alles positiv beantwortet wird, dann kann die Fähre kommen. Aber ob das so ist, ist für mich nach wie vor offen.

Anderes Thema. Wedel liegt landesweit ganz vorn bei Radunfällen. Was kann die Stadt tun, um diese offensichtliche Schwachstelle zu verbessern?
Diese Aussage ist auf das jüngste Beobachtungsjahr bezogen. Das ist kein Trend, der hier über Jahre anhält, sondern es ist ein auffälliges Jahr gewesen. Trotzdem wollen wir das Problem nicht kleinreden. Das Thema Radunfälle hat eine Reihe von Ursachen. Ein Teil ist das zunehmend unberechenbare Verhalten aller Verkehrsteilnehmer. Regeln werden von allen zunehmend als Angebot und nicht als Pflicht gesehen. Eine Beobachtung auf Radfahrerseite ist, dass zunehmend auf der falschen Fahrbahnseite gefahren wird und dadurch das Risiko der Abbiegeunfälle erheblich ansteigt. Man muss also das Radwegenetz so auslegen, dass das reduziert wird. Da können und sollten wir auch was tun. Wir haben mit der Feldstraße etwas gemacht, was von allen Beteiligten und den Radverkehrsverbänden als gut angesehen wird. Diesen Weg sollten wir unbedingt weitergehen.

Sprich: Radangebotsstreifen auf der Fahrbahn.
Ja. Das halte ich für eine gute und relativ kostengünstige Lösung.

Als erste Wahl bei künftigen Straßenausbau-Vorhaben?
Das würde ich so sehen, ja. Was ich etwa als nächstes ganz konkret unter diesem Gesichtspunkt bewertet haben möchte, ist die Schulauer Straße. Sie ist breit, hat sehr schlechte Radwege und es wird immer beklagt, dass dort zu schnell gefahren wird. Eine optische Verengung der Fahrbahn, zum Beispiel durch Radfahrstreifen, bringt immer auch eine Geschwindigkeits-Reduzierung. Da könnte man so mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Der Lärmaktionsplan schlägt Tempo 30 ganztags in mehreren wichtigen Innenstadtstraßen vor. Wird das umgesetzt? Verkehrsbehördliche Anordnungen sollen akzeptiert werden ohne großen Überwachungsaufwand. Auch unter diesem Gesichtspunkt muss also die Zweckmäßigkeit bewertet werden. Dazu kommt die Problematik mit dem ÖPNV: Wo die Bus-Linien in Wedel verlaufen, legen die ÖPNV-Betreiber schon Wert darauf, dass sie 50 fahren dürfen. Die Umsetzbarkeit wird also noch zu prüfen sein.

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erstellt am 22.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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