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Interview II : Niels Schmidt zum Thema Businesspark

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Teil zwei des großen Sommer-Interviews: Bürgermeister Niels Schmidt über Chancen und Risiken bei Wedels Mega-Projekt.

Wedel | Aus einer Industriebrache sollen hochwertige Gewerbeflächen werden: Wedels Mega-Projekt Businesspark. Tageblatt-Redakteur Oliver Gabriel sprach mit Bürgermeister Niels Schmidt über Investoren, Hotelpläne, Verkehrsprobleme und Konsequenzen für den Haushalt der Rolandstadt.

Wie steht es um die Vermarktung der Flächen im Businesspark? Trioptics ist ja bereits als Interessent abgesprungen.
Niels Schmidt: Wir haben nach wie vor einen Interessenten, einen Wedeler Investor, der dort ein Projekt realisieren möchte, das aus meiner Sicht auch gut in den Businesspark passen würde. Ansonsten sind wir im Moment ein bisschen gehemmt dadurch, dass wir den Bebauungsplan noch weiter voran bringen müssen. Es steht noch die abschließende Sanierung im Hafen-Bereich an. Wir müssen den Satzungs-Beschluss für den B-Plan haben und wir müssen die Erschließung auf den Weg bringen. Insofern bin ich ganz froh, dass wir im Moment nicht den Zeitdruck durch konkrete Projekte mit engem Zeitrahmen wie den Trioptics-Neubau haben. Schließlich müssen wir ja auch noch einige Fragen mit unseren Hamburger Nachbarn klären. (Der Zwist um die zulässigen Lärmgrenzen, Anmerkung der Redaktion.) Ich gehe aber davon aus, dass sich in 2016 die ersten Vermarktungs-Erfolge einstellen. Es war außerdem ein Gespräch mit einem großen Hamburger Unternehmen angekündigt auf Vermittlung unseres Wirtschaftsministers. Da habe ich aber noch keine Rückmeldung.

Ein Unternehmen, das sich ansiedeln will, oder ist das ein Projektplaner, der einen Entwurf über das gesamte Gelände legen möchte?
Das ist ein Unternehmen, das sich auf größerer Fläche ansiedeln möchte. Das muss man dann allerdings auch kritisch beleuchten, eben weil hier ein großer Flächenbedarf angefragt wurde. Wir müssen dann prüfen, wie nachhaltig das wäre. Es nützt uns ja nichts, wenn morgen alle Flächen weg sind, wir zwei Jahre Freude daran haben und dann wird aus der Freude ein Problem. Und wir wissen ja aus unserer jetzigen Lage, dass man aufpassen muss, dass man das Risiko ein bisschen diversifiziert. Ein großer Steuerzahler im Businesspark, der uns die Moral verdirbt, weil die Kassen prall gefüllt werden, nützt uns nichts, wenn wir uns schon heute fragen müssen, wie lange diese Situation anhält. Die Standorttreue von großen Unternehmen ist nicht mehr so wie früher.

Wann ist die Sanierung komplett abgeschlossen, so dass klar ist, ob Wedel mit dem Budget von Exxon für diese Arbeiten hinkommt?
Nach heutigem Erkenntnisstand werden wir die Sanierung 2015 abschließen. Jetzt steht die weitere Sanierung des Hafens an. Das hängt aber auch davon ab, wie wir uns da entscheiden. Da spielt ja noch die ganze Elbfährendiskussion hinein, die im Moment nicht hilfreich ist, weil sie die Dinge an dieser Stelle wieder durcheinander bringt. Wie sind aber in Gesprächen und versuchen die Sanierung so zu gestalten, dass sie das Elb-Fähre-Projekt nicht ausschließt, die Sanierung und der B-Plan aber auch nicht verzögert werden.

Wann rechnen Sie mit Effekten für Wedels Haushalt – einmalig durch Grundstücksverkäufe wie auch langfristig durch Steuereinnahmen?
Grundstücksverkäufe könnten 2016 durchaus schon realisiert werden. Steuerzahlungen sicherlich nicht. Das wird dann sukzessive aufwachsen. Ich hab immer gesagt, der Businesspark wird nicht unsere kurzfristigen Haushaltsprobleme lösen, sondern er wird uns langfristig weiterhelfen. Das ist nach wie vor das Ziel.

Wie wichtig wäre ein Hotel an dieser Stelle? Ist das ein relevanter Faktor, an den Interessenten eine mögliche Ansiedelung knüpfen?
Nein. Aussagen wie: Wir wollen in den Businesspark, wenn klar ist, dass da ein Hotel hinkommt, gibt es nicht. Und das Hotel selbst ist erstmal eine gewerbliche Ansiedelung. Ein möglicher Betreiber muss für sich die Wirtschaftlichkeit sehen. Es wird ja keiner da hinkommen, weil wir das schön finden. Ich hab immer noch die Rückmeldung gerade aus den größeren Betrieben, dass ein Hotel einer höheren Kategorie fehlen würde. Zwar bezweifeln unsere heutigen Hoteliers den Bedarf, aber wir lassen ja gerade ein Gutachten erstellen, um das zu klären. Ich gehe davon aus, dass ein zusätzliches Hotel für Wedel hilfreich sein kann – aber auch nur eines. Einer der Standorte, die infrage kommen, ist der Businesspark, und wir haben bereits Interessenten gehabt, die in dieser Sache vorgesprochen haben. Die haben wir aber vertröstet, weil wir erst das Gutachten abwarten wollten.

Ist das Thema Verkehr für dieses riesige Gewerbegebiet auf Dauer ohne einen zweiten S-Bahnhof zu bewältigen? Zurzeit spricht ja nichts dafür, dass die Bahn dieses Thema anpacken möchte.
Es scheint tatsächlich schwierig, den Bau eines zweiten S-Bahnhofs zu erreichen. Man weiß aus Erfahrungen mit der Bahn, dass das lange und schwierige Prozesse sind und man auch bei starker landespolitischer Unterstützung da schnell an Grenzen stößt. Mir macht das insofern aber nicht so viel Sorgen, als dass wir zwar schon eine gewisse Vorstellung davon haben, wie der Endausbau des Businessparks ist. Aber das wird ja langsam aufwachsen. Und ob er am Ende wirklich diese Mitarbeiterzahlen aufweist, die wir damals prognostiziert haben, das wird man auch sehen müssen.

Sie sagen also, es bleibt noch Zeit für die Lösung der Verkehrsfrage?
Ja, es ist noch Zeit für eine Verbesserung der Verkehrsanbindung, etwa durch ÖPNV, oder vielleicht auch wirklich für eine Änderung der Bewertung des S-Bahnhofs. Möglicherweise ist dann auch die Stadt in einer anderen finanziellen Situation, so dass wir auch einen größeren Teil beim Bahnhofsbau schultern können, was wir heute nicht könnten. Ich glaube, wir tun alle gut daran, Projekte wie den Business-Park voranzutreiben, uns aber auch eine gewisse Zeit zu gönnen, um die Dinge nacheinander zu lösen. Das Problem ist immer, dass manche Menschen meinen, dass alle Fragen zu Beginn und abschließend beantwortet werden müssen. Das kann man aber häufig nicht, was dazu führen würde, dass man viele Projekte gar nicht mehr umsetzt. Aber es ist eben nicht so, dass morgen einer kommt, das ganze Areal bebaut und 4000 Leute ihre Arbeit aufnehmen. Man könnte sicher relativ schnell die Grundstücke verkaufen, wenn man Abstriche bei der Qualität macht. Aber dann hätte man dort am Ende nicht das, was man wollte.

Diese Woche im Tageblatt: Teil 3 des Interview, Thema Autofähre und Verkehr.
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erstellt am 19.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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