Ausverkauftes Theater : Nicole Heesters in Wedel

Unaufdringlich: Nicole Heesters wusste durch leise Mimik und sparsame Geesten zu überzeugen.
Unaufdringlich: Nicole Heesters wusste durch leise Mimik und sparsame Geesten zu überzeugen.

Im restlos ausverkauften Theater Wedel zog Schauspielerin Nicole Heesters das Publikum in ihren Bann. Zweite Lesung terminiert.

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09. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Wedel | „Wir freuen uns riesig über einen ganz besonderen Gast“ so begrüßte die Vorsitzende des Kulturforums Wedel Monika Dohmen das Publikum am Sonntagabend im restlos ausverkauften Theater Wedel. Danach folgte ein wahrer Gala-Auftritt einer Grande Dame: Bühne frei für die großartige Nicole Heesters. Beim Anblick der Schauspielerin im roten Chiffon ging ein Raunen der Bewunderung durch den Saal. Die Hamburgerin hatte mit ihrem unverwechselbaren Charakter und durch ihre charmante Ausstrahlung die Herzen der Zuschauer von der ersten Minute an erobert.

Nur ein Tisch stand auf der Bühne. Hieran setzte sich Heesters – und verzauberte mit geschliffenen Worten, unaufgesetzter Mimik und sparsamen Gesten die Gäste mit einer Weihnachtlichen Lesung von besinnlichen, stimmungsvollen und heiteren Texten. Sie hätte vor einigen Tagen eine Umfrage gelesen, wonach zehn Prozent der deutschen Bevölkerung den „Ursprung des Weihnachtsfestes“ nicht mehr kennen würden, erzählte die Akteurin staunend. Wie passend war es da, die Geschichte „Der Ursprung des Festes – Warum wir eigentlich Weihnachten feiern“ von Robert Gernhardt vorzutragen.

Mit viel Witz ließ Heesters vor dem geistigen Auge des Publikums eine Kneipe entstehen, in der heftig gezecht wurde, und infolgedessen viel Unsinn mit den merkwürdigsten Wortverdrehungen über die Bedeutung des Festes verbreitet wird. Zwangsläufig muss der Zuhörer zu dem Schluss kommen, dass das Weihnachtsfest wohl eine Art Erinnerung an Weihnachten ist.

Nicole Heesters ist die zweite Tochter von Schauspieler und Sänger Johannes „Jopi“ Heesters (1903-2011). Ihre Schauspielkarriere begann beim Film. 1953 stand sie in „Ich und meine Frau“ zum ersten Mal vor der Kamera. 1954 debütierte sie am Wiener Volkstheater in der Titelrolle des Erfolgsstücks "Gigi". Anschließend folgten Engagements unter anderem in Hamburg, Berlin, München, Bochum, Basel, Zürich, Köln und Wien. 1978 war Heesters die erste weibliche "Tatort"-Ermittlerin überhaupt.

Mit ihrer inspirierenden Dynamik entführte Heesters ihr Publikum weiter in eine surreale Geschichte des New Yorker Schriftstellers Paul Auster. Durch einen einfachen Kioskhändler gelingt es dem Autor ein Verständnis für das vielschichtige Zitat Shakespeares zu bekommen: „Morgen, morgen und dann wieder morgen, kriecht so mit kleinen Schritten, die Zeit von Tag zu Tag.“

Weitere philosophische Betrachtungen fanden sich auch bei den folgenden Geschichten wie „Das Paket des lieben Gottes“ von Bertold Brecht, das berührende „Weihnachten in Cochinchina“ von Joseph Roth, dem zauberhaften Weihnachtsmärchen „Das Geschenk“ von Joe Lederer, dem gesungenen Lied „Morgen Kinder wird’s nichts geben“ von Erich Kästner und dem traurig-schönen Märchen von dem „Kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen.

Die Zuhörer lauschten der Künstlerin mit großer Andacht und überschütteten sie nach der wundervoll vorgetragenen Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums mit reichlich Applaus. Nach einer Zugabe – Heesters trug das Gedicht „Feiertage“ des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch vor – verließ die Grande Dame die Bühne.

Das Kulturforum konnte Nicole Heesters für eine weitere Lesung verpflichten. Am Mittwoch, 11. Februar, liest die Schauspielerin wieder im Theater Wedel, Rosengarten 9. Diesmal aus Stefan Zweigs Erzählung „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“. Beginn ist um 20 Uhr. Karten kosten 14 Euro, für Mitglieder zwölf Euro. Im Vorverkauf sind sie im Buchhaus Steyer, bahnhofstraße 46, in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 65, im Theater Wedel und beim Kulturforum telefonisch unter 04103-2089 zu beziehen.
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