Neues über Astrid Lindgren

Schriftstellerin Astrid Lindgren mit Pippi-Darstellerin Inger Nilsson.
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Schriftstellerin Astrid Lindgren mit Pippi-Darstellerin Inger Nilsson.

Fernsehfilm: Die Holmerin Claudia Drexel lüftet Geheimnisse der Pippi-Langstrumpf-Autorin

shz.de von
22. Mai 2015, 10:00 Uhr

Wenn Arte zum 70. Geburtstag von Pippi Langstrumpf am Pfingstsonntag um 22.15 Uhr „Astrid Lindgren“ ausstrahlt, dann steckt eine Holmerin dahinter: Claudia Drexel. Viele bisher unbekannte oder nicht beachtete Einzelheiten aus dem Leben der Pippi-Langstrumpf-Schöpferin hat die Journalistin und Filmemacherin dafür zusammengetragen. Im Buchhaus Steyer in Hamburg-Rissen stellte sie das Ergebnis ihrer Nachforschungen vor.

Inhaberin Bettina Steyer hatte vorsorglich 50 neue Stühle gekauft, nicht einen zu viel, wie sich schnell zeigte. Dies sei seit langer Zeit die erste größere Veranstaltung in ihrem Geschäft, verriet die Buchhändlerin, fast sprachlos vor Freude über den Andrang. Unter den Gästen war auch Lindgrens deutsche Verlegerin Silke Weitendorf, Lindgren-Fan seit ihrem zehnten Lebensjahr. Ihr Vater Friedrich Oetinger hat 1949 die erste deutsche Pippi-Übersetzung auf den Markt gebracht und danach die deutschen Versionen aller späteren Lindren-Werke. Als nächstes soll Lindgrens 30 Jahre umspannender Briefwechsel mit Sara Schwardt im Oetinger Verlag erscheinen. „Wer weiß, was ohne Pippi-Langstrumpf aus unserer Firma geworden wäre“, sinnierte Weitendorf nach Drexels Präsentation.

Als ebenso intime Lindgren-Kennerin outete sich Kristina Ekelund, Vorsitzende der schwedischen Gemeinde in Hamburg. Sie punktete mit ihren gründlichen Kenntnissen schwedischer Hintergründe mancher Geschichten. Aber auch für sie gab es etwas Neues: die erst kürzlich veröffentlichte „Ur-Pippi“, eine kecke Version des Lindgren-Debüts, die den Verlegern vor 70 Jahren denn doch zu weit ging.


Kinderbuchautorin gab unehelichen Sohn ab


Überhaupt habe die offizielle Kritik lange Zeit an Lindgrens Werk viel auszusetzen gehabt, referierte Drexel. Aber andererseits sei schon recht früh begonnen worden, politische Ideen und Forderungen in die Schriften der Schwedin hineinzudeuten, die von der Autorin nie beabsichtigt gewesen seien.

Als Privatperson war Lindgren eher darauf bedacht, ihre persönliche Sphäre abzuschirmen, betonte Drexel. Dass die Schriftstellerin als unverheiratete 18-Jährige einen Sohn zur Welt brachte und an Pflegeeltern abgegeben habe, sei deshalb lange unbekannt geblieben: Sie war ganz bestimmt keine rührselige Märchentante, urteilte Drexel.

„Sie sind mein Test-Publikum“, hatte Drexel zu Beginn des Abends augenzwinkernd gewarnt. Denn: Beim Fernsehen bekomme man die Zuschauerreaktion ja sonst nicht mit. Wenn die Arte-Gucker am Pfingstsonntag sich verhalten wie die Testpersonen im Buchhaus Steyer, denn werden sie am Schluss einfach sitzenbleiben und auf mehr hoffen. So jedenfalls endete der Abend in Rissen. Ein Riesenerfolg sowohl für die Holmerin Drexel als auch für Gastgeberin Steyer, die noch lange vergnügt Stühle wegräumte.

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