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Hetlingen : Neuer Sitzplatz für Denker und Träumer

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mit bearbeiteten Findlingen hat die Bildhauerin Birgit Knappe den „Kunst am Bau“-Wettbewerb für Hetlingens Feuerwache gewonnen.

Hetlingen | Mit seinen 775 Jährchen kann Hetlingen eigentlich noch gar nicht mitreden. Da haben die frisch zugereisten Steine ein ganz anderes Alter auf dem Buckel: mindestens 400 Millionen Jahre. Aber was ihnen alles widerfahren sein mag in der Zeit seit ihrer Entstehung in unvorstellbarer Erdentiefe über ihre mutmaßlichen Reisen im Gepäck von Eiszeitgletschern bis hin zu dem Tag, an dem sie vor der neuen Feuerwache offiziell „Kunst am Bau“ wurden, wird immer ihr Geheimnis bleiben.

Die Gemeindegeschichte ist dagegen ein offenes Buch, seitdem Kulturvereinschef Jonn-Heinz Bernhardt sie zu einer reich bebilderten Chronik verarbeitet hat. So hatte Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU) ein schönes Andenken an Hetlingen parat, als es darum ging, sich bei Birgit Knappe für die zwei Findlinge zu revanchieren. Die in Berlin beheimatete Bildhauerin hatte die Idee, die Steine zu bearbeiten und vor dem Feuerwehrneubau zu platzieren. Damit gewann sie den Wettbewerb um die künstlerische Gestaltung des Platzes.

Inzwischen hat sie ihr Werk vollendet und die beiden Brocken zieren ihren neuen Standort. Mehr als vier Tonnen schwer ist der größere, der zweite bringt auch noch gut eine halbe Tonne auf die Waage. Als „Kunst am Bau“, erfüllen sie die Gesetzesvorschrift, einen Anteil der Kosten öffentlicher Bauten für Kunstwerke zu verwenden, begründete Riekhof den Aufwand.

Aber eines Tages werden Passanten glauben, die Findlinge seien schon immer hier gewesen, sinnierte die Bürgermeisterin, denn „sie sehen so natürlich aus“. Für die Künstlerin ein großes Kompliment, denn genau das Ziel hatte sie vor Augen, als sie ihr Werk konzipierte. Ihr habe ein Platz vorgeschwebt, der sich harmonisch in seine Umwelt einfüge, einen attraktiven Anziehungspunkt zwar, an dem Spaziergänger auch gerne eine Zeit lang verweilen, der aber zugleich seine eigene Selbstverständlichkeit ausstrahle. „Sitzsteine“ nennt Knappe ihre beiden Skulpturen aus Gneis. Wer hier Platz nimmt, dem wünsche sie gelassene Distanz zum hektischen Profitstreben des Alltags und stattdessen demütige Gedanken an Zeit und Ewigkeit. So wie sie ihr selbst gekommen seien, während sie dem harten Urzeitprodukt ihre künstlerische Vision abgerungen habe.

Nach diesen nachdenklichen Worten wurde es lebhaft auf dem Rasen vor der Feuerwache und die beiden Steine mussten im Beisein der Gemeindevertreter, des Wehrführers Axel Meier, des früheren Uetersener Amtsbauleiters Peter Bröker und vieler Zuschauer aus dem Dorf etwas über sich ergehen lassen, was ihnen in Jahrmillionen sicherlich noch nie passiert ist: eine sprudelnde und lautstark beklatschte Sekttaufe, die sie offiziell zur Sitzgruppe für Denker und Träumer machte.

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erstellt am 27.Aug.2014 | 16:00 Uhr

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