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Stolperstein in Wedel : Nazi-Mord: Suche nach Opfer-Foto

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gedenken an den 1942 erschossenen Wehrmachtssoldaten Karl Timm. Die Geschichtswerkstatt benötigt ein Bild.

Wedel | Wedel Nationalsozialisten haben durch ihre Taten  während des Dritten Reiches Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen: Karl Timm aus Wedel ist eins der Opfer. Für den am 3. September 1942 in Dresden hingerichteten damals 22-jährigen Wehrmachtssoldaten soll Ende dieses Jahres ein Stolperstein in der Rolandstadt verlegt werden – vor der letzten nachweisbaren Adresse: Bahnhofstraße 35. Die Hamburger Willy-Bredel-Gesellschaft, eine Geschichtswerkstatt aus Hamburg-Ohlsdorf, die sich im Opfer der NS-Militärjustiz kümmert, sucht nach einem Foto von Karl Timm.

René Senenko von der Willy-Bredel-Gesellschaft hat Karl Timm auf einer Opferliste entdeckt. „Immer wenn ich Namen mit Ortsangaben aus Hamburg oder Schleswig-Holstein entdecke, versuche ich zu recherchieren“, berichtet Senenko. Das Grab von Timm ist auf dem Nordfriedhof am Südwestrand der Dresdner Heide zu finden. Auf diesem Ehrengrabfeld sind 136 Namenstafeln, darunter findet sich auch die Inschrift für Karl Timm.

Gedenken an Opfer der NS-Militärjustiz in Dresden: Auch der Name von Karl Timm aus Wedel ist dort zu finden. (tas)
Gedenken an Opfer der NS-Militärjustiz in Dresden: Auch der Name von Karl Timm aus Wedel ist dort zu finden. (tas)
 

Über den Wedeler weiß der Historiker nach eigener Aussage nicht viel: Vermutlich habe Timm nach dem Schulabgang in Wedel Klempner gelernt. „Kein Bild, keine Dokumente zeugen von seinem Leben“, berichtet Senenko. Es gebe nur „ein paar dürre Staten und einige Erinnerungen des 14 Jahre jüngeren Bruders Gerhard“. Sicher sei, dass er nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Luftwaffe eingezogen und zum Kanonier ausgebildet wurde. Wegen nazikritischer Äußerungen sei der Wehrmachtssoldat in einem Militärstraflager bei Leipzig interniert, zum Tode verurteilt und an einem Schießstand in der Dresdner Heide erschossen worden.

Bruder lebt noch heute in Wedel

Timm wuchs laut Senenko in Wedel mit vier Geschwistern in einer Arbeiterfamilie auf. Der damalige Adresse war Voßhagen 48. Zudem habe Karl Timm auch in der Schloßstraße 10 und zuletzt in der Bahnhofstraße 35 gelebt. Der Vater des später Ermordeten habe in einer Ölmühle gearbeitet und sei Nazi-Gegner gewesen. Der zwölf Jahre jüngere Bruder von Karl Timm lebt noch heute in Wedel: „Aber auch er hat kein Bild von Karl Timm“, sagt Senenko. Das Foto des Nazi-Opfers soll im Rahmen der Einweihung des Stolpersteins und zudem in Gedenkbüchern genutzt werden.

Den Stolperstein soll Gunter Demnig verlegen. Der Künstler ist ab 28. November in Hamburg und soll dann nach Wedel kommen. Dann sollen vier weitere Stolpersteine in Wedel verlegt werden, die auf Opfer von Nationalsozialisten hinweisen. Zu Recherche der Fälle und zur Sammlung von Spenden für die Aktion haben auch Mädchen und Jungen der Gebrüder-Humboldt-Schule beigetragen. Im April lobten alle Parteien der Ratsversammlung das Vorhaben.

Gunter Demnig verlegte die ersten Stolpersteine mit behördlicher Genehmigung 1997. Bisher sind es etwa 50.000 Stolpersteine europaweit. Die mit einer Messingplatte versehenen Betonsteine werden von Demnig und dem Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer in Handarbeit hergestellt. Mittlerweile sind die Gedenksteine in 750 Gemeinden in 18 Staaten verlegt worden. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
Wer ein Foto oder weitere Hinweise zu Karl Timm hat, kann sich per E-Mail an tip@a-beig.de an die Tageblatt-Redaktion wenden oder bei der Willi-Bredel-Gesellschaft unter Telefon 040/32593086 anrufen.
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erstellt am 20.Sep.2015 | 09:00 Uhr

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