Wedel : Nächtliche Verkehrsbremse auf der B 431

Bürgermeister Niels Schmidt (von rechts) und BI-Sprecher Christian Vorwerck helfen Bauhof-Mitarbeiter Thorsten Noffke symbolisch beim Montieren der Tempo-30-Schilder.
Bürgermeister Niels Schmidt (von rechts) und BI-Sprecher Christian Vorwerck helfen Bauhof-Mitarbeiter Thorsten Noffke symbolisch beim Montieren der Tempo-30-Schilder.

Im Kampf um eine Lösung für die verkehrsgeplagten Altstadtbewohner ist Wedel einen Schritt vorangekommen: Nach Jahren hat Kiel ein nächtliches Tempolimit auf der B431 zwischen Bahnhof und Ortsausgang Holm genehmigt. Bürgermeister Niels Schmidt und Christian Vorwerck, Sprecher der BI zur Verkehrsberuhigung, montierten gestern mit Hilfe von Bauhofmitarbeiter Thorsten Noffke das erste 30er-Schild. Stadt und BI sind sich indes einig, dass nur eine Verlegung der B431 eine echte Lösung sein kann.

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12. März 2014, 12:00 Uhr

Neun Schilder an der B 431 auf rund zwei Kilometer Länge zwischen Bahnhof und Lüttdahl: Sie markieren den Beginn des Versuchs, das Verkehrsproblem von Wedels Altstadt endlich in den Griff zu bekommen. Gestern montierten Bauhof-Mitarbeiter Tempo-30-Verkehrszeichen mit den Zusatzschildern „Lärmschutz“ und „22 - 6 h“ – die nächtliche Tempobremse für die Bundesstraße. Ein kleiner Schritt – trotzdem war er mühsam genug und brauchte Jahre, bis er gegangen war, gegangen werden durfte.

Rückblende. Im Sommer 2009 beschließt Wedel gemäß den Vorgaben der EU einen Lärmaktionsplan. Eine Maßnahme gegen den Krach ist die Geschwindigkeitsreduzierung auf den dicht besiedelten Teilen der B 431 innerorts. Eben damit wird Wedel in Kiel vorstellig – und blitzt ab. Erst 2013 kommt das Signal von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD): Wedel darf das Tempolimit auch auf einer Bundesstraße anordnen. Zumindest nachts.

„Mit der Umsetzung wird den berechtigten Interessen der Anlieger der B 431 in der Altstadt Rechnung getragen“, sagte gestern Wedels Bürgermeister Niels Schmidt, der symbolisch bei der Schilder-Installation half. „Ich glaube, dass damit ein geschwindigkeits- und damit auch lärmdämpfender Effekt spürbar wird“, so der Verwaltungschef. Auch Christian Vorwerck begrüßte die neuen Schilder verbunden mit einem Dank an die Stadt: „Dies ist ein erster kleiner Schritt hin zu einer verkehrsberuhigten Alt- und Innenstadt – und hoffentlich nur der Anfang“, so der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) für Verkehrsberuhigung. „Jetzt zeigt sich, dass das Manko dieser Straßenführung nun auf allen Ebenen, auch in Kiel, als nicht mehr tragbar angesehen wird.“

Für die Bürgerinitiative sei indes klar, dass sie weiter auf eine Umfahrung drängen werde. Volles Verständnis bei Schmidt: „Nur eine Verlegung der Bundesstraße bringt eine echte Lösung. Alles andere sind allenfalls Schmerzmittel.“ Die Beschlusslage und Planungsmittel für eine Nordumfahrung seien gegeben, so der Bürgermeister. „Man muss allerdings ehrlicherweise sagen, dass wir über einen sehr langen Zeitraum reden, bis das kommt.“ Parallel werde für eine kurzfristige Verkehrsentlastung daher auch weiter am Bau einer Nordtangente im Zuge der geplanten Baugebietsausweisung im Altstadtnorden gearbeitet. Wie berichtet spekuliert Wedel darauf, dass diese später als Teil der Umfahrung in eine Bundesstraße umgewandelt wird.

Eine solche Doppelstrategie – Planfeststellungsverfahren forcieren und gleichzeitig an der Nordtangente arbeiten – ist auch für die BI oberstes Gebot, so Vorwerck. Durch das Planfeststellungsverfahren könnten nicht allein „erhebliche Mittel des Bundesverkehrswegeplans für Wedel genutzt werden“. Auch könne man so die Bahn zum Bau einer schrankenlosen Gleisquerung im Autal verpflichten. Die ist bekanntlich Voraussetzung für eine echte Nordumfahrung.

Das nächtliche Tempolimit gilt ab sofort. Was die Überwachung und Ahndung von Verstößen angeht, ist der Kreis in Kooperation mit der Polizei Pinneberg zuständig. Wedels Verwaltung wird jedoch verdeckte Messungen anstellen, um gegebenenfalls Argumente dafür zu sammeln, dass vielleicht auch das eine oder andere Mal mehr kontrolliert wird.

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