Wedel : „Nacht der 100.000 Kerzen“: Friedlicher Protest gegen Atomwaffen

Die Teilnehmer falteten  Lotusblüten aus Papier, die an die Opfer der Atombombenabwürfe vor 73 Jahren erinnern sollten. Damals suchten die Menschen vor dem atomaren Feuer Schutz im Meer.

Die Teilnehmer falteten Lotusblüten aus Papier, die an die Opfer der Atombombenabwürfe vor 73 Jahren erinnern sollten. Damals suchten die Menschen vor dem atomaren Feuer Schutz im Meer.

Etwa 200 Teilnehmer haben am Wedeler Mühlenteich gegen Atomwaffen protestiert.

shz.de von
06. August 2018, 12:30 Uhr

Wedel | „Wenn man einigermaßen lebendig ist, sollte man aktiv sein für den Frieden“, sagte Pastor in Ruhestand Sönke Wandschneider vom Hamburger Forum für Frieden und Völkerverständigung am Sonnabendabend am Wedeler Mühlenteich. Er gehörte zu den Rednern bei der „Nacht der 100000 Kerzen“, die von der Friedenswerkstatt Wedel in Zusammenarbeit mit dem Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg organisiert wurde, um an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu gedenken.

Kritik an Deutschland

„Ausschwitz, Hiroshima, Nagasaki – das sind  Menschheitsverbrechen, die schlimmer nicht sein können“, sagte Wandschneider. „Wir müssen täglich dafür eintreten, dass Völkermord, Rassismus und Auslöschungsfantasien nicht Platz greifen.“ Er erinnerte an die Hochphase des Kalten Kriegs, in der mehr als 60.000 Atomwaffen existierten. „Das waren endlich viele Waffen, um die Erde, die Menschen und Tiere, die auf ihr Leben, zu vernichten“, sagte der ehemalige Pastor. Die Zahl sei auf 15.000 gesunken, aber das Risiko eines Atomkriegs bestehe weiterhin. Denn: 1500 Atomwaffen seien jederzeit in Bereitschaft. „In den kommenden vier bis fünfJahren sollen die Atomwaffen modernisiert, das heißt noch effektiver gemacht werden. Sie sollen zielgenauer zerstören – das stellen sich die Atommächte zumindest vor.“ Er kritisierte, dass Deutschland nicht den Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen unterzeichnet hat. „Unsere ach so freundliche Bundesregierung hat sogar alle Einladungen zu Gesprächen ausgeschlagen. Dafür kann man sich nur schämen“, sagte Wandschneider. 

Der Wasserstand des Mühlenteichs erschwerte das Einsetzen der Lichter. Schnell fanden sich aber Helfer, die diese Aufgabe übernahmen.
Bastian Fröhlig

Der Wasserstand des Mühlenteichs erschwerte das Einsetzen der Lichter. Schnell fanden sich aber Helfer, die diese Aufgabe übernahmen.

 

„Wir müssen wohl noch mehr werden, damit sich eine Bundesregierung in Deutschland das nicht mehr erlauben kann“, sagte Wandschneider. Schließlich seien 70 Prozent der Deutschen für die Ächtung der Atomwaffen. „Die Bevölkerung ist nicht kriegslüstern, sondern kriegsmüde“, sagte Wandschneider. Sein Appell: „Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an.“ Waren es im vergangenen Jahr etwa 80 Teilnehmer, kamen in diesem Jahr etwa 200Menschen, um ein Zeichen für Abrüstung, Frieden und gegen Krieg zu setzen. Gemeinsam wurden während des Rahmenprogramms mit verschiedenen Reden und musikalischen Beiträgen Lotusblüten aus Papier gefaltet. Nach einer kurzen Prozession wurden diese mit einem entzündeten Teelicht auf den Mühlenteich gesetzt. Die Blüten sollen an die Menschen erinnern, die nach den Atombombenabwürfen am 6.August 1945 Schutz im Meer vor dem atomaren Feuer suchten. Allerdings war das Einsetzen der Lotuslüten gar nicht so einfach. „So wenig Wasser hatten wir noch nie im Mühlenteich“, sagte Organisatorin Irmgard Jasker. Den mitgebrachten Spaten als Hilfsmittel konnte sie aber stehenlassen, da einige Helfer einsprangen und die Blüten aufs Wasser setzten.

Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) war nicht vor Ort, hatte aber ein Grußwort gesendet, dass verlesen wurde: „Vielleicht ist gerade eine still brennende Kerze in einer immer lauter und hysterischer werdenden Welt das stärkste Symbol dafür, wie durch Ausgleich, gegenseitigen Respekt und genaues Zuhören diese Welt wieder eine friedlichere werden kann. Danke, dass Sie heute ein Zeichen setzen.“

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