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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. Oktober 2017 | 18:49 Uhr

Mordprozess: Täter muss in die Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Urteil Nico F. ist wegen Schizophrenie schuldunfähig, aber gefährlich

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 13:53 Uhr

Es war eine schreckliche Tat, und ein Prozess, dessen Umstände, unter anderem wegen eines völlig betrunkenen Zeugens, mehr als bizarr waren. Gestern wurde das Urteil gesprochen. Für das Landgericht Itzehoe steht fest, dass Nico. F. die Lebensgefährtin seines Vater Karl-Heinz V. mit mehreren Messerstichen getötet hat. Dennoch wurde er sowohl vom Vorwurf des Mordes als auch des Totschlags freigesprochen. Nach Ansicht des Gerichts ist er nicht schuldfähig. Er leidet an paranoider Schizophrenie und muss deshalb dauerhaft in die Psychiatrie.

F. hatte mit seinem Vater und anderen in Neumünster gefeiert. Alle Beteiligten hatten kräftig gezecht. Schließlich fuhren Vater und Sohn nach Elmshorn in die Wohnung von V.. Dort wartete dessen Lebensgefährtin. Auch sie hatte reichlich Alkohol konsumiert. Nach Überzeugung des Gerichts holte F. plötzlich ein Messer aus der Küche und tötete die Lebensgefährtin seines Vaters.

Völlig unklar blieb bis gestern der Grund für diese Tat. Aufklärung leistete die psychiatrische Sachverständige Mariana Wahdany. Sie kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte an paranoider Schizophrenie leidet. Er höre „imperative Stimmen“, also Stimmen, die ihm Befehle geben. Möglicherweise auch den Befehl, jemanden zu töten.


Täter litt unter Angstpsychosen


F. war seit 2010 wegen Essstörungen und diversen Zwängen in Behandlung. Außerdem litt er zunehmend unter Verfolgungswahn und Angstpsychosen. 2011 sprang er völlig unvermittelt vor ein Auto und schlug mit einem Schlagstock auf den Fahrer ein. Es habe frühzeitig „Hinweise auf eine psychotische Entwicklung“ gegeben, sagte Wahdany. Für die Tatsache, dass F. diese Stimmen zur Tat gebracht haben, spricht laut Gutachterin auch, dass er sich hinterher an nichts habe erinnern können. Ihrer Ansicht nach gab es bei F. zum Tatzeitpunkt eine „erhebliche Minderung der Steuerungsfähigkeit“.

Aufgrund der Schwere der Erkrankung und weil sie seit mehreren Jahren nicht behandelt worden ist, ist laut Gutachterin die Wahrscheinlichkeit groß, dass F. auch künftig gewalttätig wird: „Die Gefährlichkeit für die Allgemeinheit besteht fort“.

Für Staatsanwältin Greta Hansen stand die Täterschaft von F. fest. Wegen seiner Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt plädierte sie für Freispruch, wegen seiner Gefährlichkeit für dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie.

Nebenkläger Walter Wellinghausen, Vertreter der Familie der Getöteten, zweifelte die Schuldunfähigkeit an und forderte eine Verurteilung. Nach Ansicht von Gerd-M. Achterberg, Verteidiger von F., hatte die Verhandlung nicht eindeutig ergeben, dass sein Mandant der Täter war. Es hätte auch der Vater sein können. Er plädierte deshalb, „im Zweifel für den Angeklagten“, auf Freispruch.

Das Gericht unter Richterin Isabel Hildebrandt hatte keinen Zweifel an der Täterschaft von F.. Seine Steuerungsfähigkeit sei jedoch erheblich eingeschränkt, wenn nicht sogar vollständig aufgehoben gewesen. Deshalb sei er schuldunfähig und müsse freigesprochen werden. Sie ordnete aber an, F. dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. „Das ist alternativlos“, so die Richterin.

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