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Wedel-Schulauer Tageblatt

15. Dezember 2017 | 15:37 Uhr

Tävsmoor : Moorschützer warten auf Eiszeit

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kräftig in die Hände gespuckt haben Mitglieder des Vereins zum Schutz des Tävsmoors. Sie schnitten Wege frei und köpften zur Pflege Kopfweiden. Händeringend warten sie auf Dauerfrost: Nur dann kann weiteres Moorgebiet zurückerorbert werden.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Heist/Appen/Uetersen | Johann Behnke wartet sehnsüchtig auf die Eiszeit: „Ich hätte gern 14 Tage mindestens minus acht Grad.“ Während andere Menschen froh darüber sind, dass der Winter sich bisher von seiner eher freundlichen Seite gezeigt hat, ist der Vorsitzende des Vereins zum Schutz des Tävsmoors darüber nicht so glücklich. Minusgrade bedeuten für den Naturschützer, dass er gemeinsam mit seinem Helferteam weitere Moorflächen freilegen kann.

Vor einem Viertel Jahrhundert wurde der Verein gegründet. Bisher wurde eine etwa Dreiviertel Hektar große Fläche von Birkenwuchs befreit. Das entstandene Moor ist im Laufe der Jahre quasi aus der Erde herausgewachsen – etwa 40 bis 50 Zentimeter. „Das kommt daher, weil die Birken das Wasser entziehen“, erklärt der Moorspezialist.

Damit das zurückgewonnene Ursprungsland nicht wieder von den Birken zurückerobert wird, muss die Fläche regelmäßig „entkrusselt“ werden. Das bedeutet, dass Baumsprösslinge per Hand entfernt werden. „Ich freue mich immer über Helfer“, sagt Behnke. Oft kommen Schulklassen, die Kinder und Jugendlichen haben dabei viel Spaß. Im Vorzeige-Moor gedeihen prächtig Sonnentau, Moosbeere, Torfmoos und Wollgras.

Aber auch bei milderem Winterklima gibt es genug zu tun. Neun Männer und eine Frau stehen Behnke diesmal zur Seite. Bevor es vom Tower des Heistmer Flugplatzes mit drei Treckern raus zum Arbeitseinsatz geht, gibt es ersteinmal Kaffee aus der Thermoskanne und mit Käse und Mettwurst belegte Brötchen. Wer hart körperlich arbeiten soll, muss gut im Futter stehen, weiß der Landwirt.

Für die Vereinsmitglieder ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen das Naturschutzgebiet nutzen können. Denn nur wer die Schönheit erkennt, kann sie auch schützen, lautet die einfache Philosophie. So werden die Wege frei geschnitten.

Und auch Baumpflege steht auf dem Programm. Etwa 15 Kopfweiden wurden „geköpft“, wie das Herunterschneiden und Sägen der Äste bis auf den Stamm fachmännisch genannt wird. Was passiert, wenn diese Pflegearbeit unterlassen wird, zeigen eindrucksvoll alte Bäume am Wegesrand, die sich in schwerer Morbidität der Erde zum Sterben entgegenneigen.

Neupflanzungen sind wichtig. So haben vor zehn Jahren Gerd Müller, ein ausgebildeter Mikrobiologe, und Hans-Erich Burmeister Kopfweiden gepflanzt. Sie müssen regelmäßig bis auf den Stamm zurückgeschnitten werden. Für die Landwirtschaft war das selbstverständliche Naturpflege, die Äste wurden beispielsweise zu Besen- und Schaufelstielen verarbeitet oder zum Anfeuern genutzt, wie der Appener Landwirt Wilhelm Heidorn (74) erklärt. Bei guter Pflege können die für die Marschregion typischen Kopfweiden 30 bis 40 Jahre alt werden, so Behnke. Die Weiden haben einen weiteren Nutzen: Die inzwischen seltenen Steinkäuze lieben sie als Behausungen.

Der Verein zum Schutz des Tävsmoors besteht seit 25 Jahren. Die Mitgliedschaft kostet 15 Euro im Jahr. Interessenten können sich beim Vorsitzenden Johann Behnke unter der Telefonnummer (04122) 81596 melden. Für Schulklassen besteht die Möglichkeit zu Führungen und Naturschutzeinsätzen.
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