Moorrege: Momente der Rührung

Neben Hans Böttcher (85, vorne Mitte) wurden 17 Feuerwehrleute geehrt oder befördert.
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Neben Hans Böttcher (85, vorne Mitte) wurden 17 Feuerwehrleute geehrt oder befördert.

Ehrung für Hans Böttcher (85) / Verabschiedung von Klaus Semmelmann (67) / Auch Wehrführer Sven Heitmann kündigt Rückzug an

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21. Januar 2015, 16:00 Uhr

Vize Olaf Semmelmann rang mit den Tränen. Wehrführer Sven Heitmann versuchte es erst gar nicht: Seine Augen waren wässrig. Zwischen ihnen stand Hans Böttcher und setzte der Rührung seiner Kameraden das vitalste Strahlen entgegen. Der 85-Jährige wurde für 60 Jahre aktive Dienstzeit geehrt. Die Hauptversammlung der Feuerwehr Moorrege stand dieses Jahr im Zeichen der Ergriffenheit.

„Macht es mir nach“, sagte Böttcher lachend zu seinen applaudierenden Kameraden. An jedem Dienstabend ist der 85-Jährige noch immer dabei. Als Heitmann vor mehr als 40 Jahren in der Jugendwehr begonnen hat, war Böttcher stellvertretender Wehrführer. „Das ist eine unvorstellbare Sache – beachtlich“, sagte Heitmann. Auch die Verabschiedung von Klaus Semmelmann (67) aus der Reserve rührte nicht nur den Wehrführer. „Da blutet mir das Herz. Er ist mein Ziehvater gewesen“, sagte Heitmann. Von ihm hatte er den Gruppenführerposten übernommen. „Mir blutet es noch mehr. Ich weiß gar nicht, wie ich das alleine schaffen soll“, sagte der frisch beförderte Löschmeister Uwe Stahl zum Abschied des Kameraden. Die Mitstreiter reihten sich vorne auf: Jeder wollte Semmelmann persönlich danken.

Was seine Wehr schon seit November wusste, sagte Heitmann nun öffentlich: Dieses Jahr ist sein letztes als Chef. Nach 17 Jahren stellt sich der 51-Jährige 2016 nicht wieder zur Wahl. „Nach drei Amtszeiten ist es die richtige Zeit, den Posten in neue Hände zu geben“, sagte Heitmann. Neuer Elan und frische Ideen sollen den „Top-Zustand“ der Wehr bereichern.


58 Aktive leisten 2014 82 Einsätze


58 Aktive zählt die Truppe, davon sind acht Frauen. Mit 19 Mitgliedern ist auch die Jugendwehr stark aufgestellt. 82 Einsätze wurden 2014 gemeistert. Seit Jahren steigt die Anzahl. Mit 51 „First Responder“-Einsätzen, mehr als die Hälfte davon in Uetersen, wird dabei der Rettungsdienst durch 15 Moorreger Feuerwehrleute unterstützt. „Im Durchschnitt sind wir immer vier bis fünf Minuten vor Eintreffen von Rettungswagen oder Notarzt am Einsatzort gewesen“, sagte Heitmann.

Eine besondere Ehrung gab es für den überraschten Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU). Verdutzt und ergriffen bekam er von Kreiswehrführer Frank Homrich die „Deutsche Feuerwehr Ehrenmedaille“ – die höchste Auszeichnung für Nicht-Aktive. „Wir erleben fast täglich, dass sich Weinberg für die Belange der Feuerwehr einsetzt“, las Homrich die Begründung vor, mit der Heitmann die seltene Auszeichnung für seinen langjährigen Dienstherrn lanciert hatte. Auf Weinbergs Zusagen könne man sich verlassen, so Heitmann.

Mit dem Brandschutzzeichen in Silber und echten Silberuhren wurden zudem Harald Hübner und Jürgen Suhl für 25 Jahre im aktiven Dienst geehrt. „In Würdigung seiner hervorragenden Dienste“ bekam Hauke Schmidtpott von Homrich das Feuerwehrehrenkreuz des Landes in Bronzes verliehen. Nico Amtage erhielt als erster Moorreger seit 1962 den Flutorden. Im Juni 2013 hatte er in Sachsen-Anhalt als Fluthelfer die Wassermassen bekämpft.

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