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Hamburg : Moorburg und das Heizkraftwerk Wedel: Totgesagte leben länger

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Die Diskussion über die Moorburgtrasse geht überraschend in eine neue Runde. Die CDU will sie zur Fernwärmeversorgung nutzen.

Hamburg/Wedel | Überraschende Variante im Ringen um eine Nachfolgelösung für das Heizkraftwerk Wedel: Hamburgs CDU will die politisch schon abgehakte Moorburgtrasse wieder aufwärmen. Per Bürgerschaftsantrag fordert die Hanse-Union den Senat auf, „anfallende Abwärme – insbesondere im Kraftwerk Moorburg – und industrielle CO2-freie Abwärmepotenziale zur Fernwärmeversorgung nutzbar“ zu machen.

Das Kraftwerk Moorburg im Süden Hamburgs besteht aus zwei Kraftwerksblöcken mit jeweils 827 Megawatt Leistung. Damit kann es technisch elf Terawattstunden Strom im Jahr erzeugen, das sind elf Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht fast dem Stromverbrauch Hamburgs. Zur Stromerzeugung verbraucht das Kraftwerk bis zu 480 Tonnen Kohle pro Stunde, das wären bei voller Last 4,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Jede Woche legt ein hochseetaugliches Kohleschiff am Kraftwerk an und bringt 60.000 Tonnen Kohle. Der Betreiber Vattenfall hat etwa drei Milliarden Euro in das Kraftwerk investiert. Der Bau hat sich unter anderem durch verschärfte Umweltanforderungen, nachträgliche Bauauflagen sowie Materialprobleme bei Zulieferungen verzögert und verteuert. (dpa)

Das 2015 ans Netz gegangene Kohle-Großkraftwerk südlich der Elbe war vor zehn Jahren als Fernwärmelieferant fest eingeplant. Wegen des heftigen Widerstands von Umweltschützern und Anwohnern gegen die zwölf Kilometer hatte die Stadt das Projekt aber verworfen. Im rot-grünen Koalitionsvertrag heißt es, die Moorburgtrasse werde „weder angestrebt noch unterstützt“. Ein wasserdichtes Nein ist das - zumindest sprachlich – jedoch nicht. Und: Das Planfeststellungsverfahren für die mehr als 200 Millionen Euro teure Moorburgtrasse ist von Betreiber Vattenfall nie eingestellt worden, sie liegt auf Eis.

Die ungenutzte Abwärme des Kraftwerks Moorburg heize mit Millionen Kubiklitern Wasser täglich die Elbe auf, klagt CDU-Energieexperte Stephan Gamm. „Das ist pure Energieverschwendung und ökonomischer Unsinn.“ Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) verfeuere lieber in Wedel zusätzliche fossile Brennstoffe als die Energie aus Moorburg zu nutzen. Gamm: „Der Senator macht seinem Ruf als Kohle-Kerstan alle Ehre.“

Der lässt den Vorschlag von seinem Sprecher zurückweisen. Jan Dube: „Der Bau der Moorburgtrasse unter der Elbe hindurch wäre sehr teuer und mit großen Preisrisiken für die Fernwärmekunden verbunden. Der Bau dieser Trasse ist von der Koalition nicht gewollt.“ Auch SPD-Energiepolitikerin Monika Schaal nennt Fernwärme aus Moorburg „weder ökonomisch noch ökologisch“ sinnvoll.

BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch bezeichnet den CDU-Vorstoß als „absurd und offenbar interessengesteuert“. Eine Wärmeauskopplung aus dem Mega-Kraftwerk würde die Fernwärmeversorgung „für Jahrzehnte auf klimaschädliche Steinkohle fixieren“ - und dem Volksentscheid zum Netzrückkauf aus 2013 widersprechen.

Dass die Moorburgtrasse überhaupt wieder für Diskussionen sorgt, hat seine Ursache in der Hängepartie in Sachen Fernwärme-Zukunft. Rote und Grüne im Rathaus haben sich noch nicht darauf verständigt, wie Hamburger Wohnungen mittelfristig geheizt werden. Kerstan und die Seinen möchten das Wedeler Kraftwerk durch einen Mix aus Kleinkraftwerken, Erdwärme, Solarthermie und Industrieabwärme ersetzen. SPD-Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erscheint das bisher als zu unsicher. Er verweist darauf, Fernwärme müsse verlässlich zur Verfügung stehen sowie für Erzeuger und Nutzer wirtschaftlich sein.

Derweil steuert die FDP eine andere Idee bei. Die Liberalen wollen das Heizen mit Strom in Hamburg wieder erlauben. Bedingung: Die Energie muss aus erneuerbaren Quellen stammen.

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erstellt am 04.Apr.2016 | 18:43 Uhr

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