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Kohlemeiler : Modernisierung: Vattenfall investiert 84 Millionen in Heizkraftwerk Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Energiekonzern Vattenfall beginnt mit der Nachrüstung für eine längere Laufzeit. Das Heizkraftwerk wird umfangreich modernisiert. 90 Maßnahmen sind bis 2018 geplant.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Wedel | Vattenfall rüstet sich für die Ertüchtigung des Wedeler Heizkraftwerks. Laut Martin Erker, Leiter der Kraftwerksgruppe Hamburg, ist Ende Januar beim Energiekonzern die Entscheidung für die Investition von 83,5 Millionen Euro in die Modernisierung des Kohlemeilers aus den 1960er Jahren gefallen.

Bis 2018 werden rund 90 Maßnahmen angegangen, um Umwelt-, Arbeits- und Betriebssicherheit der Anlage zu gewährleisten, so Erker. Durch die technische Nachrüstung soll unter anderem sichergestellt werden, dass die 2016 sowie 2019 in Kraft tretenden schärferen Emissionsgrenzwerte eingehalten werden.

Der Energielieferant Vattenfall rüstet sein Kohlekraftwerk Wedel, um auch künftig die strengen Vorgaben der Immissionsschutzverordnung einzuhalten. Das mehr als 50 Jahre alte Heizkraftwerk sollte ursprünglich bereits vom Netz genommen sein. Über eine Sicherstellung der Wärmeversorgung in Hamburgs Westen besteht jedoch bis zum heutigen Tag keine Klarheit. Die Entscheidung darüber liegt mittlerweile beim Hamburger Senat und soll noch im Laufe des Jahres 2016 fallen.

Dazu werden etwa die sogenannten Feinstaub-Filter ertüchtigt, die unter anderem den Quecksilberausstoß weiter vermindern. Eine Versuchsanlage habe zu bedeutenden Erfolgen und zur Einhaltung der erst ab 2019 geltenden Auflagen für Emissionen geführt, sagte Erker am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Auch die immer wieder von Anwohnern monierte Lärmemission werde durch verschiedene Maßnahmen reduziert. Wie berichtet soll das Steinkohlekraftwerk am Elbhochufer, das 180.000 Haushalte mit Wärme versorgt, voraussichtlich bis mindestens 2021 in Betrieb bleiben, da noch kein Konzept für einen Ersatz gefunden ist. Bis Ende 2016 will Hamburg über eine Nachfolgelösung entscheiden.

Kraftwerk bleibt voraussichtlich bis mindestens 2021 am Netz

83,5 Millionen Euro für 90 Maßnahmen, die Vattenfall eine Betriebsverlängerung des Wedeler Kohlemeiler ermöglichen: Nachdem Ende 2015 bekannt wurde, dass das Heizkraftwerk noch voraussichtlich bis mindestens 2021 am Netz bleibt, hat der Energiekonzern am Donnerstag bekannt gegeben, dass eine umfangreiche Modernisierung der Anlage kommt.

Vor zwei Jahren habe man aufgrund des Widerstands gegen den geplanten Ersatz des Meilers durch ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit der Modernisierungsplanung begonnen, sagte Martin Erker, Leiter der Kraftwerksgruppe Hamburg. Ende 2015 habe das Konzept gestanden und sei auch bereits von der zuständigen Aufsichtsbehörde genehmigt.

Trost für die geplagten Anwohner, die nun deutlich länger als ursprünglich in Aussicht gestellt mit dem von Kritikern als „Dreckschleuder“ bezeichneten Kraftwerk aus den 1960er Jahren leben müssen: Laut Erker wird die Ertüchtigung zu spürbaren Senkungen bei Schadstoff- und Lärmemissionen führen.

Erfolgreiche Versuche mit neuen Feinstaub-Filtern seit Oktober 2015 hätten bereits jetzt zu einer Unterschreitung der erst ab 2019 geltenden strengeren Grenzwerte geführt. Auch die aktuell viel diskutierte Quecksilber-Emission der Anlage werde durch die neue Filtertechnik nochmals reduziert, so Erker. Die Versuchsanlage werde jetzt für den regulären Betrieb umgerüstet.

Turbinen werden überholt

Zum Maßnahmen-Paket gehört weiter der Austausch der Transformatoren. Stichwort Lärm: Die neuen Transformatoren seien bedeutend leiser, so Erker. Für 2017 ist eine Generalüberholung der beiden Turbinen durch den Hersteller Siemens geplant. Zu diesem Zweck werden sie komplett zerlegt und nach Mühlheim transportiert, wo Überholung und Prüfung erfolgen. Die Turbinen werden nacheinander in Angriff genommen. Eine Überholung dauert nach Erkers Angaben etwa drei Monate. Die Arbeiten erfolgen jeweils in den Sommermonaten, also der Zeit geringen Wärmebedarfs. Das Kraftwerk Wedel versorgt rund 180.000 Haushalte im Hamburger Westen.

Zeitweise werde die Wedeler Anlage zwecks Revision komplett außer Betrieb genommen. Die Versorgung der Wärmekunden am Wedeler Strang erfolge dann mittels einer so genannten strömungstechnischen Verschaltung aus dem Heizwerk Hafencity oder über Tiefstack. Dies sei nur in einem schmalen Zeitfenster bei entsprechender Witterung möglich, so Erker.

Der Partikelausstoß, den Anwohner in Wedel immer wieder beklagen, soll bald ganz unterbunden werden. Laut Erker handelt es sich um Gips, der beim Kalt-Anfahren ausgeworfen wird. Durch eine Teflon-Beschichtung in den Schloten werde verhindert, dass sich Partikel anhaften. Sie fallen stattdessen in den Schornstein zurück. Noch im laufenden Jahr werde mit der Umrüstung begonnen und eine spürbare Verringerung des Ausstoßes erreicht werden. Nach Abschluss der Sanierung in 2017 werde kein Gips mehr aus den Schornsteinen rieseln. Was dagegen bleibt, ist die offene Kohlehalde. Für sie gelte Bestandsschutz, sagte Erker auf Nachfrage.

Eine Modernisierung in dieser Größenordnung hat es nach Erkers Angaben bislang lediglich einmal zwischen 1990 und 1992 gegeben. Es werde jedoch laufend investiert, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Und um Auflagen zu erfüllen: Erst jüngst hatte die Aufsichtsbehörde Maßnahmen zur Lärmreduzierung angeordnet, da der Meiler Grenzwerte überschritten hat: Diese seien noch 2015 abgeschlossen worden, so Erker. Was eine von Anwohnern kritisierte morgendliche Lärmentwicklung angehe, sagte der Kraftwerke-Leiter: Die Quelle sei identifiziert. Es handle sich um eine Kohlestaub-Absauganlage, die nun eingehaust werden soll.

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